„Es ist fünf vor Zwölf“

Hermann rät Schaaf zum Rücktritt

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Günter Hermann kickt ab und zu noch für Werders Traditionsmannschaft, trotzdem bricht er nun mit einer Bremer Tradition: Der Ex-Profi spricht sich tatsächlich gegen Trainer Thomas Schaaf aus. · Fotos: imago, nph

Bremen - Erst Uli Borowka, nun Günter Hermann – ausgerechnet zwei ehemalige Mitspieler glauben im Abstiegskampf nicht mehr an Thomas Schaaf und wünschen sich eine Veränderung auf der Trainerbank des SV Werder Bremen. Das hat es in den letzten Jahren in Bremen so noch nie gegeben.

„Hermann fordert Schaaf-Ablösung“, titelte gestern Mittag die Internetseite „sport1.de“. „Ich habe keinen Rücktritt gefordert“, stellte Hermann gegenüber dieser Zeitung zwar klar, der 52-Jährige erklärte allerdings auch: „Ich habe nur gesagt: Es wäre für Thomas vielleicht ganz gut, wenn er jetzt zurücktreten würde. Thomas ist ein sehr guter Trainer. Aber es ist hier fünf vor zwölf und damit höchste Zeit für Veränderungen. Der Verein wird Thomas ganz sicher nicht entlassen, weil der Verein immer noch hofft, dass es irgendwann wieder läuft. Aber seit mindestens einem Jahr wird hier ganz schlechter Fußball gespielt. Der Trainer ist nun einmal das schwächste Glied in der Kette. Und das sage ich, obwohl ich selbst Trainer bin und mir immer wünsche, dass nicht sofort der Trainer Schuld ist. Aber jetzt geht es um die Zukunft des ganzen Vereins.“

Schon vor drei Wochen hatte Borowka auf seiner Facebook-Seite im Internet verkündet: „Ich habe das Gefühl, dass Thomas Schaaf die Mannschaft nicht mehr erreicht. Ich denke, es ist Zeit für Veränderungen bei Werder, und das nicht nur beim Trainer.“ Der 50-Jährige, der 239 Bundesliga-Spiele für Werder absolvierte, wurde mehr oder weniger mit Missachtung gestraft. Auf Hermanns Kritik gab es dagegen eine Reaktion – und zwar von Schaaf höchstpersönlich. „So wird Schwachsinn weiter getragen“, sagte der 51-Jährige „sport1.de“.

Diese Ex-Kollegen sind sich definitiv nicht mehr grün. Dabei haben Schaaf, Borowka und Hermann 1992 mit Werder den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte gefeiert – den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger. Meister waren sie zusammen auch – 1988. Alles Vergangenheit. Die Gegenwart heißt Abstiegskampf.

„Das wird eine ganz enge Kiste“, glaubt Hermann, der beim Oberligisten VSK Osterholz-Scharmbeck fast genauso lange als Coach im Amt ist wie Schaaf bei Werder: „Ich war auch schon an dem Punkt, an dem ich zurücktreten musste, weil es so nicht mehr ging. Doch der Verein hat mich überredet. Bei Amateurclubs ist das auch in Ordnung, aber Werder ist ein Wirtschaftsunternehmen. Wenn da auf Dauer etwas nicht funktioniert, dann muss man das ändern, um das Schlimmste zu verhindern.“

Das wäre der Abstieg. Und Hermann warnt davor, das nur als Betriebsunfall anzusehen, der nach einem Jahr wieder behoben ist. „Es gibt genügend Beispiele, die gezeigt haben, dass eine Rückkehr dauern kann“, berichtet der 52-Jährige. Also muss jetzt etwas passieren. Hermann wünscht sich, dass auch die Spieler mehr in die Verantwortung genommen werden: „Was sich da ein Marko Arnautovic erlaubt, das geht gar nicht.“ Der Weltmeister von 1990, der in Italien allerdings nicht zum Einsatz gekommen ist, bemängelt aber nicht nur die Einstellung des Österreichers: „Die meisten spielen doch hier nur ihren Stiefel runter, die wissen gar nicht, worum es jetzt geht. Dabei macht es ein Kevin de Bruyne doch vor, der gibt immer alles, läuft rauf und runter, ackert wie blöde.“

Der Belgier allein werde es aber kaum richten. Zumal sich Hermann zusehends um die ohnehin schon instabile Defensive sorgt. „Beim Torwart stimmt es überhaupt nicht. Sebastian Mielitz hat immer wieder Unsicherheiten, das ist für die Abwehr nicht einfach“, meint Hermann: „Ein Torwart muss eine Ausstrahlung haben, der muss die Mitspieler auch mal zusammenscheißen.“ In diesem Zusammenhang kann der Ex-Profi nicht verstehen, dass Werder einen Felix Wiedwald vor zwei Jahren ziehen ließ: „Den hat man weggeschickt – und jetzt ist er in Duisburg eine sehr gute Nummer eins.“

Auch Eigengewächse wie zum Beispiel Dennis Diekmeier (Hamburger SV) Max Kruse (SC Freiburg), Martin Harnik (VfB Stuttgart), Christian Schulz (Hannover 96) oder Simon Rolfes (Bayer Leverkusen) hätten sich die Bremer letztlich durch die Lappen gehen lassen. „Das muss sich wieder ändern“, fordert Hermann ein Umdenken: „Ich bin Bremer, mir liegt der Verein wirklich am Herzen. Ich habe nichts gegen Thomas Schaaf. Im Gegenteil. Aber es geht jetzt nicht mehr um Einzelne. Das muss man auch mal sagen dürfen. Ich will nicht, dass Werder absteigt.“ · kni

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