Andreas Herzog: „Die Stimmung war einzigartig“

Die Helden von 1999 erinnern sich

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Der große Jubel: Vorlagengeber Andreas Herzog reckte die Arme in die Höhe.

Bremen - Von Carsten Sander. 17 Jahre liegt das Spiel schon zurück. Doch die Erinnerung an den 11. Mai 1999 ist immer noch frisch bei Andreas Herzog (47) und Christoph Dabrowski (37). An jenem Dienstagabend empfängt Werder Bremen in einem Nachholspiel der 29. Runde den FC Schalke 04 im Weserstadion. Es ist ein Schicksalsspiel für die abstiegsgefährdeten Bremer, bei denen erstmals Thomas Schaaf auf der Trainerbank sitzt.

Geht es schief, sieht es drei Spieltage vor Schluss schlecht aus für Werder. Sehr schlecht sogar. Aber es geht nicht schief. Weil Herzog flankt und Dabrowski köpft, gewinnt Werder mit 1:0. Es ist die Wende zum Guten im Abstiegskampf – und vielleicht die Blaupause für das aktuelle Schicksalsspiel der Bremer am Montag (20.15 Uhr) gegen den VfB Stuttgart.

Der große Jubel: Christoph Dabrowski lief nach seinem Tor auf und davon

Klar, Andreas Herzog wird nicht mehr flanken, Christoph Dabrowski nicht mehr köpfen. Aber das Kurztrainingslager in Verden, das Knistern in Bremen, die Hoffnung auf ein Highlight unter Flutlicht, die Gefahr, die von der Partie ausgeht – es ist in vielen Bereichen so wie damals. Auch der Ausgang? Andi Herzog, von 1992 bis 1995 und 1996 bis 2001 der Werder-Spielmacher, drückt natürlich die Daumen. „Ich denke schon, dass sie es packen“, sagt der Co-Trainer des US-Nationalteams: „Die Mannschaft spielt ja nicht katastrophal, ist nach vorne immer für Tore gut. Aber sie muss es langsam auch mal schaffen, zu null zu spielen. Dass das die ganze Saison noch nicht geklappt hat, ist ja ein Wahnsinn.“

Nach zuvor vier Niederlagen in Folge stand an jenem 11. Mai 1999 die Null bei Werder – und Herzog „weiß noch ganz genau“, wie er sich damals im brodelnden Weserstadion gefühlt hat: „Die Stimmung war von Anfang an einzigartig, einfach phantastisch.“ Denn Bremen hielt zu Werder. Wie heute.

„Jedem war klar, dass es nur gemeinsam geht“, erinnert sich auch Christoph Dabrowski an die Kraft, die von den Rängen ausging: „Der Druck, der auf der Mannschaft lastete, war immens. Das Stadion ist aber von Anfang an mitgegangen. Am Ende war es dann eine Gänsehautatmosphäre.“

Dank ihm. Mit seinem Treffer in der 54. Minute bescherte der erst zur zweiten Halbzeit eingewechselte 21-Jährige dem SV Werder die drei überlebenswichtigen Punkte. Für ihn „ein im Nachgang unvergesslicher und prägender Moment“ in der noch frischen Karriere. Die ist längst beendet, mittlerweile sitzt Dabrowski als Co-Trainer auf der Bank von Hannover 96 und erlebt mit den Niedersachsen gerade, was ihm mit Werder einst erspart geblieben war: den Abstieg.

Dass die Bremer dem Gang in die zweite Liga anno 1999 entkamen, hatte vor allem am Sieg über Schalke gelegen. Danach, so Dabrowski, ging alles leichter: „Mit dem 1:0 ist absolut der Knoten geplatzt.“ Es folgten in den noch ausstehenden drei Partien zwei weitere Siege (3:1 bei 1860 München, 4:1 über Borussia Mönchengladbach), der ersehnte Klassenerhalt war fix.

Dass über die aktuelle Saison und die Partie gegen den VfB in 17 Tagen oder 17 Jahren Ähnliches erzählt werden kann, ist heute Abend das große Ziel aller. Dafür braucht es neue Helden – einen, der flankt, und einen, der zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle steht.

Ob sich Geschichte wiederholen lässt, wird sich zeigen. Fakt ist, dass Herzog und Dabrowski die aktuelle Werder-Generation nicht um die Aufgabe gegen den VfB beneiden. „Du bist absolut im Tunnel vor so einem Spiel“, beschreibt Dabrowski die psychologische Seite. Und Herzog ergänzt: „Abstiegskampf ist extremer Stress.“ Aber wenn die Gefahr gebannt ist, dann, schwärmt der Österreicher, „ist es wunderbar“.

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