Uwe Harttgen: Vom Werder-Profi zum Doktor der Philosophie

Leiter von Werders Nachwuchsleistungszentrum Uwe Harttgen.

Von Florian Neuhauss - Uwe Harttgen ist einer von vielen Ex-Profis Werder Bremens, die den Club heute leiten. Der Doktor der Philosophie ist Chef des Bremer Nachwuchsleistungszentrums. Auch seine aktive Karriere verlief ungewöhnlich.

Vom Anforderungsprofil her bringt Uwe Harttgen alles mit: Der Leiter von Werders Nachwuchsleistungszentrum ist Doktor der Philosophie und hat als Ex-Profi selbst erlebt, wie schwer der Weg in die Fußball-Bundesliga ist. Seit 2007 sorgt er dafür, dass es die Bremer Talente zumindest leichter haben als er während seiner aktiven Zeit.

Damit passt die Personalie Harttgen in den Bundesliga-Trend: Mehr und mehr Vereine setzen in Schlüsselpositionen auf ehemalige Spieler. Dabei hatte der 47-Jährige ganz anderes vor. Nicht von ungefähr begann Harttgen nach Abitur und Zivildienst ein Psychologie-Studium. Fußball war Nebensache. „Ich habe nicht an den großen Fußball gedacht, nicht einmal davon geträumt“, berichtet Harttgen rückblickend. „Mein erstes Herrenjahr habe ich in der Kreisliga B bei OT Bremen gespielt.“

Erst durch die Hintertür fand er doch noch seinen Weg auf die große Bühne. Mit 23 Jahren kam der Angreifer zu Werders Amateuren: „Nachwuchsmanager Rolf Behrens hat mich geholt. Er erzählte mir dann, dass er mich schon zwei Jahre früher auf dem Zettel hatte. Aber in der Zeitung hatte er gelesen, dass ich mit 28 Jahren 21 Tore geschossen habe. In Wahrheit war ich 21 und hatte 28 Mal getroffen.“

Erst mit 25 Jahren hatte Harttgen seinen ersten Einsatz bei den Profis. „Ich weiß nicht, ob es das so noch einmal gibt“, sagt der Spätberufene, der sein Studium anschließend hintanstellte. Mit den ersten Profi-Einsätzen empfahl er sich bei Trainer-Legende Otto Rehhagel für mehr. In insgesamt 82 Bundesligaspielen schoss der Offensivspieler 15 Tore und feierte mit Werder große Erfolge: Die DFB-Pokal-Siege 1991 und 1994, der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1992 und die Meisterschaft 1993.

Nach einem Kreuzbandriss wechselte er 1994 in die Zweite Liga zu Hannover 96, wo er sich mit Günter Hermann eine kleine Wohnung teilte. Die bei Werder bekannte Kontinuität fehlte in den damaligen Tagen bei 96. In seinen zwei Jahren in Hannover erlebte Harttgen drei Präsidenten und fünf Trainer. „Einen Coach hatte ich sogar nur eine Woche lang“, erinnert er sich.

Per Mertesackers Vater Stefan war damals in Hannover als Amateur-Trainer zu den Profis aufgerückt. „Wir haben einmal miteinander telefoniert. Ich war gerade verletzt und in Bremen. Als ich wiederkam, hatten sich die Vereinsverantwortlichen schon für einen neuen Coach entschieden, was aber nichts mit der Arbeit von Mertesacker zu tun hatte. Der Verein hatte einfach anderes vor“, berichtet Harttgen.

Nach der erneuten Personal-Rochade kam es ihm nicht ungelegen, dass sich bei Werder eine erneute Chance ergab. Unter Wolfgang Sidka spielte er noch ein paar Mal in der Bundesliga und wechselte dann - diesmal aber als erfahrener Spieler - in die U23, die Thomas Schaaf trainierte. 2001 beendete Harttgen seine Karriere und begann nur ein Jahr später in Werders Nachwuchsleistungszentrum (NLZ). 2007 wurde er Chef der wichtigen Ausbildungsstation. Vier Jahre später machte er seinen Doktortitel. Sein Promotionsthema: „Psychologische Aspekte der Entwicklung jugendlicher Leistungsfußballer“.

Die ambitionierten Bremer können bei ihren internationalen Ansprüchen jedes preiswerte Talent aus dem eigenen Nachwuchs gut gebrauchen. Viel Geld für teure Neuverpflichtungen gibt es nicht. Harttgen soll die Stars von morgen individuell auf das vorbereiten, was da kommen könnte. „Wenn man nur seinen Traum lebt, führt der Weg häufig vom Alltag weg“, philosophiert er. Harttgen muss es wissen. dpa

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