Werder ringt Augsburg nieder – 1:0

Hart erarbeiteter Traumstart am Schaaf-Gedächtnis-Tag

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GROSSE GESTE: Die Bremer Fans verabschiedeten Ex-Trainer Thomas Schaaf gestern mit einer tollen Choreographie.

Werder-Bremen -

BREMEN. 94 Fußball-Minuten, nachdem Thomas Schaaf bei einer Choreographie der Werder-Fans symbolisch ins Weserstadion zurückgekehrt war, stand der SV Werder plötzlich wieder dort, wo sich der Club während der Ära Schaaf viele Jahre aufgehalten hatte: Weit oben in der Bundesliga-Tabelle, genauer gesagt auf Rang vier. Wer hätte das vor der Saison gedacht? Niemand! Der vermeintliche Abstiegskandidat hat einen Traumstart erwischt, den besten seit 2006. Dem 1:0-Auftakterfolg in Braunschweig ließen die Bremer gestern ein 1:0 (1:0) gegen Augsburg folgen. Klingt prima, sah aber alles andere als gut aus. Beide Siege einte: Sie waren sehr, sehr glücklich – und fußballerisch erinnerte doch einiges an den späten Schaaf, der im Mai nach 14 Jahren wegen Erfolglosigkeit entlassen worden war.

Bei den Fans steht Schaaf immer noch ganz hoch im Kurs. Die achtminütige Choreographie vor dem Anpfiff sorgte für Gänsehautatmosphäre im mit 40 112 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Weserstadion. Die Ostkurve war mit großen Bannern zur Landebahn des Bremer Flughafens mutiert, wo aus dem Flieger Thomas Schaaf, mit Kamera und Werder-Fahne bewaffnet, grüßte – so wie 2004, als die Mannschaft als Meister aus München eingeflogen war. Einziger Unterschied: Schaaf gab es nur als Aufdruck, so wie auf den Zehntausenden Transparenten aller Zuschauer. „Eine tolle Aktion“, schwärmte Schaaf-Nachfolger Robin Dutt: „Schade, dass Thomas nicht im Stadion war. Dann wäre es perfekt gewesen.“

Den Fans gebührt in jedem Fall ein Riesenlob, denn sie schafften auch einen guten Übergang von der Vergangenheit in die Gegenwart. Das große „Danke-Thomas“-Banner wurde zum Schluss mit den Worten „Auf geht’s Robin“ überdeckt.

Und das Team des neuen Trainers legte durchaus vielversprechend los. Nils Petersen tauchte schon nach zwei Minuten vor dem Augsburger Tor auf, köpfte jedoch vorbei. Chancen dieser Art sollte es dann lange, ganz lange nicht mehr geben. Und trotzdem ging Werder in Führung, weil Augsburg-Keeper Mohamed Amsif einen durchaus haltbaren Aufsetzer von Mehmet Ekici durch die Hände gleiten ließ (23.).

Das Tor hätte Werder Sicherheit geben können, gab es aber nicht. Fortan spielte fast nur noch eine Mannschaft: der FC Augsburg. Die Gäste lagen am Ende in fast allen Statistiken vorne, zum Teil sogar richtig. So gaben die Schwaben 20 Torschüsse ab, die Bremer nur fünf. Werder hatte seine erste Ecke in der 75. Minute, Augsburg bis dahin schon sieben. „Torschüsse sind nicht Torchancen“, hob Dutt später hervor – und hatte Recht: Nur Jan-Ingwer Callsen-Bracker brachte das Werder-Gehäuse mit seinem Kopfball ernsthaft in Gefahr (64.). Dutt erkannte trotzdem die Stärke der Gäste an: „Wenn wir heute unentschieden gespielt oder verloren hätte, wäre das auch nicht unverdient gewesen.“ Und der Coach ging sogar noch einen Schritt weiter, bezog das Braunschweig-Spiel mit ein: „Sicher, wir hätten beide Spiele verlieren können. Wir haben auch Glück gehabt. Aber dieses Glück hat sich die Mannschaft hart erarbeitet – speziell heute.“

Das wussten auch die Spieler, die weit davon entfernt waren, nach dem Traumstart abzuheben. „Wir freuen uns, aber wir wissen auch, dass das eine ganz, ganz schwierige Saison wird, in der wir noch ganz andere Phasen erleben werden“, sagte Sebastian Prödl und blickte durchaus mit Stolz auf die Partie zurück: „Die Leidenschaft hat sich ausgezahlt. Wir haben sicher kein Feuerwerk abgebrannt, aber das ist uns so etwas von egal.“

Beim Neuaufbau zählt nicht das Aussehen, sondern der Erfolg. „Diese sechs Punkte verschaffen uns Ruhe“, erklärte Dutt: „Jetzt stehen wir bis Mitte, Ende September im Mittelfeld, da, wo wir ja gar nicht hingehören sollen.“ Diesen kleinen Seitenhieb für die ganzen Schwarzseher inklusive „Kaiser“ Franz Beckenbauer konnte sich Dutt einfach nicht verkneifen. Doch der Coach hatte sich sofort wieder im Griff und stellte ganz realistisch fest: „Wir sind nur ein ganz kleines Stück weiter als vor zwei Wochen.“

Damals setzte es die 1:3-Pleite im DFB-Pokal beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken. Spielerisch ist Werder nicht wirklich vorangekommen, aber der Kampfgeist ist enorm. Ob der allein für die nächste Aufgabe am Freitag in Dortmund ausreichen wird, ist allerdings fraglich.

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