0:1 in Hannover, als nächstes kommt der FC Bayern: So versinkt Werder in der Krise

Keine Tore, keine Punkte, keine Besserung in Sicht

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Deprimiert nach der vierten Niederlage in Folge: Jannik Vestergaard (li.) und Claudio Pizarro.

Bremen - Die Miene des Aufsichtsratsvorsitzenden wirkte wie schockgefrostet. Ohne nach rechts und links zu sehen stapfte Marco Bode die Stufen zu den Vip-Räumen der HDI-Arena hinauf – grußlos und freudlos, weil wieder einmal punktlos. Beim 0:1 des SV Werder bei Hannover 96, der vierten Pleite in Folge, musste der 46-Jährige mitansehen, wie sich die Krise in seinem Club immer mehr verschärft. Der Abstiegskampf hat wieder einmal von Werder Besitz ergriffen.

Und das aus einem Grund, der den Bremer Rekordtorschützen (101 Treffer) zusätzlich quälen wird: Werder schießt kaum noch Tore. Nur eines war es in den vergangenen vier Partien, die alle verloren gingen. Auch in Hannover reichte ein in der Schlussphase erarbeitetes Chancenplus nicht zu einem Punktgewinn. Wie Bode darüber denkt, war nicht zu ergründen. Er huschte vorbei und war schon wieder weg.

Wie Thomas Eichin die gefährliche Torarmut bewertet, war dagegen leicht in Erfahrung zu bringen. Für den Geschäftsführer war sie nach der Pleite in Hannover ein Top-Thema. „Wir müssen im Strafraum wieder gefährlicher werden. So reicht es nicht, um ein Spiel zu gewinnen“, monierte Eichin, der vor gar nicht allzu langer Zeit noch von seiner neu zusammengestellten Offensivabteilung geschwärmt hatte. Mit Claudio Pizarros Verpflichtung sei Werders Abteilung Attacke „top aufgestellt“, hatte der 48-Jährige gesagt. Knappe vier Wochen später sind alle schlauer.

Werder ist vorne nicht top aufgestellt. Werder hat große Defizite. Es beginnt im Mittelfeld, wo ein Stratege fehlt und setzt sich im Angriff fort, wo niemand auch mal aus dem Nichts ein Tor machen kann. Kreativität, Durchschlagskraft, Tempo in den Aktionen – alles Mangelware. Das war gegen Ingolstadt (0:1), gegen Darmstadt (1:2), gegen Leverkusen (0:3) und nun auch gegen Hannover so. Dennoch urteilte Trainer Viktor Skripnik nach dem neuerlichen Rückschlag: „Wir haben alles getan, haben aber vergessen, das Tor zu machen.“

Vergessen ist gut. Nicht gekonnt trifft es wohl besser. Wirklich zwingend waren nur die Kopfbälle von Anthony Ujah (42./Latte) und des eingewechselten Maximilian Eggestein (74./96-Keeper Zieler pariert), ansonsten fehlte mal der letzte Pass, mal die Entschlossenheit im Abschluss. „Leichtfertig“, so Kapitän Clemens Fritz, sei das Team zum Teil mit den Chancen umgegangen: „Daran müssen wir arbeiten.“

Wenn dann noch (wie in jedem Spiel) in der Defensive ein individueller Fehler dazukommt, setzt es Niederlage um Niederlage. Im kleinen Nordderby war es ein verlorenes Kopfballduell von Jannik Vestergaard gegen Salif Sane, Hannovers Besten, das die Partie entschied. Vorwürfe an Vestergaard? Keine. Eichin: „Jannik gewinnt 95 Prozent seiner Kopfballduelle. Es kommt aber vor, dass auch mal einer höher springt als er.“

Ujah abgemeldet, Junuzovic wirkungslos

Zu erklären ist eben alles, zu verzeihen grundsätzlich auch. Aber Werder gerät mit jedem Fehler und jedem verlorenen Punkt tiefer in den Tabellenkeller. „Es ist eine schwierige Situation für uns“, räumte Coach Skripnik ein. „Nicht schön“, meinte Thomas Eichin. Und weil nach der Länderspielpause der FC Bayern der nächste Gegner ist, wird es für die Bremer so schnell kein Entkommen aus der mittlerweile schweren Krise geben.

Niederlage Nummer fünf ist programmiert, und selbst Viktor Skripnik hakt die Partie gegen den Meister und Spitzenreiter schon jetzt als „Bonusspiel“ ab. Sportchef Eichin sagt geradeheraus: „Gehen wir mal davon aus, dass wir das Spiel nicht gewinnen werden.“ Also abschenken und die Partie irgendwie über sich ergehen lassen, egal mit welchem Ergebnis? Natürlich nicht. „Wir müssen gegen einen übermächtigen Gegner ein Spiel hinlegen, dass die Leute sehen, dass wir noch da sind“, erklärte Eichin. Aber das ist selbst gegen Hannover 96, der Anti-Übermacht vom Tabellenende, nicht gelungen.

csa

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