Kommentar von Carsten Sander

Sie hätten auch kneifen können

Klaus Allofs und Thomas Schaaf haben gemeinsame Sache gemacht. Nicht ohne den anderen – das war ihre gemeinsame Taktik bei den Vertragsverhandlungen und das Signal an den Aufsichtsrat.

Der konnte, weil er den Trainer Schaaf nicht verlieren will, gar nicht anders, als den Geschäftsführer Allofs auch weiter zu beschäftigen. So bleibt das Paar mit der traumhaften Vergangenheit weiter auf der Bremer Kommandobrücke. Ist das gut? Es fällt schwer, diese Frage mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten. Natürlich darf sich immer noch über die verkorkste Vorsaison ereifert werden. Dass Werder damals lange in Abstiegsgefahr schwebte, lag natürlich in der Verantwortung von Thomas Schaaf und Klaus Allofs. Zu spät hatten sie erkannt, dass die Mannschaft einen personellen Umbruch braucht. Aber: Aus Fehlern zu lernen, ist die größte Kunst im Leben. Schaaf und Allofs haben gelernt und treiben nun die Erneuerung der Mannschaft voran. Platz fünf nach der ersten Hälfte der Saison ist dabei für den 13. der vergangenen Spielzeit ein respektables sportliches Zwischenergebnis. Schaaf und Allofs haben es mit geringeren finanziellen Möglichkeiten geschafft, Werder nach nur kurzer Abstinenz wieder in den Dunstkreis der Bundesliga-Elite zu führen. Das verdient Respekt, damit haben sie sich die Chance verdient, „ihren“ SV Werder weiter neu gestalten zu dürfen.

Und mal ehrlich: Beide hätten auch kneifen können. Für ein Duo, das einen Club wie Werder Bremen über Jahre in der Champions League etabliert hatte, stehen in Fußball-Deutschland viele Türen offen. Was also wäre einfacher gewesen, als der wegen Geldknappheit schwieriger werdenden Situation in Bremen aus dem Weg zu gehen? Vertrag auslaufen lassen – und tschüss! Aber sie sind geblieben, wollen Werder wieder flott machen, wollen sich neu erfinden und neu beweisen. Gut so!

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