„Da habe ich zugeschnappt“

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Werders Nummer drei ist startklar für den Endspurt: Petri Pasanen will unbedingt wieder in der Champions League spielen.

Bremen - Er spielt so lange am Stück bei Werder Bremen wie kaum ein anderer Profi im Kader des Bundesligisten. Doch bei einer bundesweiten Umfrage nach Werder-Spielern dürfte der Name Petri Pasanen nur selten fallen.

Der Finne ist einer der Unauffälligen im Fußball-Geschäft. In schöner Regelmäßigkeit verschwindet der 29-Jährige sogar ganz von der Bildfläche, dann sitzt er wochenlang nur auf der Bank. Der Begriff Stammspieler ist ein Fremdwort für ihn. Doch jetzt hat er sich durchgesetzt und profitiert mal nicht wie sonst von Verletzungen anderer. Das macht ihn ziemlich glücklich: „Ich freue mich, mehr als in der Hinrunde zu spielen. Und ich würde mich noch mehr freuen, wenn wir die Champions League erreichen.“

Die „Königsklasse“ ist sein großes Ziel, denn dort war er mit Werder Dauergast. Als Pasanen im Sommer 2004 zum frisch gebackenen Deutschen Meister wechselte, begann an der Weser eine fünfjährige Ära im wichtigsten Vereinswettbewerb der Welt. Da war die Europa League ihn diesem Jahr nur ein schwacher Trost. „Die Champions League fehlt mir einfach – und den Fans n „Ich hatte hier so n viele In und Outs“ auch. Das hat man doch an den Zuschauerzahlen gegen Enschede und Valencia gesehen. Ich bin überzeugt davon, dass unser Stadion wieder voll sein wird, wenn wir nächste Saison Champions League spielen“, sagt Pasanen. Und es klingt, als hätte er den gerade erst eingenommenen dritten Platz in der Bundesliga schon fest verbucht. „Wir wissen, dass uns neun Punkte in drei Spielen reichen“, fügt Pasanen gleich noch an und grinst. Der Finne liebt diese Vereinfachung, sie gehört zu seinem trockenen Humor. Aber er ist auch Realist und hat deshalb die Aufholjagd längst noch nicht als erfolgreich abgehakt: „Die letzten drei Spiele werden ganz schwierig. Köln, Schalke und Hamburg – das ist richtig hart. Aber am Ende einer Saison ist es eigentlich egal, gegen wen man spielt, es wird immer hart, weil es um alles geht.“

Da ist Zuverlässigkeit noch etwas mehr gefragt als sonst. Und Pasanen ist so eine Zuverlässigkeit – und zwar in einer Bremer Problemzone. Auf der linken Abwehrseite drückt Werder seit Jahren der Schuh. Als Notnagel musste Rechtsfuß Pasanen dort schon häufiger aushelfen. Wie zum Beispiel nach der Verletzung von Sebastian Boenisch am Ende der Hinrunde. Weil die Stammkraft länger ausfiel, verpflichtete Werder im Winter Aymen Abdennour. Der erst 20-jährige Tunesier wurde gleich ins kalte Wasser geschmissen und ging unter.

„Da habe ich zugeschnappt, so ist nun einmal das Geschäft“, erinnert sich Pasanen an seine Rückkehr ins Team. Von Schadenfreude kann aber keine Rede sein, ebensowenig von Verärgerung über das kurzzeitig entzogene Vertrauen. „Wenn man extra einen Spieler holt, dann muss man ihm auch die Chance geben, sich zu beweisen. Aber Aymen ist noch jung, und er hatte das Pech, dass es in dieser Phase in der ganzen Mannschaft nicht so gut lief“, sagt Pasanen.

Der Defensiv-Allrounder war wieder im Team, aber eigentlich nur als Platzhalter für Boenisch. Und der meldete sich schon bald gesund. Doch seinen Platz bekam der U 21-Europameister nur sporadisch zurück, zuletzt sogar gar nicht mehr. Denn Boenisch verkörpert nun einmal den offensiven linken Verteidiger. „Er ist dynamischer und explosiver nach vorne als ich“, sagt Pasanen und nennt die „Rückwärtsbewegung und das Defensivverhalten“ als seine Stärken. Und die sind gerade mehr gefragt, weil Werder mit seinem Kreativ-Trio Marko Marin, Mesut Özil und Aaron Hunt sowie Stürmer Claudio Pizarro schon ziemlich offensiv ausgerichtet ist. „Es klappt ganz gut“, lautet Pasanens Urteil. Wohl wissend, dass er auch schnell wieder auf der Bank sitzen kann. „Ich habe in den sechs Jahren hier schon so viele In und Outs erlebt, ich kann damit umgehen“, behauptet der gelernte Innenverteidiger und geht sogar noch einen Schritt weiter: „Vielleicht bin ich ja sogar so etwas wie ein Vorbild. Also einer, der zeigt, dass es sich lohnt, immer weiterzumachen und auch mal auf seine Chance zu warten.“

Deshalb denkt er auch nicht an einen Wechsel. „Ich habe hier einen Vertrag bis 2011, und den möchte auf jeden Fall erfüllen. Dann schauen wir weiter. Aber ich fühle mich in Bremen wirklich sehr wohl“, sagt Pasanen völlig entspannt. Wie sehr er sich mit Werder identifiziert, hat er im vergangenen Herbst bewiesen. Um sich mehr auf seinen Verein zu konzentrieren, hat er eine Auszeit in der finnischen Nationalmannschaft genommen. Doch nun kündigt Pasanen sein Comeback an: „Nach der Saison finden noch zwei Länderspiele statt, vielleicht bin ich dann schon wieder dabei. Aber auf jeden Fall werde ich ab Herbst in der EM-Qualifikation spielen.“

Von Björn Knips

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