Werder gewinnt „Liga-total-Cup“

Gute Phase, schlechte Phase – und am Ende eine Vase

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Da ist das Ding! Werder-Kapitän Clemens Fritz reckte gestern nach dem Elfmeter-Krimi gegen Dortmund den „Liga-total-Cup“ in den Hamburger Abendhimmel – unter dem Jubel seiner Teamkollegen.

Hamburg. Von Carsten Sander · Bayern München geschlagen, Borussia Dortmund bezwungen – mit zwei Siegen im Elfmeterschießen hat Werder Bremen am Wochenende den „Liga-total-Cup“ in Hamburg gewonnen. Das macht Laune, das erhöht aber auch die Erwartungen für die Bundesliga-Saison. Denn wer Meister und Vize-Meister bezwingt, der ist doch wer, oder?

Nein, nein und nochmals nein, sagte Klaus Allofs gestern. Rückschlüsse für die in 18 Tagen mit dem Auswärtsspiel bei – hoppla! – Borussia Dortmund beginnende Punktspielsaison zu ziehen, wäre unlauter, meinte der Werder-Geschäftsführer: „Das wäre eine völlig falsche Beurteilung dieses Turniers. Ich überbewerte diesen Sieg nicht, und der Trainer macht es auch nicht.“

Schließlich war es nur Vorbereitung, nur ein Testlauf. Der allerdings funktionierte bei Werder mitunter sehr gut. Nach dem Halbfinalsieg über den FC Bayern legten die Bremer gestern im Finale einen fulminanten Start gegen Double-Sieger Dortmund hin. Niclas Füllkrug (3.) und Mehmet Ekici (5.) schossen schnell eine 2:0-Führung heraus. Doch die 1b-Elf von der Weser gab den Vorsprung gegen das 1b-Team der Borussia in Rekordzeit wieder her. Marco Reus per direkt verwandeltem Freistoß (22.) sowie Torjäger Robert Lewandowski mit einem Doppelschlag binnen weniger Sekunden (24./25.) drehten die Partie.

Die Löcher in der Defensive, die Werder dabei offenbarte, die Fehler, die das Team machte, waren der Hauptgrund, weshalb alle nach der Siegerehrung gewaltig auf die Euphoriebremse traten. „Wir hatten“, fasste Innenverteidiger Sebastian Prödl die beiden Tage in Hamburg zusammen, „unsere guten Phasen. Und wir hatten unsere schlechten Phasen. Wir müssen es jetzt noch schaffen, das Spektakel allein auf unsere Seite zu bringen.“ Dann wäre Werder wieder Werder, wie man es aus den Jahren vor dem Leistungsknick kennt.

Vorne hui, hinten pfui – so war es lange, so sollte es aber nicht unbedingt sein. Gestern erinnerte dennoch viel daran. „Teilweise waren es Anfängerfehler“, meinte Prödl. „Defensiv fehlt noch eine ganze Menge“, urteilte auch Allofs. Aber nach vorne hat Werder eben einiges zu bieten – auch wenn die beiden Außenstürmer Marko Arnautovic und Eljero Elia in beiden Partien nicht gerade brillierten. „Wir sind schon einige Schritte nach vorne gekommen. Es deutet sich an, dass wir eine ganz interessante Mannschaft zusammenhaben“, so Allofs.

Unter einem Torwartproblem wird das Team nicht leiden. Denn nachdem Aaron Hunt mit einem Strafstoß (49.) das Elfmeterschießen erzwungen hatte, zeigte Keeper Raphael Wolf seine Stärke auf der Linie. Gegen Neven Subotic und Kevin Großkreutz wehrte er ab und bescherte Werder so den ersten Titel der Saison. Der bringt zwar außer einer hübsch-hässlichen Glasvase für die Vitrine nichts ein, doch Klaus Allofs brauchte gestern weder Geld noch nachhaltige Ehre, um glücklich zu sein. „Ein Sieg in Hamburg“, sagte er mit einem Augenzwinkern, „ist für mich immer Prämie genug.“

Liga-Total-Cup im Stenogramm

Halbfinale

Hamburger SV - Borussia Dortmund 0:1 (0:0). Hamburg: Adler - Diekmeier, Mancienne, Bruma, Aogo - Sala, Westermann - Son, Arslan (51. Rudnevs), Jansen - Berg. Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Löwe - Leitner (45. Gündogan), Bender - Blaszczykowski (54. Bittencourt), Reus (57. Kehl), Perisic (45. Großkreutz) - Schieber (45. Lewandowski). Tor: 0:1 (42.) Blaszczykowski (42.).

Werder Bremen - Bayern München 6:4 n.E. (2:2/1:1): Bremen: Mielitz - Gebre Selassie, Prödl, Sokratis, Schmitz - Fritz, Junuzovic, Hunt - Arnautovic (49. De Bruyne), Petersen (31. Füllkrug), Elia (49. Ekici). München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Gustavo - Kroos, Can (31. Schweinsteiger) - Shaqiri (31. Ribery), Robben, Müller - Gomez (33. Mandzukic). Tore: 1:0 (12.) Petersen, 1:1 (27.) Shaqiri, 2:1 (43. Füllkrug), 2:2 (60.) Kroos. Elfmeterschießen: Ekici trifft, Mandzukic trifft, Fritz trifft, Kroos trifft, Schmitz trifft, Ribery scheitert an Mielitz, De Bruyne trifft, Schweinsteiger scheitert an Mielitz.

Spiel um Platz drei

Hamburger SV - Bayern München 0:1 (0:1). Hamburg: Adler - Diekmeier, Mancienne, Bruma, Aogo (32. Jansen), Westermann, Rudnevs, Ilicevic, Tesche (52. Arslan), Beister (46. Son) Skjelbred (53. Berg). München: Starke, Tymoshchuk, Dante, van Buyten, Lahm (31. Boateng), Ribery, Mandzukic, Shaqiri, Weiser, Schweinsteiger (19. Kroos), Can. Tor: 0:1 (25.) Weise.

Finale

Werder Bremen - Borussia Dortmund 8:7 (3:3/2:3). Bremen: Wolf - Gebre Selassie, Prödl, Lukimya, Ignjovski - Fritz, De Bruyne (40. Hunt), Ekici (40. Junuzovic) - Arnautovic (47. Wurtz), Füllkrug, Elia. Dortmund: Langerak - Kirch (40. Owomoyela), Günter (40. Gündogan), Hummels (31. Subotic), Halstenberg - Kehl, Leitner - Bittencourt (40. Piszczek), Reus (31. Perisic), Großkreutz - Lewandowski (53. Schieber). Tore: 1:0 (3.) Füllkrug, 2:0 (5.) Ekici, 2:1 (22.) Reus, 2:2 (14.) Lewandowski, 2:3 (25.) Lewandowski 3:3 Hunt (49./Foulelfmeter). Elferschießen: Subotic scheitert an Wolf, Hunt trifft, Halstenberg trifft, Fritz scheitert an Langerak, Kehl trifft, Wurtz trifft, Owomoyela trifft, Junuzovic trifft, Perisic trifft, Füllkrug trifft, Großkreutz scheitert an Wolf, Prödl trifft.

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