Werder geht die Luft aus / Nur Platz sechs in der Liga / Superserie mehr Fluch denn Segen

Gut, aber noch nicht gut genug

Bremen - Von Arne Flüggeund Björn Knips · Während die Spieler des Hamburger SV ihre späte Rache für die Demütigungen im Frühjahr fröhlich und hämisch feierten, schlichen die Profis von Werder Bremen mit hängenden Köpfen durch die Katakomben der HSH-Nordbank Arena – die Gesichtszüge so tiefgefroren wie die Eiszapfen in den Haaren.

„Wir haben uns bei den Gegentoren einfach zu dämlich angestellt“, wetterte Bremens Keeper Tim Wiese nach der 1:2-Pleite im tief verschneiten Nordgipfel, die Werder endgültig aus der Spitzengruppe der Bundesliga katapultierte.

Vor zehn Tagen noch träumte man an der Weser von der Herbstmeisterschaft, jetzt beträgt der Abstand zu „Weihnachstmeister“ Bayer Leverkusen bereits sieben Punkte. Gefühlt sind es sicher weniger, zumal da ja vor der Heimniederlage gegen Schalke am 16. Spieltag die unglaubliche Serie von 23 Pflichtspielen in Folge ohne Niederlage stand. Doch diese Serie, so scheint es, war am Ende mehr Fluch als Segen. Denn sie hat den Blick auf das Wesentliche versperrt: auf Siege. Nicht verloren zu haben, bedeutet eben nicht, gleichzeitig gewonnen zu haben. „Wir haben einfach zu oft unentschieden gespielt“, sagt Kapitän Torsten Frings.

Auch Bremens Mittelfeldstar Mesut Özil schob nach dem 1:2 in Hamburg Frust.

Nur ein Sieg steht für Werder in den letzten sieben Ligaspielen zu Buche. Viermal spielten die Bremer remis, zuletzt hagelte es dann zwei Pleiten. Unterm Strich bedeutet das nur sieben Punkte aus den sieben Begegnungen – zu wenig, um ganz oben mit dabei zu sein. „Und dann steht man eben zu Recht da, wo man steht“, grantelt Werder-Sportchef Klaus Allofs.

Es war ein Abrutschen auf Raten. Schon in den letzten Wochen hatte sich ein leicht negativer Trend abgezeichnet. Der wurde aber damit übertüncht, dass die Bremer sich immer noch irgendwie mit einem Unentschieden ins Ziel retteten. Sei es durch die glücklichen Last-Minute-Tore in Nürnberg und gegen Wolfsburg oder bedingt durch das Unvermögen des Gegners, wie von Kölns Kapitän Novakovic, der beim 0:0 zwei Riesenchancen versiebte. „Irgendwann ist dein Glück dann auch mal aufgebraucht“, weiß Frings – und wenn es sich sogar ganz abwendet, „knallen die Bälle eben an die Latte“. So wie gegen Hamburg dreimal.

Auf der anderen Seite waren die Bremer in der Hinrunde aber auch nicht in der Lage, einen Sieg gegen die nun vor ihnen platzierten Mannschaften einzufahren: 0:0 in Leverkusen, 0:2 gegen Schalke, 1:1 bei den Bayern, 1:2 in Hamburg und 2:2 gegen Dortmund. Auch das ist zu wenig, um ganz oben zu stehen. „Wenn du die Duelle auf Augenhöhe nicht gewinnst, reicht es nicht“, weiß Abwehrspieler Per Mertesacker.

Es würde der Sache aber nicht gerecht werden, Werders Hinrunde jetzt komplett schlecht zu reden. Schließlich haben die Bremer streckenweise wieder begeisternden Fußball gezeigt, sind in der Europa League souverän durch die Gruppenphase marschiert und stehen im Viertelfinale des DFB-Pokals. Und es ist noch eine komplette Rückrunde zu spielen, in der Werder die Möglichkeit hat, wieder ranzukommen. „Wir sind in allen drei Wettbewerben noch gut dabei“, sagt Mertesacker, schränkt jedoch ein: „Aber eben nicht mehr sehr gut.“

Die Situation sei kein Grund, jetzt in Schwarzmalerei zu verfallen, wie Tim Borowski fordert. „Wir sind mit den beiden letzten Spielen nicht zufrieden. Aber ich bin weiterhin überzeugt, dass wir eine hervorragende Mannschaft haben. Wir haben genug Zeit, um wieder ranzukommen“, meint der Mittelfeldspieler. Nur müsse jedem bewusst sein, „dass es nur mit harter Arbeit geht“.

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