Warum Werder plötzlich so gut dasteht

Die Gründe des Aufschwungs

+
Zwei Gesichter des Bremer Aufwärtstrends: Torwart Raphael Wolf (rechts) hält seinen Kasten sauber, Sebastian Prödl überzeugt als Abwehrchef. ·

Bremen - Werder hat seinen Kopf schon ein gutes Stück aus der Schlinge gezogen. Acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und neun auf einen direkten Abstiegsrang sind für den Tabellenelften ein dickes Polster.

Durch zwei Siege und insgesamt vier Spiele in Folge ohne Niederlage steuern die Bremer voll auf Kurs in Richtung Klassenerhalt. Gründe für den Aufschwung gibt es einige – hier die wichtigsten im Überblick:

Die Rückkehr zur Raute

Das Parade-Mittelfeldsystem von Ex-Coach Thomas Schaaf hatte eigentlich schon ausgedient. Werder wollte moderner spielen, ein 4:2:3:1 mit zwei Sechsern. Doch nun setzt Trainer Robin Dutt wieder auf die Raute. Und hat damit Erfolg. Siehe Hamburg (1:0) und Nürnberg (2:0). „Ich freue mich, dass wir ein System gefunden haben, das wir gut umsetzen können“, sagt Stürmer Franco Di Santo. In beiden Partien wechselte Dutt die Taktik jedoch – offenbar kein großes Problem mehr für sein Team. „Mit der Raute sind wir in Führung gegangen, mit der Doppelsechs haben wir zu Ende verteidigt“, sagt der Trainer: „Wir sind sehr offensiv aufgestellt gewesen mit zwei Stürmern und drei Mittelfeldspielern, die eher offensiv ihre Qualitäten haben.“ Er schaute dann genau hin, „wie lange das tragfähig ist, wie lange die Mannschaft die Kompaktheit gewährleisten kann, damit der Gegner nicht im Minutenfluss zu Torchancen kommt.“ Wird der Druck zu groß, bringt Dutt einen defensiveren Mann fürs Mittelfeld. „Geht die Kompaktheit verloren, geht auch die Raute verloren“, erklärt er. Zlatko Junuzovic empfindet die Flexibilität als „lebenswichtig. Es ist gut, wenn man reagieren kann“.

Der Torwartwechsel

Sebastian Mielitz wird es nicht gerne hören, doch der Tausch der beiden Keeper zahlt sich immer mehr aus. Raphael Wolf, der die bisherige Nummer eins ablöste, wirkt enorm souverän. Der 25-Jährige hält – wie gerade in Nürnberg – auch schwierige Bälle und seine Mannschaft damit im Spiel. „Er ist ein unheimlich ruhender Pol, wird immer stärker. Was er macht, ist momentan eine Eins plus“, schwärmt Sportchef Thomas Eichin. Auch die nackten Zahlen schmeicheln Wolf. Er spielte zuletzt drei Mal hintereinander zu null, in seinen elf Partien insgesamt fünf Mal. Sein Horror-Start mit der Gegentor-Schwemme gegen Hoffenheim (4:4), Bayern (0:7) und Hertha (2:3) ist fast vergessen. Das Torwartleben bringt ihm nun „viel Spaß. Es ist natürlich etwas ganz anderes, als ich es in den ersten Spielen erleben durfte“, meint Wolf.

Mittlerweile scheint es möglich, dass Werder im Sommer (bei einem wahrscheinlichen Mielitz-Abschied) nur eine neue Nummer zwei holt und Wolf weiter als Stammkeeper vertraut. Eichin dazu: „Raphael hat es selbst in der Hand, wie wir entscheiden.“

Die Abwehr

Dutt scheint seine Wunschformation gefunden zu haben. Aleksandar Ignjovski rechts, Luca Caldirola links, in der Mitte Sebastian Prödl und Assani Lukimya. Das passt. Zum Leidwesen etablierter Kräfte wie Theodor Gebre Selassie und sogar Kapitän Clemens Fritz, die draußen sitzen. Richtig stark ist seit Wochen Prödl – findet auch Eichin. „Bei ,Basti‘ sieht das alles sehr, sehr gut aus. So stellen wir uns das vor. Er ist schnell, zweikampf- und kopfballstark, ein hochveranlagter Spieler“, sagt der Sportchef über den Österreicher, der sich zum Abwehrboss aufgeschwungen hat.

Lob für die „letzte Reihe“ gibt es auch von Mittelfeldmann Philipp Bargfrede: „Es ist ganz wichtig, dass wir hinten gut stehen – das ist der Grundstein des Erfolgs.“ Beim kantigen Innenverteidiger Lukimya ist die Brust noch breiter geworden als ohnehin schon: „Wenn wir so kompakt stehen wie zuletzt, kann kommen, wer will.“

Die Effektivität

Das Spielerische ist zweifellos das größte Bremer Problem – nach wie vor. „Wir haben schon attraktivere Spiele gemacht“, sagte Sebastian Prödl nach der Nürnberg-Partie. Im Vorwärtsgang hakt es, Werder hat vergleichsweise wenig Großchancen. Aber Werder braucht momentan eben auch nicht viele. „Wir waren in Nürnberg sehr effektiv“, urteilte Aaron Hunt.

Die Konzentration

Gerade in den wichtigen Partien gegen die direkten Konkurrenten wirkt Werder fokussiert, diszipliniert – und leistet sich keine groben Schnitzer mehr. „In diesen Spielen geht es ums Ganze. Diesen Druck brauchen wir“, denkt Lukimya. Die Bedeutung des Abstiegskampfs ist „jetzt besser in den Köpfen drin“, ergänzt Raphael Wolf: „Wir haben viel dazugelernt und wissen ganz genau, wie wir als Block stehen müssen. Wir lassen uns nicht dazu verleiten, die Räume aufzumachen, lösen das als Kollektiv sehr gut und haben eine gute Körpersprache.“ Dutt beurteilt das Defensivverhalten als „nicht perfekt, aber ordentlich“.

Und: Der satte Abstand auf den Relegationsplatz verleitet Werder nicht zum Leichtsinn. „Ich sehe keinen Grund, auch nur ein halbes Prozent nachzulassen“, betont Dutt, der die gleiche Einstellung bei der Mannschaft beobachtet: „Sie hat gezeigt, dass sie weiß, worum es geht.“ Prödl bestätigt das und mahnt: „Wir haben einen netten Vorsprung. Aber wer sich jetzt sicher fühlt, ist auf der falschen Fährte. Es liegen brutale Wochen vor uns.“

Das Personal

Nur Santiago Garcia (Knie) fällt derzeit länger aus, Dutt hat die Qual der Wahl. „Seit ich hier bin, haben wir noch nie so eine Situation gehabt“, erinnert sich Zlatko Junuzovic. Der Österreicher ist seit Januar 2012 Bremer. Seither hatte Werder „immer wieder Rhythmusstörungen wegen der vielen Verletzten“, sagt Junuzovic: „Es war keine Stabilität da, aber momentan haben wir sie. Durch die Einwechslungen kam zuletzt noch mehr Ruhe rein.“

Der Teamgeist

Dass der Spirit im Team gut ist, hat Dutt schon immer betont. In der heißen Phase scheinen die Bremer Profis aber noch enger zusammengerückt zu sein. „Es heißt Abstiegskampf – und wir kämpfen füreinander“, sagt Prödl.

Bilder vom Training

Zander erstmals wieder im Werder-Training

Die Ruhe

„Wir lassen uns nicht verrückt machen, auch nicht durch kleine Rückschläge, sondern gehen zielstrebig unseren Weg“, unterstreicht Eichin. Di Santo hebt „die Ruhe im Verein“ hervor: „Dadurch können wir mit klarem Kopf in die Spiele gehen.“ Dutt will gemeinsam mit Eichin genau diese Gelassenheit „im Umgang mit schwierigen Situationen“ vorleben: „Wir haben hier keine hektischen Verantwortlichen.“ · mr

Das könnte Sie auch interessieren

Entwarnung nach Terrorangst in Londons Einkaufsviertel

Entwarnung nach Terrorangst in Londons Einkaufsviertel

Diese Stellen vergessen Sie beim Putzen andauernd

Diese Stellen vergessen Sie beim Putzen andauernd

Werbung für Abtreibung: Ein Urteil heizt alte Debatten an

Werbung für Abtreibung: Ein Urteil heizt alte Debatten an

Weg damit! Diese sechs Dinge sorgen in der Wohnung für miese Laune

Weg damit! Diese sechs Dinge sorgen in der Wohnung für miese Laune

Meistgelesene Artikel

Keine Wahlen, aber Frikadellen

Keine Wahlen, aber Frikadellen

Silberne Ehrennadel für Eggestein-Brüder

Silberne Ehrennadel für Eggestein-Brüder

Baumann verteidigt Vorgehen bei der Trainersuche

Baumann verteidigt Vorgehen bei der Trainersuche

Hannover sauer auf DFB

Hannover sauer auf DFB

Kommentare