Grün-weißes Licht für Sokratis

Schon in Deutschland: Sokratis Papastathopoulos (hier mit Freundin Xanthia). ·

Werder-Bremen - DONAUESCHINGEN · Die Paparazzi waren gestern schon an diversen Flughäfen postiert, auch in Donaueschingen lagen die Kameras ständig griffbereit: Nur zum „Abschuss“ kam es nicht, denn Sokratis Papastathopoulos tauchte nicht auf, obwohl er sich bereits in Deutschland aufhält. Aber heute wird‘s wohl klappen mit der Vorstellung des von Werder Bremen so dringend benötigten Innenverteidigers.

Die Vorentscheidung war bereits in der Nacht zu gestern gefallen. Der Aufsichtsrat hatte nach einer langen Sitzung mit der Geschäftsführung den Transferstopp zurückgenommen und Sportchef Klaus Allofs trotz der äußerst angespannten Finanzlage den Transfer des Griechen vom FC Genua gestattet. Allerdings nur unter harten Auflagen.

„Es muss eine Veränderung der Haushaltslage erfolgen. Entweder durch den Verkauf von Spielern oder etwa einen neuen Sponsor“, stellte Aufsichtsratschef Willi Lemke gegenüber der „dpa“ klar. In einer offiziellen Erklärung war der Ex-Manager zudem mit den Worten zitiert worden: „Natürlich haben wir Verständnis für die Sorgen der sportlichen Leitung, die durch die Verletzung von Mikael Silvestre sich noch einmal verstärkt haben. Wenn ein gangbarer Weg gefunden wird, unterstützen wir die Bemühungen, die derzeitige personelle Lage in der Innenverteidigung noch zu verbessern.“

Der „gangbare Weg“ verlangt von Allofs allerdings nicht, die Kasse bereits vor dem Sokratis-Transfer füllen zu müssen. Die Finanzhüter des Bundesligisten gaben sich zunächst mit einigen Einsparmodellen der Geschäftsführung im operativen Geschäft zufrieden und vertrauen darauf, dass Allofs in dieser oder in der nächsten Transferperiode durch Spielerverkäufe für Einnahmen sorgt. Das macht den Sportchef wieder handlungsfähig und bringt ihn auf dem Markt vorerst in eine bessere Verhandlungsposition. Denn wenn Interessenten wissen, dass ein Club Spieler unbedingt verkaufen muss, dann fallen die Preise schneller als der beste Schwalbenkönig.

„Es ist gut und wichtig, dass wir jetzt alle Kräfte für einen erfolgreichen Saisonstart bündeln und gemeinsam die bevorstehenden Aufgaben meistern“, freute sich Allofs. Der Machtkampf zwischen ihm und Lemke scheint erst einmal beigelegt. Beide wahrten in der Öffentlichkeit ihr Gesicht, weil sie ihre Positionen kaum verändern mussten. Allofs bekommt seinen Spieler, muss dafür noch etwas mehr sparen und sich von Lemke folgende Erklärung gefallen lassen: „Um der veränderten Einnahmesituation Rechnung zu tragen, ist eine restriktive Ausgabenpolitik unabdingbar. Die Geschäftsführung hat dem Aufsichtsrat versichert, dass diese Haltung akzeptierter Grundsatz des gemeinsamen Handelns ist und eventuelle Irritationen in dieser Richtung bedauert.“

Lemke wurde zwar in der Sitzung für sein Medienpolitik gerügt, darf aber weiterhin als finanzielles Gewissen des Clubs auftreten. „Das Planbudget 2011/2012 beinhaltet bereits jetzt signifikante Ausgaben, die deutlich über die erwarteten Einnahmen hinausgehen. Werder Bremen hält aber an der Geschäftspolitik fest, einen finanziell gesunden Verein zu erhalten.“

Und Lemke hat immer noch den Daumen drauf. Denn das grüne Licht bedeutet für Allofs und Sokratis noch nicht freie Fahrt. Kurz vor dem Abschluss will Lemke, der sich gestern in den Urlaub verabschiedete, noch einmal alle Zahlen auf vorliegen haben. Die sollen wie folgt aussehen: Werder zahlt an den FC Genua eine Leihgebühr von 800 000 Euro, erhält eine Kaufoption für 3,8 Millionen Euro und überweist dem 23-jährigen Nationalspieler eine Jahresgehalt von 1,5 Millionen Euro.

„Wir bemühen uns, eine sportliche Lösung zu finden“, wollte sich Allofs gestern Nachmittag nicht in die Karten schauen lassen. Am Abend kehrte er dann aus Bremen, wo die Sitzung mit dem Aufsichtsrat stattgefunden hatte, nach Donaueschingen zurück. Offenbar allein, denn die Paparazzi machten unverrichteter Dinge Feierabend. · kni

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