Werder-Krise

Kommentar: Großes Risiko vor dem großen Abgang

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Kreiszeitung Syke

Kommentar von Björn Knips. Werder hat die Reißleine zwar angefasst, aber noch nicht gezogen: Thomas Schaaf bleibt Trainer. In Bremen wollen sie anders sein, wollen nicht der Meinung der Öffentlichkeit und der Medien nachgeben. Und sie wollen vor allem eines nicht: ein Denkmal zerstören.

Thomas Schaaf hat Werder im vergangenen Jahrzehnt richtig groß gemacht, deshalb soll er auch einen großen Abgang bekommen. Aber das ist auch ein großes Risiko. Denn fünf Punkte Vorsprung sind in vier Spielen schnell dahin.

Schon am Wochenende könnte das Polster auf zwei Pünktchen schrumpfen. Kaum auszudenken, wie die ohnehin schon völlig verunsicherte Werder-Elf damit umgehen würde. Abstiegskrampf im Abstiegskampf – so hat es schon viele namhafte Clubs erwischt.

Vor zwei Jahren hat Schaaf noch die Kurve gekriegt – weil Borussia Dortmund als frischgebackener Meister siegestrunken an die Weser gereist war und die drei Punkte gar nicht erst angerührt hatte. Diesmal hat die Konkurrenz im Schlussspurt nichts zu verschenken. Weder Bayer Leverkusen am Samstag, und schon mal gar nicht eine Woche später 1899 Hoffenheim.

Trübe Aussichten. Viele Fans haben Werder schon aufgegeben, flüchteten am Samstag vorzeitig aus dem Stadion. Andere brüllten: „Wir haben die Schnauze voll!“

Thomas Schaaf hat dagegen noch Lust. Er zieht sein Ding durch. Seine Ankündigung „zur Seite zu treten“, wenn es gewünscht sei, ist nichts wert. Was sollte er auch sonst machen, wenn ihn der Club nicht mehr haben will? Schaaf ist von seiner Arbeit überzeugt, er kämpft um seinen Job, und er tut auch alles für Werder. Aber er findet keine Lösungen mehr – und das schon sehr lange. Werder hinkt die dritte Spielzeit in Folge den Erwartungen weit hinterher. Schaaf hat es weder mit einer teuren Startruppe noch mit einer leicht modernisierten Mannschaft und schon gar nicht mit einer völlig neu formierten Truppe geschafft, nur annähernd an alte Zeiten anzuknüpfen.

Jetzt droht sogar der Abstieg. Dass der Club trotzdem an Schaaf festhält, obwohl man sich für den Sommer längst andere Gedanken macht, ist ehrenhaft. Aber es ist auch ziemlich gefährlich. Wenn es schief geht, müssen sich auch die Entscheidungsträger ihrer Verantwortung stellen.

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