Große Hoffnungen, große Enttäuschungen

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„Von extremen Ausschlägen geprägt“ – so bewertet Werder-Coach Thomas Schaaf deshalb die Hinrunde.

Bremen - Es gibt sie nicht, die Wahl zum schönsten Werder-Tag der Hinrunde. Sie wird auch nicht gebraucht, denn der Sieger steht ohnehin fest. Es war der 10. September. Was da war? An diesem Tag hatte das Glück dieser Welt Ausgang und traf sich zu einer Party im Weserstadion. Werder duellierte sich mit dem Hamburger SV, gewann das Nordderby mit 2:0, sprang als Zugabe in der Bundesliga auf Platz zwei und bejubelte überdies auch noch das Comeback von Naldo. Grün-Weiß schwelgte in Glückseligkeit. Aber alle wissen es: Ganz so schön blieb es nicht.

Aus dem an jenem 10. September geborenen Titeltraum blieb nur der Moment. 1:16 Tore in den direkten Duellen mit den vier Top-Teams der Liga verscheuchten die Werder-Fans unsanft aus der Welt der Illusionen. In den Spitzenspielen war aus dem vermeintlichen Bayern-Jäger ein Opferlamm geworden.

Okay, der Begriff ist hart, beschreibt aber in etwa die in besagten Partien herrschenden Kräfteverhältnisse. „Von extremen Ausschlägen geprägt“ – so bewertet Werder-Coach Thomas Schaaf deshalb die Hinrunde. Hier die tolle Heimbilanz mit sieben Siegen aus acht Partien, dort die eklatante Auswärtsschwäche. „Die Diskrepanz ist viel zu groß. Das ist der Wermutstropfen in unserer Hinrunde“, moniert auch Geschäftsführer Klaus Allofs.

Die Hinrunde der Saison 2011/12 in Bildern

Werders Bremens Saison 2011/2012 in Bildern

Wobei von einem Tropfen eigentlich nicht die Rede sein kann. 0:5 in Mönchengladbach, 1:4 in München, 0:5 zum Abschluss auf Schalke – das ist gleich ein See an Sorgen, die Werder mit in die Rückrunde nimmt. Dennoch schubsen sowohl Schaaf als auch Allofs die guten Aspekte nach vorne. „Die Saison ist bisher im Vergleich zur vorigen viel besser. Die Mannschaft hat wieder in die positive Schiene gefunden, spielt wieder besseren Fußball“, sagt der Coach, schränkt aber ein: „Es ist nicht alles gut.“ Die vergangene, von Abstiegsangst geprägte Serie habe „ihre Kratzer hinterlassen. Spiele wie das 0:5 auf Schalke entstehen, weil das Gebilde nicht so gefestigt ist.“

Bei dem Bild lässt sich bleiben: Auf wackeligem Fundament, aber auf Rang fünf verbringt Werder die Winterpause. „Ganz ordentlich“, nennt Klaus Allofs dieses Zwischenergebnis: „Unterm Strich eine gute Position.“ Die in der zweiten Saisonhälfte verteidigt werden muss.

Die Werder-Fieberkurve: Zuhause top, auswärts Flop

Auf frische Kräfte im Team wird Thomas Schaaf dabei nicht vertrauen können. Winter-Einkäufe sind nicht in Aussicht. „Mit ganz großer Wahrscheinlichkeit werden wir nichts unternehmen“, erklärt Sportdirektor Allofs. Zum einen hält er den Kader für „ausreichend besetzt“ und hofft auf Spieler wie Sebastian Boenisch, Mikael Silvestre oder Denni Avdic, die nach langer Verletzungspause vor der Rückkehr stehen. Zum anderen fehlt bei einem zu erwartenden Millionen-Verlust im laufenden Geschäftsjahr schlicht das Geld, um auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Allofs: „Die Mittel sind nicht vorhanden.“ Und in Vorleistung gehen, sprich: Schulden machen, ist nicht drin. Das hat Aufsichtsratschef Willi Lemke am Montag nach der Vertragsverlängerung mit Allofs (bis 2015) und Schaaf (bis 2014) erneut bekräftigt: „Nicht mit mir.“

Schaaf muss folglich das Vermögen aktivieren, das er in sportlicher Hinsicht angehäuft hat. Die Millionen-Einkäufe Marko Marin, Marko Arnautovic, Wesley und Mehmet Ekici (kosteten zusammen mehr als 26 Millionen Euro) kamen in der Hinrunde überhaupt nicht auf Touren, saßen zu oft als totes Kapital auf der Bank. Dieses zum Leben zu erwecken, ist die große Aufgabe und Chance in der Rückrunde. · csa

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