Werder verschafft sich mit dem 1:0 über den HSV Luft im Tabellenkeller

Große Gefühle nach dem großen Derby-Triumph

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Zlatko Junuzovic brüllt seine Freude über den Treffer zum 1:0 gegen den HSV heraus. Werder gelang mit dem Sieg im 100. Nordderby ein großer Prestigeerfolg und ein kleiner Befreiungsschlag im Abstiegskampf. ·

Bremen - Die Idee war  – ja, sagen wir es ruhig –, sie war supergeil. Nach dem Derby-Sieg über den Hamburger SV stellte Werder-TV, das clubeigene Internet-Fernsehen, die Bremer Stars vor die Kamera. Nicht, um sie zu interviewen, sondern um die kultverdächtigen Supergeil-Werbespots eines deutschen Supermarkt-Riesen zu parodieren.

Lesen Sie auch den Kommentar von Sportredakteur Carsten Sander: Wie Doping im Abstiegskampf

Heraus kam nach dem 100. Nordderby ein Clip zum Ablachen. Die gute Laune zu produzieren war nach dem Bremer 1:0 (1:0)-Erfolg im mit Bedeutung beinahe überfrachteten Duell mit dem Erzrivalen HSV allerdings auch nicht schwer. Nichts ist schöner für einen Bremer, als gegen Hamburg zu gewinnen. Das war schon immer so – und ist erst recht der Fall, wenn es sich um die Jubiläumsbegegnung in der Bundesliga handelt, das Duell noch dazu ein astreiner Abstiegs-thriller ist. Kein Wunder also, dass so manchem Bremer nach der Partie die Superlative für die Gefühle ausgingen. Zlatko Junuzovic beispielsweise vermochte seine Freude darüber, dass ausgerechnet er das Tor des Tages (19.) erzielt hatte, kaum in Worte zu fassen. „Ein überragendes Gefühl“ sei es, ein Derby-Held zu sein, meinte der Österreicher, „einfach geil“. Supergeil eben.

Mit dem Sieg hat sich Werder etwas von der Abstiegszone abgesetzt. Sechs Punkte Vorsprung sind es jetzt auf den HSV, und Junuzovic beschrieb, wie sehr sich alle den Sieg gewünscht hatten: „Du sagst dir in den Tagen vorher tausend Mal: Bitte, bitte, lass uns dieses Spiel gewinnen! Du denkst einfach an nichts anderes.“ Als es dann tatsächlich vollbracht war und Werder mit dem ersten Sieg des Jahres der Befreiungsschlag gelungen war, sank der 26-Jährige im Mittelkreis auf die Knie und hämmerte mit seinen Fäusten vor Freude Löcher in den Rasen. „So erleichtert war ich noch nie nach einem Spiel“, gab Junuzovic zu.

Die Einzelkritik nach dem Nordderby

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Wie ihm ging es eigentlich allen Bremern. Riesig war die sportliche Bedeutung, entsprechend groß die öffentliche Wahrnehmung und natürlich der Druck auf die Spieler. „Es hat so geknistert, wie ich es noch nie erlebt habe“, sagte Trainer Robin Dutt und war hernach froh, „dass die Jungs auf dem Platz die richtige Mischung aus Aggressivität und Kontrolle gefunden haben. Besser hätten sie es nicht machen können.“ Tatsächlich war der Biss das Bremer Plus. „Wir haben extremen Druck gemacht, haben keinen Ball aufgegeben. Und wir haben ein bisschen mehr an den Sieg geglaubt als der HSV“, schilderte Abwehrchef Sebastian Prödl den Bremer Kampf gegen die Abstiegsangst: „Wir haben jetzt punktemäßig einen ordentlichen Schritt gemacht. Endlich haben wir mal einen Dreier gelandet. Aber wir sind da unten noch nicht raus.“ Immerhin ist Werder mittlerweile seit drei Spielen ungeschlagen. „Ich glaube“, grinste Prödl, „das ist uns nicht mal in der Vorbereitung gelungen.“

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Aber jetzt in der Liga. Es scheint, als würde Werder pünktlich zu den Wochen der Wahrheit zur Stabilität finden. „Man spricht immer über die mangelnde spielerische Entwicklung bei uns. Ich kann das auch nachvollziehen. Aber das war jetzt unser achtes Spiel ohne Gegentor. Das ist schon gut“, meinte Sportchef Thomas Eichin. Und Trainer Robin Dutt attestierte der Mannschaft in der Vermeidung von Gegentoren eine „super Entwicklung: Acht Mal zu null – das ist ein entscheidender Schritt für ein Team, das defensive Probleme hatte.“ Auf der anderen Seite stehen 46 Gegentore in 15 Partien – „das ist natürlich zu viel“, so Dutt.

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Ausgestanden ist folglich nichts. Aber gegen den HSV bewahrheitete sich, was Stürmer Nils Petersen seit Saisonbeginn mantraartig wiederholt: „Vorne sind wir immer für ein Tor gut.“ Der Treffer am Samstag hatte seinen Ursprung in einem Geistesblitz, Geniestreich oder wie auch immer man nennen mag, was Aaron Hunt da gezaubert hatte. Mit der Hacke hatte er einen kaum zu verarbeitenden Ball aus der Luft und hinter dem Körper zu Junuzovic gepasst. „Super Pass, super Angriff, supergeil“ – fand auch der coole Aleksandar Ignjovski im Werder-Clip. Mal reingucken?

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