„Er muss sich im Spiel mehr zutrauen“

Der perfekte Tag für Öztunalis Explosion

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Leichtes Grinsen, aber die Hände versteckt – ein selbstbewusster Profi geht anders als Levin Öztunali in die Kabine.

Bremen - Levin Öztunali ist ein freundlicher Mensch. Fast nach jeder Antwort lächelt der Werder-Profi sein Gegenüber an. Dabei schaut er allerdings meistens in enttäuschte Gesichter – zumindest, wenn es Journalisten sind. Denn wirklich etwas gesagt hat Öztunali meistens nicht. Eigentlich will der Werder-Profi das auch gar nicht.

Ihn befremdet diese Situation mit Spieler hier und Journalist dort. Er ist schüchtern, was beim Blick auf sein Alter nicht verwundert: Er ist gerade 19. Trotzdem sind die Erwartungen an ihn groß, mehr noch auf als neben dem Platz. Es wird auf seine Explosion gewartet, heute wäre ein perfekter Zeitpunkt dafür.

Warum heute? Es ist quasi ein Öztunali-Tag. Der Gegner im Weserstadion heißt schließlich Bayer Leverkusen. Und ausgerechnet heute könnte Öztunali endlich mal wieder in der Startelf stehen.

Vom Werksclub ist der Offensivspieler seit Januar an Werder ausgeliehen. Noch bis Ende der Saison. In Bremen sollte er Spielpraxis sammeln, die er bei dem Champions-League-Club nicht bekam. Der Plan ging durchaus auf. In der Rückrunde der vergangenen Saison kam er zwar auf stolze 16 Einsätze, stand dabei sogar neun Mal in der Startelf, richtig stark spielte Öztunali aber nur zwei Mal: gegen Wolfsburg (3:5) und in Dortmund (2:3). Seine guten Fähigkeiten waren nicht zu übersehen, aber er zündete zu selten den Turbo. Erst im letzten Rückrundenspiel in Dortmund gelang ihm der erste Treffer.

Leverkusen hätte ihn per Option zurückholen können, ließ die Möglichkeit aber verstreichen. Werder war deshalb nicht böse, hoffte weiter auf den großen Durchbruch von Öztunali. Doch nach sechs Bundesliga-Spielen stehen nur 76 Minuten auf seiner Spieluhr. Öztunalis Erklärung dafür: „Beim ersten Spiel gegen Schalke habe ich von Anfang an gespielt und wir haben verloren.“ Es folgt ein kurzes Lächeln, das so viel bedeuten will wie: Den Rest könnt ihr euch doch denken. Wer aber nicht selbst denken möchte, bekommt von Öztunali keine weitere Erklärung. Er will darüber nicht reden. Er vermeidet es auch tunlichst, das Wort „Enttäuschung“ in welcher Form auch immer zu benutzen. Eigentlich sagt er immer nur zu: „Ich versuche, mich anzubieten und Vollgas zu geben.“

Wie schon geschrieben, Öztunali ist erst 19 Jahre alt, da darf sich noch durch Interviews gefloskelt werden. Und als Enkel von Uwe Seeler hatte er es medial in der Vergangenheit auch nicht immer leicht. Aber diese Zurückhaltung passt auch irgendwie zu seinem Spiel. Genauso, wie man das Gefühl hat, er kann mehr am Ball, genauso hat man das Gefühl, er kann das alles locker und leicht erklären. Aber Öztunali ist gebremst.

So sieht es im Prinzip auch Zlatko Junuzovic. „Er ist noch sehr jung. Aber er hat eine Dynamik, eine Explosivität. Er muss sich im Spiel nur mehr zutrauen“, wünscht sich der 27-Jährige vom jungen Teamkollegen und macht ihm Mut: „Er hat die Qualität, um den einen oder anderen Unterschied zu machen. Und gegen seinen Ex-Club wird er bestimmt noch mehr motiviert sein.“

Immerhin das gesteht Öztunali, spricht von einem Tick Extra-Motivation. Er will sich aber auch nicht zu sehr in der Öffentlichkeit in die Startelf drängeln. Dabei wäre das nur verständlich. Denn durch die Sperren von Fin Bartels und Philipp Bargfrede ist genügend Platz im Mittelfeld. Und bei diesen speziellen Vorzeichen ist es eigentlich ein Muss, dass Werders derzeit einziger U21-Nationalspieler heute von Beginn an aufläuft.

kni

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