Werder kann Stuttgart heute abhängen – oder wieder richtig unten reinrutschen

Große Chance – aber auch große Gefahr

Im Hinspiel musste Tim Wiese sechs Mal hinter sich greifen und war mächtig frustriert – heute Nachmittag soll nun gegen den VfB Stuttgart alles besser werden. „Wir sind heiß“, verspricht der Bremer Torwart.

Bremen - Von Malte Rehnert. Heute Nachmittag kann Werder im mit 40 500 Zuschauern ausverkauften Weserstadion gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen:

Ein Sieg im Heimspiel (15.30 Uhr) gegen den VfB Stuttgart würde den Bremern ein wenig Ruhe im anstrengenden Abstiegskampf verschaffen – und so ganz nebenbei können sie Revanche nehmen für das peinliche 0:6 in der Hinrunde, das seit dem 1:7 in Gladbach im März 1987 die höchste Werder-Niederlage in der Fußball-Bundesliga war.

Schmerzhafter Anblick für alle Bremer: Die Anzeigetafel in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena am 7. November 2010.

„Eigentlich hatte ich das schon aus meinen Gehirnzellen rausgeschmissen“, meinte Werder-Keeper Tim Wiese, doch solche Spiele kann man eben nicht vergessen. „Das war der bitterste Moment der Saison, das kann man schon so sagen“, urteilte der 29-Jährige. Kapitän Torsten Frings, der in diesem denkwürdigen Spiel auch noch einen Elfmeter verschossen hatte, sieht’s ähnlich: „Das war der Tiefpunkt und steckt natürlich noch irgendwo im Kopf. Bei Stuttgart hat damals alles geklappt, bei uns gar nichts. Es war einfach ein richtig schlechtes Spiel von uns.“ Und selbst Trainer Thomas Schaaf, der eigentlich ungern zurückblickt, erinnert sich mit Schrecken: „Das hat unheimlich weh getan.“

Training vor dem Spiel gegen Stuttgart

Werder-Training vor dem Spiel gegen Stuttgart

Bemitleidenswert war an jenem 7. November 2010 besonders Wiese, der zuvor nach eigener Erinnerung erst ein Mal sechs Gegentore kassiert hatte. „Mit Kaiserslautern in Leverkusen, das ist schon lange her. Aber“, erinnert sich der Werder-Keeper, „damals haben wir das Rückspiel zu Hause gewonnen.“

Und so soll’s möglichst heute wieder sein: „Na klar sind wir heiß“, betonte Wiese. Rachegelüste gebe es aber bei ihm nicht, versicherte der Bremer Torwart: „Wir wollen doch jedes Spiel gewinnen – egal, was in der Hinrunde war. Wir hatten damals einen negativen Lauf, aber die Zeiten haben sich geändert – jetzt haben wir einen guten Lauf.“

Training am Donnerstag

Werder-Training am Donnerstag

Kämpferisch klingt auch Frings. „Wir wollen die Punkte diesmal hier behalten“, forderte der 34-Jährige und hob hervor, wie wichtig die Partie heute ist: „Mit einem Sieg können wir uns absetzen. Wenn wir aber nicht gewinnen, sind wir wieder voll mit dabei da unten.“

Derzeit ist Werder Zwölfter mit 32 Punkten, hat aber lediglich drei Zähler Vorsprung auf den VfB Stuttgart. „Gegen einen Mitkonkurrenten zu punkten, hat eine noch größere Bedeutung“, meinte Werder-Sportchef Klaus Allofs: „Wir können einen großen Schritt machen.“ Mehr als „ein Etappenziel“ kann Werder mit einem Heimsieg allerdings nicht erreichen. Allofs: „Selbst dann wären wir natürlich noch nicht gerettet. Wir lassen uns nicht blenden und müssen bis Saisonende so weitermachen wie zuletzt.“

Dass Werder – übrigens genau wie der VfB – vier Mal hintereinander nicht verloren hat, macht Frings Mut: „Wir haben uns stabilisiert und wollen den Trend der vergangenen Wochen fortsetzen.“

Der große Druck ist aber nach wie vor da, wie Tim Borowski urteilte. „Wir brauchen dringend Punkte, um unten rauszukommen“, sagte der Mittelfeldmann und empfahl seinem Team: „Wir tun alle gut daran, die Situation nicht zu unterschätzen.“ Thomas Schaaf tut dies gewiss nicht, der Coach rechnet heute mit einem sehr unangenehmen Gegner: „Stuttgart ist eine Klassemannschaft. Wenn alles passt, können sie tolle Leistungen abliefern.“ Wie in der Hinrunde gegen Werder . . .

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