Grillitsch gilt als Junuzovic-Ersatz / „Die Erwartungen werden jetzt höher sein“

Der Standard-Kronprinz war bislang zu groß dafür

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Florian Grillitsch hat sich im Profi-Kader festgespielt und ist nun der Hoffnungsträger für den ruhenden Ball.

Bremen - Als Co-Trainer Torsten Frings sein „Feierabend, Jungs“ verkündet, da schnappt sich Florian Grillitsch sofort einen Ball und marschiert Richtung Eckfahne.

Der junge Werder-Profi hat nach diesem Trainingsspiel noch eine Rechnung offen – mit sich selbst: „Meine Ecke in dem Spiel war nicht gut. Darüber habe ich mich geärgert. Deshalb habe ich das gleich noch mal trainiert.“ Gut so, denn starke Standards werden bei Werder sehnlichst erwartet. Und Grillitsch gilt als Kronprinz des verletzten Standard-Königs Zlatko Junuzovic. „Es gibt mehrere Kandidaten“, wiegelt Grillitsch ab. Doch in Stuttgart trat er nach dem Ausfall von Junuzovic kurz nach der Halbzeit alle Ecken und auch einige Freistöße. „Torsten hat mir das gesagt“, berichtet Grillitsch von Frings’ Befehl. Mit der Umsetzung war der Österreicher nicht wirklich zufrieden: „Die müssen noch besser kommen.“

Das galt zuletzt allerdings auch für die Versuche von Junuzovic. Der 28-Jährige hat in seiner Spezialdisziplin das Feingefühl verloren, Der 1,72 Meter große Mittelfeldspieler versenkte in dieser Serie noch keinen Freistoß und bereitete auch erst einen Treffer per Standard vor. Kann Grillitsch das besser? An sein letztes Freistoßtor kann sich der 20-Jährige jedenfalls nur schemenhaft erinnern: „Das war – glaube ich – in der A-Jugend. Eigentlich bin ich gar nicht so für die Standards zuständig gewesen, weil ich immer einer der größeren Spieler war und deshalb bei Standards vorne drin war.“ Grillitsch misst 1,87 Meter – also 15 Zentimeter mehr als Junuzovic. Da war eher sein Kopf als sein Fuß gefragt. Doch der Österreicher gibt deshalb nicht auf, sondern verkündet selbstbewusst: „Ich kann auch Freistöße verwandeln, ich traue mir das zu.“

Typisch Grillitsch: Der Shootingstar der Saison ist kein Lautsprecher, aber auch kein Leisetreter. Souverän beantwortet er jede Frage. Auch die nach seiner neuen Rolle. „Ersatz von Zlatko Junuzovic“, wiederholt er die letzte Frage, um nach einer kurzen Pause zu antworten: „Das ist schon ein großer Spieler. Das müssen wir als Mannschaft kompensieren.“ Es ist keine Angst vor der Verantwortung, denn Grillitsch ist sich durchaus bewusst: „Die Erwartungen werden jetzt ein bisschen höher sein.“

In den vergangenen acht Bundesliga-Spielen stand er fünf Mal in der Startelf. Zwei Mal wurde er eingewechselt. Zwei Assists stehen auf seinem Konto. Ein Tor fehlt noch. Er ist der einzige Nachwuchsspieler, der sich in der Hinrunde bei den Profis wirklich durchgesetzt hat. Das freut ihn, aber er bleibt am Boden. Dass sein Startelf-Platz durch den Ausfall von Junuzovic nun ziemlich wahrscheinlich ist, kommentiert er sicherheitshalber in bestem Fußballer-Deutsch: „Wenn ich am Wochenende spielen darf, dann freue ich mich und versuche, das Vertrauen zurückzuzahlen.“

Das Vertrauen ist ziemlich groß. Werder plant längst über die Saison hinaus mit dem 20-Jährigen. Dabei läuft der Vertrag im Sommer eigentlich aus, verlängert sich allerdings nach einer gewissen Anzahl von Spielen automatisch um ein Jahr. „Ich bin da ganz entspannt“, sagt Sportchef Thoma Eichin: „Er wird genügend Spiele machen, dass das klargeht.“ Wie viele genau das sind, will Eichin nicht verraten. Ohnehin strebt er eine andere Lösung an – unabhängig von der Option: eben einen langfristigen Vertrag. Denn natürlich sind längst schon andere Clubs auf das Talent aus Österreich aufmerksam geworden. Da gilt es Vorsorge zu treffen.

Vor zweieinhalb Jahren ist Grillitsch aus dem Nachwuchs von AKA St. Pölten nach Bremen gewechselt. Danach ging es Schritt für Schritt nach vorne. Jetzt ist er Bundesliga-Profi – und er weiß, dass sich einiges ändern wird. „Wenn ich nach Hause komme, erkennt mich vielleicht jetzt der eine oder andere“, sagt Grillitsch und grinst etwas verlegen. Er scheut das Rampenlicht nicht, er braucht es aber auch nicht. Am wohlsten fühlt er sich ohnehin auf dem Platz. Im Training ist ihm der Spaß anzusehen. Beinahe klappt es sogar mit einem Freistoß-Tor. „Vorbei ist vorbei“, sagt er später zum gar nicht so schlechten Versuch. Es war die letzte Aktion im Trainingsspiel. Mit seinem „Feierabend, Jungs“ schickt Frings die Profis in die Kabine. Doch Grillitsch übt noch ein bisschen…

kni

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