Werder verliert auch gegen Schalke – 2:3

„Gott sei Dank ist es vorbei“

DER BESTE Ballermann der Bundesliga war gestern nicht zu halten, auch nicht von Sokratis: Klaas-Jan Huntelaar (vorn) machte in Bremen seine Saisontore 28 und 29.

Bremen - Nichts geht mehr, der SV Werder ist so schlecht wie noch nie. Die Bremer verloren gestern auch das letzte Saisonspiel daheim gegen den FC Schalke 04 verdient mit 2:3 (1:1) und sorgten damit für die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte. Gerade mal 13 Pünktchen sammelte das Team von Trainer Thomas Schaaf in den 17 Partien nach der Winterpause.

Ohne die gute Hinrunde wäre Werder abgestiegen. Es ist daher fast schon grotesk, dass der Club die Saison als Tabellenneunter beendet.

„Nach der Rückrunde kann man nur sagen: Gott sei Dank ist es vorbei“, gestand der sichtlich gezeichnete Kapitän Clemens Fritz: „Jeder einzelne muss sich hier überdenken. So eine Rückrunde abzuliefern, das geht gar nicht!“ Auch Clubchef Klaus Allofs fand deutliche Worte: „Wir haben der Mannschaft heute Morgen im Hotel noch mal gesagt, dass wir spüren wollen, dass der Rasen brennt. Doch davon habe ich nichts gespürt.“

Fans und Spieler nehmen Abschied

Fans nehmen Abschied von Werder-Profis

Sechs Spieler hatte der Club vor der Partie verabschiedet: Tim Wiese, Markus Rosenberg, Marko Marin, Mikael Silvestre, Lennart Thy und Tim Borowski, der anschließend nach achtmonatiger Verletzungspause tatsächlich in der Startelf stand. Ein Abschiedsgeschenk? Schaaf verneinte das und erklärte: „Tim hat die Woche einen sehr guten Eindruck hinterlassen.“ Dumm nur, dass Borowski nach nicht einmal einer halben Stunde die Puste ausging. So konnte er Julian Draxler nicht mehr folgen, und der Schalker hämmerte die Kugel ins Tor (30.) – begünstigt auch vom zu späten Eingreifen des Österreichers Sebastian Prödl. Ein Treffer, der auch die letzten Träumer aufweckte. Hannover lag zwar zu diesem Zeitpunkt gegen Kaiserslautern zurück, doch diese Bremer, bei denen Zlatko Junuzovic in der 36. Minute wegen einer Fußverletzung runter musste, können nicht mehr gewinnen. Das hatten sie davor acht Spiele in Folge bewiesen, und daran knüpften sie gestern nahtlos an. Die Mini-Chance auf Platz sieben und eine Rückkehr ins internationale Geschäft war im Prinzip gar keine.

Bilder von der Partie gegen Schalke

Werder Bremen gegen Schalke

Daran änderte auch der Ausgleich nichts, den Schiedsrichter Deniz Aytekin den Bremern in Form eines Strafstoßes schenkte. Sergio Escudero hatte Aaron Hunt ganz leicht aus den Tritt gebracht, allerdings sicher nicht elfmeterreif. Claudio Pizarro war’s egal, er nutzte die gute Gelegenheit vom Punkt, um nach 640 Minuten endlich seine Torflaute zu beenden (41.). Es folgten die fünf besten Werder-Minuten des Spiels: Endlich gaben die Gastgeber Gas, spielten mutig, bekamen die Kugel aber in Person von Sokratis nicht über die Linie.

„Pizarro muss sich jetzt entscheiden“

Schaaf reagierte. Er nahm den völlig ausgelaugten Borowski vom Platz, brachte Marko Arnautovic und würfelte seine Mannschaft kräftig durcheinander. So fand sich zum Beispiel Torjäger Pizarro plötzlich im Mittelfeld wieder. Das neue Werder hatte sogar eine Riesenchance, doch Rosenberg scheiterte an einer blitzartigen Fußabwehr von Keeper Lars Unnerstall (57.). Ansonsten war Schalke am Drücker und wegen Klaas-Jan Huntelaar auch erfolgreich: Der Holländer testete erst das Bremer Aluminium und verwertete den Abpraller dann eiskalt (65.). Fritz’ Ballverlust im Mittelfeld hatte die Szene eingeleitet, das Zuschauen von Lukas Schmitz, Sokratis und Prödl den Rest besorgt. Es ging aus Sicht der Gastgeber aber noch schlimmer: Peinlich, wie Schmitz den Ball an Jefferson Farfan verlor – der Peruaner schickte Huntelaar auf die Reise, und der jagte die Kugel zum 3:1 in die kurze Ecke (74.).

Da fiel es dem gerade eingewechselten Naldo schwer, eine Aufholjagd zu starten. Ohnehin war dem Brasilianer deutlich anzusehen, dass ihm die Verbannung auf die Bank gar nicht schmeckte. Auch Pizarros 2:3 per Kopf nach Flanke von Hunt (82.) konnte seine Stimmung nicht aufhellen. Werder hatte keine Chance mehr auf den Ausgleich. Immerhin blieb den Spielern ein Pfeifkonzert erspart, die überraschend emotionslosen Fans ließen sogar eine Ehrenrunde der Profis mit dem Banner „Danke für Eure Treue“ klaglos über sich ergehen. Nur zwei Spruchbänder mit den Aufschriften „Schaaf raus“ und „Feel the spirit of 1995 – Mittelmaß wir kommen“ in der Ostkurve deuteten einen Stimmungswechsel an.

Allofs sprach später von Einzelmeinungen. Die Geschäftsführung würde sich davon nicht beirren lassen und weiter an einer neuen Mannschaft arbeiten. Dazu zählte auch eine eindeutige Ansage für Pizarro von Allofs: „Claudio muss sich jetzt entscheiden, ob er bleiben will.“ Der Ton wird rauer, das ist nach der schlechtesten Rückrunde aller Zeiten auch bitter nötig. kni

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