Schlaflos in München

„Gott, bitte ein Tor von Ailton“

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Die echte Meisterschale gab es erst später, aber auch die Pappversion machte Ailton in München überglücklich.

Bremen - Es war eine Nacht in einem Münchner Hotel. Eine fürchterliche Nacht für Ailton Goncalves da Silva. Der Torjäger des SV Werder Bremen quälte sich von Stunde zu Stunde, vor Nervosität unfähig zu schlafen. Denn am folgenden Tag, dem 8. Mai 2004, bot sich Ailton und seinen Freunden eine historische Chance. Mit einem Sieg beim amtierenden Meister und Pokalsieger Bayern München konnten die Bremer Deutscher Fußball-Meister werden.

Es gelang. Werder siegte verdient mit 3:1, feierte damit zwar nicht den höchsten, aber doch den größten Sieg aller Zeiten bei dem Erzrivalen aus dem Süden. Ivan Klasnic (19.), Johan Micoud (26.) und eben Ailton (35.) erzielten an diesem 32. Spieltag die Tore zum Titel. Beinahe zehn Jahre danach erinnert sich Ailton an die schlimmen Stunden vor dem Spiel und die schönen danach.

Ailton, wie war es damals, mit der Hoffnung auf die Meisterschaft nach München zu fahren?

Ailton:Wir waren unheimlich konzentriert auf dieses Spiel. Die Bayern haben uns die ganze Woche über mit irgendwelchen Sprüchen in den Zeitungen provoziert. Sie wollten uns irgendwie ablenken. Aber für uns hat nur das Spiel, der Anpfiff gezählt. Mir steckte das Spiel so tief im Kopf, dass ich an nichts anderes denken konnte.

Dabei waren speziell Sie eigentlich als lockerer Typ bekannt.

Ailton: Nicht an diesem Wochenende. Ich habe die Nacht im Hotel kaum geschlafen, habe immer nur gedacht: Du musst morgen ein Tor schießen. Du musst, du musst, du musst! Ich habe zu Gott gesprochen, habe gesagt: Gott, bitte ein Tor von Ailton. Mit dem Kopf, mit dem rechten Fuß, mit dem Hintern – ganz egal, ich brauche ein Tor.

Ohne Schlaf ins Spiel – was hat Trainer Thomas Schaaf dazu gesagt?

Ailton:Ich habe beim Frühstück mit ihm gesprochen, habe ihm gesagt, dass ich kaum geschlafen hatte.

Und?

Ailton:Er hat mich nur gefragt: „Warum?“ Ich sagte: „Ich weiß es nicht. Das Adrenalin ist gekommen.“ Er meinte: „Dann ist es ja gut.“ Und ich habe gespielt.

In der 35. Minute haben Sie dann mit einem herrlichen Schlenzer das Tor erzielt, das früh alle Zweifel am Ausgang der Partie beseitigte. Wie war das Gefühl, in München Meister zu werden?

Ailton: Wir haben einfach super gespielt. Und ich habe im Stillen zu mir gesagt: „Danke, Bayern München für die Provokationen! Danke, Uli Hoeneß! Jetzt sind wir Deutscher Meister.“ Das war so unglaublich. Ein großer Tag, den ich nie vergessen werde.

Wie war die anschließende Nacht? Sie müssen ja völlig übermüdet gewesen sein, oder?

Ailton (lacht):Kein Kommentar.

So schlimm?

Ailton:Nein, so schön! Wir sind zurück nach Bremen geflogen, Thomas Schaaf hat aus dem Flugzeug heraus die Werder-Fahne geschwungen. Und dann haben wir unsere Frauen getroffen und haben nur noch Party gemacht. Die ganze Woche haben wir Party gemacht. Geil, geil, geil! · csa

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