Neuzugang Aleksandar Ignjovski ist der etwas andere Profi: „Vielleicht male ich mal das Weserstadion“

Ein Goldschmied für Werder

Bei Werder will Aleksandar Ignjovski zum Höhenflug ansetzen.

Bremen - Gleich bei der Begrüßung zeigt Aleksandar Ignjovski seinen Ehrgeiz. Als er die Dolmetscherin sieht, schüttelt der 20-jährige Serbe den Kopf. Soll heißen: Er will das Gespräch auf Deutsch führen.

Auch bei Interviews stets gut gelaunt: Werder-Profi Aleksandar Ignjovski.

Werders Neuzugang hat nach zwei Jahren in München (bei Zweitligist 1860) keine Scheu mehr vor der fremden Sprache. Er ist aber auch gewissenhaft: Weil er möchte, dass er richtig verstanden wird, wendet sich der Defensiv-Allrounder während der über 40-minütigen Unterhaltung immer mal wieder an die Übersetzerin. Der deutsche Wortschatz reicht dann doch noch nicht ganz für all das, was er zu erzählen hat. Natürlich viel über Fußball, seine Integration in Bremen („Moin habe ich schon gelernt“) und die Ziele mit dem neuen Club („Für Werder ist es normal, unter die ersten Fünf zu kommen“) – aber auch einiges aus seinem Privatleben. Schnell wird klar: Der junge Mann mit dem Igelschnitt und den braunen Augen ist ein interessanter Typ. Und ein sympathischer – er lacht viel und herzhaft. Und ein aufgeweckter – er antwortet ausführlich, erzählt gerne auch mal ‘was von sich aus.

Und: Er ist anders als viele seiner Altersgenossen. Ignjovski klebt zum Beispiel nicht an der Playstation, er ist lieber kreativ. Früher hat er eine Ausbildung zum Goldschmied gemacht. Seine Tante Snezana ist Professorin für Kunsthandwerk an der Uni Belgrad. „Sie macht Mosaike für große Kirchen. Von ihr habe ich wohl auch das künstlerische Talent geerbt“, grinst der 20-Jährige. Die Goldkette, die unter seinem blaugrauen T-Shirt hervorblitzt, ist keine echte Ignjovski. „Ketten herzustellen, ist sehr aufwendig. Ohnehin braucht man für diesen Beruf sehr viel Ruhe und Konzentration“, erzählt er. Hauptsächlich hat er Ringe gefertigt. „Alles Einzelstücke“ – allerdings noch keinen für seine Freundin Jovana. „Mal sehen, vielleicht irgendwann den Ehering. Das ist eine gute Idee“, schmunzelt Ignjovski.

Training am Mittwoch

Werder-Training am Mittwoch

Das, was er herstellte, hatte er vorher auch selbst mit Bleistiften gezeichnet – und dabei eine weitere Passion entdeckt: das Malen. Zwei, drei Ölbilder hat er bereits fertig. „Wenn ich Zeit habe, setze ich mich gerne mal hin und male drauflos. Das, was mir gerade einfällt – zuletzt war’s eine Brücke“, sagt Ignjovski und ergänzt: „Ich male die Bilder Stück für Stück und kann mir schon vorstellen, sie später auszustellen.“ In seiner neuen Heimat hat sich ihm bislang noch kein Motiv aufgedrängt. „Vielleicht male ich später mal das Weserstadion. Warum nicht? Ansonsten habe ich allerdings noch nicht so viel von Bremen gesehen.“ Er ist ja auch erst fünf Wochen da.

Zeit genug aber, um schon einen neuen Spitznamen zu bekommen. „Egal, wo ich war – ich hatte immer einen anderen“, sagt Ignjovski. Beim OFK Belgard, seinem ersten Profiverein in der serbischen Meridian SuperLiga, nannten sie ihn „Aza“. Bei den Münchner „Löwen“ riefen sie ihn „Alex“ – und in Bremen nun „Iggy“. „Ja, wie Iggy Pop“, sagt Ignjovski, „den kenne ich zwar, aber ich höre ihn nicht. Ich mag andere Musik, eher House.“

Dass er in Bremen nun so heißt wie der inzwischen 64-jährige „Godfather of Punk“ aus den USA hat er eigentlich einem Fan zu verdanken: „Der hat mich im Internet so genannt.“ Endgültig verpasst bekam er den Spitznamen dann vom Chefcoach höchstpersönlich. Ignjovski erzählt: „Beim ersten Training sagte Thomas Schaaf zu mir: ,Wie machen wir das denn? Wir haben doch schon einen Aleksandar (Stevanovic, Anm. d. Red.). Wollen wir dich dann Iggy nehmen?‘ Ich antwortete: ,Ja, klar‘.“

Bei Werder fühlt sich „Iggy“ schon total wohl: „Es ist super hier.“ Aus der Mannschaft unternimmt er bislang am meisten mit den Stevanovic-Brüdern Predrag und Aleksandar sowie Marko Marin. „Wir gehen häufiger mal essen. Und Marko hat mir auch sehr bei der Wohnungssuche geholfen.“ Mit Erfolg: Anfang Oktober kann er seine neue, rund 70 Quadratmeter große Bleibe „zwischen Parkhotel und Hauptbahnhof“ beziehen: „Da ist es schön ruhig. Und ich habe genug Platz, wenn meine Eltern oder meine Freundin mal zu Besuch kommen.“

Die komplette Familie und auch die Freundin leben noch in Pancevo, einer Stadt mit etwa 100 000 Einwohnern, 15 Kilometer entfernt von der serbischen Hauptstadt Belgrad, wo Ignjovski beim OFK in der Jugend spielte und auch Fußballprofi wurde. Doch nach seiner zweijährigen Ausleihe nach München wollte er nicht dorthin zurück. Er wollte zu Werder – unbedingt. „Das ist ein Topclub, wo ich Fuß fassen und mich weiterentwickeln kann. Außerdem ist die Stimmung im Stadion genial.“ Deshalb wartete er. Nach bestandenem Medizincheck an der Weser vergingen sechs Wochen bis zur Vertragsunterschrift Anfang August. Er hielt sich mit Hilfe eines Konditionstrainers fit, um bestens vorbereitet zu sein. Es war eine harte Zeit, wie Ignjovski gesteht: „Ich hatte schon ein bisschen Angst, dass es schiefgeht und ich zurück nach Belgrad muss.“ Aber Schaaf und auch Werder-Sportchef Klaus Allofs „haben mir Kraft gegeben, mir Mut gemacht und gesagt, dass es klappen wird.“

Es klappte. Was dem schmächtigen Serben (1,75 Meter groß, 68 Kilo schwer) jetzt noch fehlt, ist Spielpraxis. Bislang durfte der U 21-Nationalspieler nur in zwei Tests ran, in der Bundesliga noch gar nicht. Doch Ignjovski, der auf beiden Außenverteidigerpositionen oder auf der „Sechs“ spielen kann, drängelt nicht: „Ich bin bereit, ja. Aber ich kann warten – der richtige Moment wird kommen.“ · mr

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