Aber Werder-Coach Thomas Schaaf hat sich noch nicht entschieden, ob er in Bremen bleibt

„Es ist ein Glück, den Beruf so auszuüben, wie ich das kann“

Jede Menge Klärungsbedarf: Thomas Schaaf (Bild) erläuterte gestern auch, warum er sich für Clemens Fritz als Kapitän entschieden hat. ·

Bremen - Thomas Schaaf ist Werder Bremen und soll‘s auch bleiben. Das hat Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer in dieser Zeitung klar und deutlich gefordert.

Doch der Chefcoach (seit 1999 im Amt) lässt sich nicht hetzen, hat sich mit seiner Zukunft noch gar nicht beschäftigt, dabei ist er seit einigen Tagen ständig mit der Werder-Hymne „Lebenslang Grün-Weiß“ im Radio zu hören. Was das zu bedeuten hat und warum er sich mit den Bayern streiten will, verrät Schaaf (50) im Interview.

Herr Schaaf, sind Sie glücklich?

Thomas Schaaf:Ja, ich bin in vielen Bereichen zufrieden und glücklich.

Kein Wunder, denn laut „Glücksatlas Deutschland 2011“ sind nur die Menschen in Hamburg glücklicher als die im Raum Niedersachsen/Nordsee, wozu in dieser Studie auch Bremen zählt. Hat Werder zu diesem positiven Umfrageergebnis beigetragen?

Schaaf:Wenn man Werder als wichtiges Element in seinem Leben ansieht, dann kann das selbstverständlich zu emotionalen Ausschlägen führen – sowohl ins Positive als auch ins Negative.

Ist es ein Glück, Trainer des SV Werder zu sein?

Schaaf:Es ist ein Glück, den Beruf so auszuüben, wie ich das kann. So wird man glücklich – und das bin ich bei Werder.

Fast alle anderen Clubs lassen ihre Trainer nicht glücklich werden und entlassen sie in schöner Regelmäßigkeit. Schaaf:Also, wenn meine Arbeit nicht mehr den Erwartungen entsprochen hätte, dann wäre ich hier sicherlich nicht mehr Trainer. Aber als Verein darf ich auch nicht zu kurzfristig denken, mich nur von Ergebnissen beeinflussen lassen. Ich muss die Arbeit des Trainers grundsätzlicher betrachten. Es geht auch um Kontinuität. Und wenn Sie die Vereine fragen, dann sagen diese immer: Wir hätten gerne so eine Situation wie in Bremen.

Ist es eigentlich schon Ihre versteckte Vertragsverlängerung gewesen, dass Sie bei der gerade entstehenden Neuauflage der Werder-Hymne „Lebenslang Grün-Weiß“ mitsingen?

Schaaf:Nein, das hat mit meinem Vertrag nichts zu tun. Da geht‘s mehr darum, Fans für diese Geschichte zu begeistern, damit sie mitmachen. Da darf der Trainer nicht fehlen.

Aber „Lebenslang Grün-Weiß“ passt schon ganz gut zu Ihnen.

Schaaf:Sicher, ein großer Teil meines Lebens ist Werder Bremen.

Und wird es auch bleiben?

Schaaf: Das wird man sehen.

Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer rechnet fest mit Ihrem Verbleib und einer schnellen Einigung.

Schaaf:Was stimmt, ist dass wir bei unseren Verhandlungen immer schnell auf den Punkt gekommen sind. Ich bin nicht der Typ, der groß um den heißen Brei herumredet. Für mich gibt es einige wichtige Faktoren, die stimmen müssen, alles andere ist Beiwerk.

Welche Faktoren sind das?

Schaaf:Darauf will ich nicht eingehen, sonst heißt es hinterher: Das wollte er, das hat er aber nicht bekommen.

Haben Sie die grundsätzliche Frage, ob Sie weitermachen, für sich schon geklärt?

Schaaf:Nein, weil ich mich damit wirklich noch nicht beschäftigt habe. Wir werden schon einen Rahmen finden, in dem man sich unterhalten wird. Ich werde auch ganz sicher nicht bis Mai, Juni warten, das wäre unfair gegenüber dem Verein.

Nach dem hart erkämpften 1:1 in Nürnberg haben Sie geschwärmt: „Man will wieder Werder Bremen sein“. Was haben Sie damit gemeint?

Schaaf: Werder ist in den letzten zehn Jahren eine echte Marke geworden. Dazu gehört neben vielen Maßnahmen außerhalb des Platzes auch die sportliche Darstellung: Wir wollen einen offensiven, erfolgsorientierten Kombinationsfußball zeigen. Dafür steht Werder Bremen. Aber das konnten wir vergangene Saison nicht realisieren. Wir wollten diesen Weg aber wieder aufnehmen. Und das ist uns gelungen.

Andersherum gefragt: Wer wollte letzte Saison nicht mehr Werder Bremen sein?

Schaaf:Wir wollten alle, aber wir konnten nicht. Uns sind sechs gestandene Spieler ausgefallen, das kann keine Mannschaft in Deutschland kompensieren – außer den Bayern vielleicht.

Welche Rolle spielt der in diesen Tagen von den Spielern so oft gelobte neue Teamgeist?

Schaaf:Man geht schnell bei und nimmt sich ein paar Sachen heraus, um die vergangene Saison zu erklären. Aber so einfach ist das nicht. Auch die Gemeinschaft hängt doch von der Personalsituation und von Ergebnissen ab. Man wünscht sich, dass auf und neben dem Platz immer total heile Welt ist, aber das ist nie so, das ist nirgends so. Trotzdem: Der Teamgeist war nie unser Problem, auch nicht vergangene Saison, die Spieler haben sich alle untereinander wunderbar verstanden.

Welche Rolle spielt der Verzicht auf ein Alphatier wie Torsten Frings, der nun in Kanada kickt?

Schaaf:Negativ ist: Es fehlt uns die Qualität eines Torsten Frings auf dem Platz. Positiv ist: Andere können sich mehr in den Vordergrund bringen. Torsten war nun mal die Frontfigur, da konnte man sich auch mal hinter verstecken. Jetzt sind andere dran – so wie das in der Vergangenheit bei uns immer der Fall war. Das ist eine wunderbare Situation.

Warum haben Sie Clemens Fritz und nicht Claudio Pizarro nach dem Wechsel von Per Mertesacker zum Kapitän gemacht?

Schaaf:Clemens war ja schon Vizekapitän. Er ist einer, der gerne noch mal eine Sekunde nachdenkt, bevor er handelt. Claudio ist dagegen eher der emotionale, spontane Typ, er ist auf seine Weise genauso wichtig für die Mannschaft.

Sie wirken wesentlich offener und lockerer als in der vergangenen Saison. Ist das nur eine Folge des Erfolgs?

Schaaf:Natürlich kann man, wenn es gut läuft, viele Dinge sehr schön erklären. Im umgekehrten Fall ist das schwieriger. Irgendwann wiederholt sich das auch, weil die Gründe dafür gleich bleiben. Man kann es ein zweites, drittes, viertes oder auch fünftes Mal erklären, aber nicht ein sechstes oder siebtes Mal. Deshalb habe ich mich da auch rausgezogen. Außerdem kann ich nicht freudestrahlend herumlaufen, wenn wir nicht den Fußball abliefern, den wir uns vorstellen. Das funktioniert mit mir nicht. Ich mache mir das Leben da auch nicht einfach.

Wo sehen Sie bei Ihrer Mannschaft das größte Potenzial?

Schaaf:Wir müssen das, was wir bislang gezeigt haben, noch sicherer gestalten. Egal, welche Widerstände da sind.

Wo lauert die größte Gefahr?

Schaaf:Man darf sich nicht durch gewisse Ereignisse auf dem Platz von seinem Spiel abbringen lassen. In Nürnberg ist uns das gelungen, da hat sich die Mannschaft bravourös gewehrt.

Haben Sie keine Bedenken, dass die Mannschaft alles schon zu positiv sieht?

Schaaf:Nein! Wir werden nicht abheben. Man muss doch die positiven Dinge mitnehmen, um mit Überzeugung ins nächste Spiel zu gehen.

Wieviel Glück steckt im Fußball?

Schaaf:Das ist ein sehr großer Anteil. Aber ich kann keine Prozentzahl angeben. Sie müssen ab und zu mal an der richtigen Stelle stehen oder den Ball ans richtige Körperteil kriegen. Aber meine Überzeugung ist: Das Glück muss man sich erarbeiten.

Also hat sich Werder Rang zwei erarbeitet?

Schaaf:Das steht für mich zweifelsfrei fest. Die Mannschaft hat die Leistung gebracht, um die für den zweiten Platz notwendigen Ergebnisse zu erzielen. Ob wir da langfristig hingehören, müssen wir noch beweisen.

Kann Werder mit Spitzenreiter FC Bayern mithalten?

Schaaf:Wir können nie mit den Bayern mithalten, wir können uns nur zwischendurch sportlich mit ihnen streiten.

Wird dieses Jahr gestritten?

Schaaf:Das wollen wir – in den Spielen werden wir versuchen, uns erfolgreicher zu streiten als letzte Saison (0:0 und 1:3, Anm. d. Red.).

Ihr Chef Klaus Allofs hat erstmals ein echtes Saisonziel ausgegeben und in der „Bild“-Zeitung von der Europa League gesprochen. Wagen Sie sich auch schon so weit vor?

Schaaf:Es wäre schon eine gute Sache, in den internationalen Wettbewerb zu kommen. Das würde für den Verein vieles leichter machen. Aber wir müssen abwarten, wie die Mannschaft nun reagiert. Nach dem guten Start besteht aber zumindest die Hoffnung, dass es eine gute Saison wird.

An deren Ende die Werder-Fans glücklich sein werden?

Schaaf:Unsere Fans sollen möglichst immer glücklich sein und viele schöne Dinge mit uns erleben. · kni/mr

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