Der Hype in Dortmund um den Ballspielverein Borussia 09 beeindruckt Mannschaft und Trainer weitaus mehr als die Spitzen aus dem Süden der Republik

Glänzende Aussichten für den einstigen Koma-Patienten

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Das TV-Publikum liebt ihn für seine Emotionen, in Dortmund wird er vergöttert: Jürgen Klopp. „Das wird mir langsam zu viel“, sagt der BVB-Trainer. ·

DORTMUND · Als Jürgen Klopp jüngst für einen Werbedreh des neuen BVB-Auto-Sponsors in einer Dortmunder Straße ein paar Runden drehte, musste der betroffene Bereich auch wegen der Schaulustigen komplett abgesperrt werden.

Der Hype um Borussia Dortmunds Trainer und seine wilde Double-Sieger-Elf, die in den vergangenen zwei Jahren eine ganze Stadt mit berauschendem Fußball in Ekstase versetzt hat, erreicht so große Höhen, dass der 45-jährige Klopp kürzlich stöhnte: „Das wird mir langsam zu viel.“

Wenn der BVB morgen die 50. Bundesliga-Saison mit dem Spiel gegen Werder Bremen eröffnet, werden sie wieder im Blickpunkt stehen. Die spannende Frage vor dem Start lautet: Wie gut hat sich die Liga nach zweijährigem Staunen auf die Dortmunder Spielweise eingestellt? Und schaffen es die mittlerweile gereiften Himmelsstürmer ein weiteres Mal, dem natürlichen Branchenprimus Bayern München Paroli zu bieten?

Die Konkurrenz ist davon überzeugt, was man beim BVB mit der bekannten Gelassenheit registriert hat. Es war eine Stärke des Clubs, verbale Sticheleien aus dem Süden unkommentiert hinzunehmen. Es war eine Stärke der Elf, davon unbeeindruckt den eigenen Stiefel herunterzuspielen.

Der BVB hat sein Spiel im vergangenen Jahr weiterentwickelt. In Nuancen nur, aber die Elf, die vor gut 15 Monaten völlig überraschend die Schale in die Höhe recken durfte, ist gereift. Dortmund spielte seltener Hurra-Fußball – fand aber die richtige Balance zwischen Attacke und Geduld.

17,1 Millionen Euro hat der BVB im Januar in die Hand genommen, als er mit Marco Reus einen verlorenen Sohn nach Dortmund zurückholte. Eine Wahnsinnssumme. Aber gezögert, erklärten die Verantwortlichen später mit einigem Stolz, habe man keinen Moment, als sich die Chance bot. Reus ist der einzige Neuzugang des BVB, der gegen Bremen den Sprung in die Dortmunder Startelf schaffen wird, er soll dem Spiel offensiv noch mehr Impulse verleihen. Seine Hauptaufgabe wird sein, den nach England gewechselten Shinji Kagawa zu ersetzen.

Ansonsten hat sich gar nicht so viel verändert beim Meister und Pokalsieger, der in der Liga seit 28 (!) Spielen nicht mehr bezwungen worden ist. Dortmund definiert sich weiter über das große Thema „Gegenpressing“ und den defensiven Ansatz, dem sich auch Stoßstürmer Robert Lewandowski als vorderste Spitze nicht verschließen darf. Der Moment, in dem man den Ball auf dem Weg nach vorne verloren hat, sei doch „der ideale Zeitpunkt, um ihn gleich wieder zurückzuerobern“, findet Klopp.

Bis zum Erbrechen hat der Coach das auch in dieser Vorbereitung einstudieren lassen, die meisten seiner willigen Schüler haben es ohnehin längst verinnerlicht – der BVB verfügt mittlerweile über einen großen Kern von Stammspielern, die schon mehrere Jahre mit Klopp zusammenarbeiten.

Die meisten werden das auch noch eine Weile tun. Sportdirektor Michael Zorc, der am Samstag 50 Jahre alt wird, kann langfristige Verträge mit den Stützen Götze, Hummels, Piszczek, Bender und Reus vorzeigen, bis 2016 hat auch Klopp im Januar verlängert.

Auf der Bilanzpressekonferenz wird die Borussia Dortmund GmbH & Co. KG heute dazu einen Rekordumsatz von mehr als 200 Millionen Euro verkünden – die Schuldenlast ist auf deutlich unter 50 Millionen Euro geschrumpft. Glänzende Aussichten für den einstigen Koma-Patienten BVB, der 2005 nur Millimeter vor der Insolvenz stand.

Alles scheint also bereit für den erneuten Angriff auf die Bundesliga-Spitze, auch wenn die Vereinsführung „nur“ die erneute Qualifikation für die Champions League als Ziel ausgegeben hat. · dk

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