Der Derby-Held dankt Dutt fürs Vertrauen

Gier, Galligkeit – und Petersens Glückseligkeit

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Das Gesicht spricht Bände: Nils Petersens erstes Tor nahm ihm eine Riesen-Last ab.

Bremen - Im Nachhinein ist ja vieles leicht gesagt – aber Robin Dutt hatte es geahnt: Schon viele Stunden vor dem so wichtigen Nordderby beim Hamburger SV „war diese gewisse Atmosphäre spürbar, dieses Funkeln in den Augen“, berichtete der Trainer des SV Werder Bremen über seine Beobachtungen im Mannschaftshotel.

Ganz sicher sei er sich jedoch nicht gewesen, „ob wir diese Mentalität auch mit dem Anpfiff auf den Platz bringen können“. Doch nach der überzeugenden Kollektivleistung, die den Bremern den 2:0 (1:0)-Triumph über den HSV brachte, wusste Dutt: Sie können es. „Gier und Galligkeit“, wie er es formulierte, gaben in diesem Duell den Ausschlag.

Diese Quintessenzen zum Erfolg vermisste der 48-Jährige zuletzt gegen Frankfurt und in Mönchengladbach. Im Training unter der Woche „war die Spritzigkeit von jedem Einzelnen da“, nun zeigte sie sich endlich wieder mal über 90 Minuten. „Wir waren in der Pflicht und haben die richtige Antwort gegeben“, strahlte Werder-Kapitän Clemens Fritz: „Wir müssen uns eben mehr zutrauen.“

„Weiter so“ lautet also Werders Devise. „Wenn wir immer so kompakt spielen, wird es schwer, gegen uns ein Tor zu schießen“, mutmaßte Luca Caldirola stolz. Das Debüt des starken Linksverteidigers Santiago Garcia ermöglichte es ihm, auf seine Lieblingsposition in die Mitte zurückzukehren. Das wirkte sich positiv durch mehr Ruhe im Defensivzentrum aus – trotz der überraschenden Nichtnominierung von Sebastian Prödl, für den Assani Lukimya nachrückte. Das sieht nach einer Abmahnung für den letzten Auftritt des Österreichers aus, doch Dutt will das so nicht stehen lassen: „Basti bleibt mein Abwehrchef. Aber ich wollte einen Linksfuß und einen Rechtsfuß in der Innenverteidigung haben. Es war eine knappe Entscheidung.“

Am Ende gab ihm der Erfolg Recht. „Wir haben die Räume gut besetzt und waren nach Ballverlusten gleich im Gegenpressing“, fasste der Werder-Trainer die ersten 45 Minuten zusammen, die Nils Petersen sogar als „meine beste Halbzeit seit langem“ bezeichnete – und die er in Minute 32 mit seinem ersten Tor seit sieben Monaten veredelte. „Es ist natürlich nie schön, wenn ein Stürmer nicht trifft – und Werder hat schließlich viel Geld für mich bezahlt“, umschrieb der 24-Jährige seine Leidenszeit: „Immer wieder musst du deiner Familie, Freunden und dir selbst erklären, warum du nicht getroffen hast.“

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Nun muss er allen erklären, warum er gleich doppelt getroffen hat – doch Kollege Aaron Hunt urteilte grinsend nach Petersens Lupfer kurz vor Schluss über den zurücklaufenden HSV-Torwart René Adler: „Wie Nils das gemacht hat, weiß er selbst nicht…“

Dafür wusste der Matchwinner, wem er seinen Doppelpack widmen musste: Trainer Dutt. Denn „es ist nicht selbstverständlich, dass man beim nächsten Mal wieder dabei sein darf, obwohl man kein Tor schießt“, dankte Petersen fürs Vertrauen. Gleichzeitig entschuldigte er sich dafür, dass er ihn in Hamburgs Drangphase nach der Pause unnötig lange auf die Folter gespannt und frei vor Adler die Entscheidung vergeben hatte (73.): „Mein einziger Kritikpunkt ist, dass wir die eine oder andere Konterchance nicht nutzen – das hätte dem Trainer ein paar ruhigere Minuten beschert“, fasste Dutt die Phase zusammen, „in der wir uns zu weit zurückdrängen lassen haben“, wie auch Hunt einräumte. Doch es reichte zum dritten Saisonsieg – erstens, weil der konfuse HSV zu harmlos blieb, zweitens, weil die Bremer auf allen Positionen die Ordnung behielten. „Jetzt haben wir eine ruhigere Woche vor uns“, hofft Hunt: „Das hat sich die Mannschaft verdient.“ · ck

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