Gewinner und Verlierer bei Werder

Super „Skripniker“ und starke Ösis

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Sebastian Prödl und Co. hatten unter Viktor Skripnik jede Menge jubeln.

Bremen - Erst pfui, dann hui – es war die Saison mit den zwei Gesichtern. Weil Werder unter Viktor Skripnik – dem Nachfolger des entlassenen Robin Dutt – die Kurve bekam, den Klassenerhalt schaffte und am Ende sogar von der Europa League träumen durfte, gibt es auch wesentlich mehr Bremer Gewinner als Verlierer. Hier die Einschätzung unserer Sportredaktion:

Gewinner

Viktor Skripnik und Co.: Die Retter! Viktor Skripnik und sein Trainerteam (Torsten Frings, Florian Kohfeldt und Christian Vander) haben Werder-Geschichte geschrieben. Und das mit ganz viel Mut. Anstatt den Klassenerhalt nach nur vier Punkten aus neun Partien zu ermauern, ließen die „Skripniker“ endlich wieder Fußball spielen. Allein das war schon eine große Erleichterung nach dem unansehnliche Gekicke am Ende der Ära Dutt. Das spielerische Niveau konnte Werder zwar nicht halten, aber der frühe Klassenerhalt, 43 Punkte und Platz zehn sind trotzdem stark.

Zlatko Junuzovic: Der Herr der ruhenden Bälle! Fünf Freistöße verwandelte der Österreicher direkt, dazu kommen noch ein weiterer Treffer und 15 Assists (vorwiegend durch Standards). „Mit 21 Torbeteiligungen bin ich sehr zufrieden, aber das zu bestätigen, ist ein echter Brocken“, sagt der 27-Jährige.

Clemens Fritz: Zu alt, zu langsam, zu schlecht für die Bundesliga? Wer das mal behauptet hat, sollte sich nach dieser Saison dringend beim 34-Jährigen entschuldigen. Fritz war ein perfekter Kapitän – auch ohne Tor! „Auf ihn kann ich mich mit geschlossenen Augen verlassen“, sagt Skripnik.

Theodor Gebre Selassie: Verpasste unter Skripnik ganze zwei (!) Minuten. Der Tscheche (drei Tore/ein Assist) hat sich enorm verbessert und gehört inzwischen zu den besten rechten Verteidigern der Liga.

Fin Bartels: Aus dem schüchternen Zweitliga-Kicker vom FC St. Pauli wurde schnell ein frecher Leistungsträger in der Bundesliga. Das hatte dem 28-Jährigen (vier Tore/fünf Assists) kaum jemand zugetraut.

Davie Selke: 30 Spiele, neun Tore, vier Vorlagen und acht Millionen Euro Ablöse von Leipzig – eigentlich unglaubliche Zahlen für die erste echte Bundesliga-Saison eines erst 20-Jährigen. Eigentlich ein Witz, dass der Mittelstürmer künftig in der zweiten Liga spielt.

Franco Di Santo: Mit 13 Toren in 26 Spielen schoss der Argentinier Werder zum Klassenerhalt, aber leider nicht in die Europa Leage. Denn der 26-Jährige bekam Ladehemmungen, als Werder gerettet war. Wahrscheinlich lag es an seiner ungewissen Zukunft.

Sebastian Prödl: Gefühlt ist der Österreicher kein Gewinner. Doch der beste Notendurchschnitt eines Feldspielers (2,92) sagt etwas anderes. Auch seine ganz persönliche Verabschiedung von den Fans macht den 27-jährigen Innenverteidiger zu etwas Besonderem. Prödl könnte Werder noch richtig fehlen.

Thomas Eichin: Der Krisenmanager erntet endlich die Früchte seiner Arbeit – und die seiner Mitarbeiter wie Rouven Schröder. Gute Sommertransfers (Bartels und Galvez), ein gerade noch rechtzeitiger Trainerwechsel und kluge Änderungen im Winter (Obraniak, Petersen und Elia ausgeliehen, dafür Vestergaard und Casteels geholt).

Jannik Vestergaard und Koen Casteels: Der Doppelpack aus Hoffenheim machte Werder seit Winter hinten stabiler. Ärgerlich, dass Keeper Casteels nun nach Wolfsburg muss.

Verlierer

Robin Dutt: Vier Punkte nach neun Spielen und übler Fußball – der Trainer war am 25. Oktober bei Werder am Ende. Der absolute Fußball-Fachmann hatte die Mannschaft überfordert.

Raphael Wolf: Es war einmal eine Nummer eins. Wolf hatte Sebastian Mielitz in der Vorsaison als Stammtorwart abgelöst, nun erwischte es ihn selbst: Zurecht! Der 26-Jährige patzte zu oft und strahlte keine Sicherheit mehr aus. „Die Bundesliga ist kein Kindergeburtstag, sondern eine Leistungsgesellschaft“, sagt Eichin. Wolf geht – wenn überhaupt – ziemlich angeschlagen in den Zweikampf mit Rückkehrer Felix Wiedwald.

Luca Caldirola: Was für ein Absturz! Nach 33 Bundesliga-Einsätzen in der Vorsaison durfte der Italiener in dieser Spielzeit nur sieben Mal verteidigen – in der Rückrunde sogar überhaupt nicht mehr. „Ich erwarte 100 Prozent Körpersprache, dass man sich beweisen will und nicht nur mitmacht. Wir haben es auch mal links versucht, das war ein Rückfall für ihn“, sagt Skripnik und fällt damit ein klares Urteil: Der 24-Jährige soll Werder verlassen.

Cedrick Makiadi: Ohne Fürsprecher Dutt kaum noch im Einsatz. Unter Skripnik stand der 31-Jährige nur einmal in der Startelf.

Santiago Garcia: Alle fragen sich: Wo hat der Linksverteidiger bloß seine Power aus dem Vorjahr gelassen? Die Antwort: Den 26-jährigen Argentinier plagen schon lange Patellasehnen-Probleme. „Er hat nur mit 80 Prozent gespielt“, erklärt Eichin.

Eljero Elia: Werder schickte ihn nach einer schlimmen Hinrunde weg – und jeder wunderte sich, dass der Holländer in der Premier League beim FC Southampton durchstartete. Doch der 28-Jährige blieb sich treu – und baute immer mehr ab.

Ludovic Obraniak: Das Missverständnis! Der 30-Jährige wollte schon im Sommer weg, doch er fand keinen Club – und bei Werder danach kaum noch statt. Rizespor lieh ihn im Januar für den Kampf gegen den Abstieg aus, blieb in der türkischen Süper Lig und will ihn nun verpflichten.

Sonderfall

Nils Petersen: Bei Werder ein Flop (sieben Spiele/kein Tor), beim SC Freiburg dann top (zwölf Spiele/neun Tore). Der Leihspieler kehrt nach Freiburgs Abstieg vor-erst zurück. n kni/mr

Werders Saison in Bildern

Die Zeugnisse der Werder-Profis

Spieler Einsätze Notenschnitt
(benotet)
Torhüter
Raphael Wolf 27 3,43
Koen Casteels 6 2,91
Abwehr
Jannik Vestergaard 14 3,39
Sebastian Prödl 19 2,92
Assani Lukimya 20 3,57
Alejandro Galvez 18 3,44
Santiago Garcia 21 3,76
Janek Sternberg 12 4,41
Luca Caldirola 6 4,75
Theo Gebre Selassie 25 3,54
Marnon Busch 6 3,75
Mittelfeld
Zlatko Junuzovic 32 3,31
Clemens Fritz 26 3,42
Fin Bartels 28 3,64
Philipp Bargfrede 15 3,60
Felix Kroos 17 3,91
Levent Aycicek 7 3,85
Izet Hajrovic 9 4,50
Levin Öztunali 11 3,54
Eljero Elia 8 4,60
Cedrick Makiadi 9 4,33
Angriff
Franco Di Santo 26 3,44
Davie Selke 25 3,76

Nicht auf mindestens fünf benotete Bundesliga-Spiele und deshalb nicht in die Wertung kamen: Richard Strebinger, Michael Zetterer, Raif Husic, Nils Petersen, Melvyn Lorenzen, Özkan Yildirim, Maximilian Eggestein, Lukas Fröde, Julian von Haacke, Oliver Hüsing, Ludovic Obraniak.

Die Werder Fieberkurve ansehen

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