Werders Gewinner und Verlierer der Vorbereitung

Durchgestartet oder durchgefallen

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Überzeugt mit Toren und als Typ: Anthony Ujah, ein eindeutiger Gewinner der Vorbereitung.

Bremen - Fünf Wochen Vorbereitung liegen hinter den Profis von Werder Bremen. Elf Testspiele haben keine Niederlage gebracht, aber trotzdem nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer. Wer es gut gemacht hat und wer nicht, zeigt ein Überblick.

Maximilian Eggestein

Maximilian Eggestein

Der Jüngste im Kader hat alle überrascht und sich auf der Zehnerposition festgespielt. 18 Jahre ist er erst alt, auf dem Platz wirkt er reifer. Zwar kein Sprinter, aber dafür ein Instinktfußballer. Gute Ideen, gute Übersicht, gute Antizipation. Dazu eine erstaunliche Sicherheit in der Ballbehandlung und im Passspiel. Verantwortliche und Mitspieler sind total angetan. „Er bewegt sich in die Räume, ist immer anspielbar, macht das überragend“, findet Co-Trainer Torsten Frings. Kapitän Clemens Fritz bescheinigt Eggestein, der gegen West Ham (weil Zlatko Junuzovic fehlte) fast alle Ecken schießen durfte, „eine unglaubliche Spielintelligenz. Er kann ein Spiel lesen und weiß, wann man es schnell machen oder beruhigen muss.“ Und Sportdirektor Rouven Schröder urteilt: „Er hat den Schritt vom Junioren- in den Seniorenbereich gemacht, ist angekommen und deutlich robuster geworden.“

Sportchef Thomas Eichin („ein hochintelligenter Bursche“) und Trainer Viktor Skripnik („Er hat sich stabilisiert“) sehen auch die enormen Fortschritte. Sie bremsen aber die Erwartungen. Eichin ist „weit entfernt von irgendwelchen Vorschusslorbeeren“ – und Skripnik gibt zu bedenken, dass Test- eben keine Pflichtspiele sind und sich das Regisseur-Talent erst mal dauerhaft auf hohem Niveau und in vollen Stadien beweisen muss.

Eggestein wirkt da – zumindest äußerlich – ganz gelassen. Er habe von Kindesbeinen an davon geträumt, vor großen Kulissen zu spielen. Er mag sich selbst nicht „zu früh zu viel Druck machen“ und will „nicht völlig verrückt werden im Kopf.“ Sein Ziel: Athletischer werden, sich weiterentwickeln und Einsätze sammeln: „Ich würde mich freuen, wenn es so weitergeht – und ich viele Spiele machen kann.“ Im Moment, sagt er, „lebe ich meinen Traum“.

Anthony Ujah

Die Testspiel-Ausbeute ist stark. Acht Mal hat der 24-jährige Nigerianer in der Vorbereitung getroffen – und dabei gezeigt, worauf sich Werder in der Saison freuen kann: Der Neuzugang aus Köln ist extrem sicher und präzise im Abschluss. Zuletzt zu bestaunen bei seinem Doppelpack in London gegen West Ham (2:1). Ujah läuft auch noch sehr viel und kann kombinieren. Und er taugt mit seiner lockeren Art zum Publikumsliebling. „Ein toller Typ, der super hierher passt“, schwärmt Eichin, der Ujah per Klausel für 4,5 Millionen Euro verpflichtet hatte. Skripnik findet die neue Nummer eins im Sturm einfach „grandios“ und hofft, „dass wir uns regelmäßig an ihm erfreuen können.“

Dass es gleich läuft wie geschmiert, hat Ujah selbst „ein bisschen überrascht“. Es habe viel mit dem Wohlfühlfaktor zu tun, meint er: „Jeder hat mir geholfen und mir das Gefühl gegeben, dass hier mein Zuhause ist. Ich bin schnell akzeptiert worden, Trainer und Mitspieler vertrauen mir. Das ist das Wichtigste.“

Seine bisherige Trefferbilanz mag der Nationalspieler indes nicht überbewerten. Er habe, sagt Ujah, „doch eigentlich noch gar kein Tor gemacht“. Nicht in Pflichtspielen, meint er damit – und ergänzt: „Ich will auch im Pokal und der Bundesliga helfen.“

Ulisses Garcia

Am Anfang wusste keiner so genau, wo er denn nun besser aufgehoben ist – bei den Profis oder doch erst mal in der U23? Nun ist klar: Der 19-Jährige gehört fest zum Bundesliga-Team. „,Uli‘ kann voll mithalten“, findet Keeper Felix Wiedwald, „am Anfang hat taktisch ein bisschen was gefehlt, das hat er aber schnell aufgeholt.“

Ulisses Garcia

Und seinen direkten Konkurrenten Janek Sternberg überholt. Ulisses Garcia, zwar mitunter noch mit einigen Stellungsfehlern und einem verbesserungswürdigen rechten Fuß, ist aktuell gesetzt als Linksverteidiger – zumal sein Namensvetter Santiago verletzungsbedingt die komplette Vorbereitung verpasst hat. „Ulisses macht das bisher sehr gut“, sagt Eichin. Schröder beeindruckt vor allem der Ehrgeiz des Schweizer U-Nationalspielers, dessen Eltern von den Kapverden stammen und der in Portugal geboren ist: „Er will unbedingt seinen Weg gehen.“

Genau diesen Eindruck vermittelt Garcia. In der Sommerpause arbeitete der Neue von Grasshopper Zürich mit einem Personaltrainer, um auf die höheren Anforderungen in Deutschland vorbereitet zu sein. Körperlich wirkt er nach der harten Vorbereitung fit – wie es spielerisch läuft, lässt sich erst nach dem Saisonstart seriös beurteilen. Bereit fühlt er sich auf jeden Fall: „Mein Ziel war immer die Bundesliga. Momentan bin ich sehr zufrieden, klar.“

Auch die Integration läuft gut. Ersatzkeeper Michael Zetterer, mittlerweile Garcias Nachbar in Schwachhausen, half bei der Wohnungssuche. Seine Mutter, seine Schwester und seine vier Cousins waren bereits zu Besuch. „Insgesamt“, sagt Garcia mit einem Lächeln, „bin ich hier super aufgenommen worden. Und die Stadt gefällt mir sehr.“

Felix Wiedwald

Mit ihm, hofft Werder, wird die Gegentor-Flut der vergangenen Jahre endlich gestoppt. Und der Rückkehrer aus Frankfurt wähnt sein Team dabei auf einem guten Weg: „In den Testspielen standen wir sicher, wir haben uns gefangen.“

Das gilt ebenso für den 25-Jährigen. Zu Beginn der Vorbereitung noch geschwächt durch einen Infekt, hat er „gewisse Defizite“ inzwischen aufgearbeitet. Vor allem in Eins-gegen-Eins-Situationen ist Wiedwald richtig stark. Und die Mitspieler loben seine kommunikative, lautstarke Art auf dem Platz. Er ist die klare Nummer eins – auch, weil der Konkurrenzkampf mit dem immer noch nicht fitten Raphael Wolf (nach Hüft-OP) ausgefallen ist.

Alejandro Galvez

Der Spanier erlebt einen Sommer zum Vergessen. Galvez, der wegen mehrerer Blessuren in der vergangenen Rückrunde nur fünf Spiele bestritt, soll beim Vorbereitungsstart schlechte Laktatwerte abgeliefert haben. Assani Lukimya wirkte frischer und empfahl sich als Abwehrpartner von Jannik Vestergaard in der Innenverteidigung. Das Duo durfte die hochkarätigen Testspiele Seite an Seite bestreiten, während Galvez meistens in der B-Formation auftauchte. Und dann warfen den 26-Jährigen, der mit Vestergaard eigentlich als Top-Lösung in der Defensivzentrale galt, auch noch muskuläre Probleme zurück. Ob er am Samstag im Pokal bei den Würzburger Kickers im Kader sein kann, ist offen.

Izet Hajrovic

Der Bosnier (24) wollte in seinem zweiten Bremer Jahr richtig angreifen und tat einiges dafür. Er postete Bilder aus seinem Urlaub, wie er sich mit Treppenläufen fitmachte. Viel gebracht hat das allerdings nicht, denn fußballerisch konnte er sich noch immer nicht aufdrängen. Als nach dem Abschied von Franco Di Santo ein Übergangsstürmer aus den eigenen Reihen gesucht wurde, fiel die Wahl auf Fin Bartels. Und bei der Besetzung der halbrechten Mittelfeldposition für Würzburg hat Florian Grillitsch bessere Karten. Inzwischen ist nicht mehr ausgeschlossen, dass Hajrovic Werder trotz Vertrags bis 2018 noch verlässt. Sein Berater war schon zu Sondierungsgesprächen in Bremen.

Janek Sternberg

Janek Sternberg (22) schien als Linksverteidiger leichtes Spiel zu haben. Konkurrent Santiago Garcia verletzt, Neuzugang Ulisses Garcia ein unerfahrener 19-Jähriger. Doch er nutzte die Gunst der Stunde nicht, verlor das Duell gegen „Uli“ ziemlich klar. Und wenn Santiago Garcia zurückkehrt, könnte es ganz eng werden für Sternberg.

Levent Aycicek

Auch Levent Aycicek (21) startete mit hohen Zielen. Er wünschte sich die „10“ – und bekam sie. Das Werder-Spiel durfte er in den Tests aber nur selten machen. Der gebürtige Nienburger wartet weiter auf seinen Durchbruch und muss sich darauf einstellen, erst mal (wie zuletzt) nur in der Bremer U23 aufzulaufen.

mr

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