Gelb-Sünder fühlt sich falsch verstanden

Junuzovic: Verbaler Eiertanz nach der Ehrlichkeit

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Zlatko Junuzovic trifft der Vorwurf der Unsportlichkeit: „Das geht mir sehr nahe.“

Bremen - Dass er Mist gebaut hat, ist unbestritten. Doch ob jetzt die provozierte Gelbe Karte oder das anschließende Geständnis der größere Unsinn waren, lässt sich leidenschaftlich diskutieren.

Zlatko Junuzovic möchte aber klarstellen, dass er kein Betrüger ist. „Ich wollte niemandem schaden. Es tut mir leid, wenn es als unsportlich angesehen wird, was passiert ist“, sagt der Werder-Profi, der sich wegen seiner gegen Hannover 96 kassierten Verwarnung auf dem besten Weg in die Bundesliga-Geschichtsbücher befindet.

Vermutlich muss über den Österreicher irgendwann mal gesagt werden, dass an ihm ein Exempel statuiert und er zum Präzedenzfall wurde. Als der Spieler, der als erster wegen einer provozierten Gelben Karte eine Sperre in der Bundesliga kassierte – 25 Jahre nach dem Fall Frank Ordenewitz im DFB-Pokal. Bis heute Nachmittag erwartet der Deutsche Fußball-Bund eine Stellungnahme von Junuzovic, wie es zur Verwarnung gegen Hannover kam. Auch Clemens Fritz muss sich schriftlich äußern. Er hatte ebenfalls Gelb gesehen und sich damit wie Junuzovic eine (willkommene?) Sperre für die Partie bei Bayern München am Samstag (18.30 Uhr) eingehandelt.

Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt deshalb, will wissen, wer was wieso gemacht hat. „Es ist für beide das gleiche Ermittlungsverfahren. Wir werden darin sauber unsere Pflichten erfüllen“, erklärt Geschäftsführer Thomas Eichin. Im schlimmsten Fall werden beide Spieler mit einer zusätzlichen Sperre belegt und würden dann nicht nur gegen die Bayern, sondern auch gegen Mainz 05 eine Woche später fehlen.

Werder hofft aber auf Milde, bestenfalls auf Gnade. Clemens Fritz hat, weil er eine Absicht geleugnet hat, gute Chancen, ungeschoren aus der Sache herauszukommen. Junuzovic eher nicht. Ihm steht das in Mediengesprächen gemachte Geständnis („Es ist im Vorfeld darüber gesprochen worden, dass ich das eventuell machen soll. Das gebe ich zu“) im Weg. Er, der sich mit seiner Ehrlichkeit nicht nur einen Anschiss von Trainer Viktor Skripnik und besagtes Ermittlungsverfahren eingehandelt hat, sondern auch viele Sympathiepunkte bei Außenstehenden, fühlt sich jedoch plötzlich falsch verstanden und führt einen verbalen Eiertanz auf, um sich noch aus dem Schlamassel herauszureden.

Nie habe er sich mit irgendwem über die Gelbe Karte abgestimmt, beteuerte er gestern im Gespräch mit dieser Zeitung: „Abgestimmt ist ein etwas zu starkes Wort dafür. Wir haben unter Kollegen nur darüber gesprochen, dass gegen solche Gegner (gemeint sind Spitzenteams wie der FC Bayern, d. Red.) eine Sperre leichter zu verkraften ist, als gegen direkte Konkurrenten.“ Aber das sei schon vor zwei Wochen gewesen, und als er sich letztlich die Gelbe Karte einhandelte, habe das nichts mit dem Spiel in München zu tun gehabt: „Ich wollte das Spiel nicht abschenken, das kommt überhaupt nicht infrage. Ich wollte einfach frei in die nächsten Partien gehen. Die vier Gelben Karten hatte ich schon eine Weile, das ist auch eine Last.“ Schön und gut. Das Motiv, sich die Sperre abzuholen, mag damit abgeschwächt sein, an der Absicht ändert sich aber nichts.

Und damit auch nichts am Vorwurf der Unsportlichkeit? Zlatko Junuzovic sagt, es gehe ihm „sehr nahe“, als unsportlich gesehen zu werden: „Es tut mir auch weh. Den Schaden habe ich nur selbst.“

Zum Thema äußerte er sich auch auf der Vereinshomepage „werder.de“. Es ist ein von der Pressestelle geführtes Interview mit ebenfalls hohem Eiertanzfaktor. Darin sagt Junuzovic, dass „weder die Trainer, irgendein Betreuer noch Thomas Eichin irgendwie eingeweiht“ gewesen waren. Eingeweiht in was, wenn es doch angeblich gar keinen Plan gab?

Letztlich sei alles doch so gewesen: Er selbst habe in der „Euphorie nach dem Spiel“ eine „dumme Aussage“ gemacht. Ihm hätten „die richtigen Worte“ gefehlt. Und wenn ihm jetzt das, was er im Überschwang der Gefühle gesagt hat, „juristisch auf die Goldwaage gelegt wird, werde ich künftig keine Interviews direkt nach dem Spiel geben und die Emotionen erstmal verziehen lassen.“

Diese Drohung zeigt, welche Lehre Junuzovic und sein Arbeitgeber aus dem Vorfall ziehen: Es ist besser, die Klappe zu halten, statt ehrlich zu sein.

csa

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