Ein Gesicht aus Schweiß und Blut

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Aleksandar Ignjovski schleppt im Training Medizinbälle – genau beobachtet von Fitnesscoach Reinhard Schnittker. ·

Bremen - Es war so ein herrlich sonniger Vormittag gestern am Trainingsgelände des Bremer Weserstadions, und es wäre ein Leichtes gewesen, das entspannte Glücksgefühl des Derbysieges in dieser Frühlingsatmosphäre noch ein wenig weiter auszukosten.

Aber Reinhard Schnittker kannte keine Gnade – schlimmer noch, Werders Athletiktrainer hatte sogar die fiesen Medizinbälle dabei. Statt wohliger Wellness stand volle Power und Quälerei auf dem Tagesplan der Werder-Profis. Und das aus gutem Grund.

Denn die Art, wie die Bremer gegen die Erzrivalen des Hamburger SV aufgetreten waren, hatte noch einmal deutlich belegt, was von ihnen für die verbleibenden elf Spieltage zu erwarten ist: der pure Kampfeswille. Nicht weniger, aber wohl auch nicht mehr. Zumindest nicht in spielerischer Hinsicht. „Das ist das Gesicht dieser Mannschaft“, erklärte Trainer Robin Dutt, „dass sie für den Kampf steht und für die Situation steht, die wir in dieser Saison durchmachen.“ Die Situation heißt: abrackern, um den Abstieg zu verhindern. Der Werder-Coach hat sich bisher schwer getan, der Mannschaft seine eigene Handschrift zu geben. Doch zumindest ist es ihm offenbar gelungen, eine Mentalität aus Leidenschaft, Engagement und Kampfgeist im Kader zu etablieren. Nur einen Ausrutscher hatte es im Gastspiel gegen Augsburg gegeben, doch Dutt sieht ihn inzwischen positiv: „Vielleicht hat der Auftritt dazu beigetragen, dass die Grundmentalität nun von gut zu sehr gut geworden ist.“

Die Einstellung der Mannschaft stimmt also, sie kämpft, und besonders dann, wenn ihr das Wasser bis zum Hals steht. So wie vor dem Derby. Sie wehrt sich – und das mit Händen und Füßen, aber das geht dann laut Dutt eben nicht „mit Glanz und Gloria“. Ein wenig scheint es, als wolle der Trainer den eigenen Anhang schon mal vorsichtig darauf vorbereiten, dass er den schönen Fußball, der über Jahre und Jahrzehnte hinweg im Weserstadion zelebriert wurde, auf absehbare Zeit nicht mehr zu sehen bekommt. Denn das Gesicht der Mannschaft wird längerfristig aus Schweiß und Blut bestehen, nicht aus schönen Sperenzchen. Doch mit dieser Art rangieren die Bremer zumindest momentan tabellarisch im anvisierten Bereich. „Wir bewegen uns jetzt um Rang zwölf herum“, sagte Dutt, „und das war vor der Saison auch das, was wir realistisch erwartet haben.“

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Punktgleich mit Hannover und Frankfurt ist man 13., doch die Nürnberger sitzen Werder direkt im Nacken. Mit einem Sieg am Samstag würde der Club an ihnen vorbeiziehen, Dutt weiß, wie schwer diese Herausforderung wird. Und umso härter nimmt er seine Profis in diesen Tagen ran. Kraft aufbauen für das Kampfspiel heißt die Devise. „Wir müssen die gleiche Leidenschaft und Mentalität wie gegen Hamburg in Nürnberg zeigen“, forderte der Trainer. Mit diesem Werder-Gesicht müssen sich alle erst einmal zufrieden geben. · phi

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