So gesehen wird‘s gut

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Volle Konzentration: Aaron Hunt folgt den kleinen roten Lichtern auf dem Reaktionsboard.

Bremen - Von Björn Knips. Okay, das Tor ist klein, der Ball aus Schaum-stoff – und drumherum stehen neugierige Journalisten. Aber muss Aaron Hunt deshalb so weit am Ziel vorbeischießen? Ja, er muss!

Denn mit dieser ganz speziellen Brille auf seiner Nase fühlt sich der Profi des SV Werder Bremen wie der schiefe Turm von Pisa. Und das soll er auch, denn diese Übung gehört zum neuen Visualtraining des Bundesligisten. Das Ziel: Werder Bremen will auf dem Platz künftig besser (aus-)sehen und hat dafür die Bremer Augenoptikermeisterin Alexandra Römer als spezielle Trainerin engagiert.

Werder beim Visualtraining

Werder beim Visualtraining

„Das sind hier keine blinden Hühner“, stellt Römer gleich klar: „Die Profis können alle super sehen.“ Aber sie könnten es noch besser, wenn sie ihre Augen trainieren. „Wenn ich mein Umfeld auf dem Platz besser, schneller und mehr wahrnehmen kann, habe ich einen Vorteil, dann gewinne ich Zeit“, sagt Thomas Schaaf. Der Werder-Coach beschäftigt sich seit zwei Jahren mit diesem Thema und dem Team von Angelika Römer. Nach Tests an ausgewählten Spielern wird das Programm nun allen Profis zur Verfügung gestellt. „Es gibt nicht mehr viele Bereiche im Fußball, in denen man noch etwas bewegen kann“, glaubt Schaaf: „Wir wollen unsere Spieler auf das höchste Niveau bringen und alles herauskitzeln.“

So einfach, wie das klingt, ist es allerdings nicht. Die Spieler hätten nicht sofort „Hurra“ geschrien, verrät Schaaf. Das Problem: Zunächst muss jeder einen Test absolvieren, um zum Beispiel die Wahrnehmungsfähigkeit festzustellen. Aber gerade im Mannschaftssport wird das gerne als Wettbewerb verstanden. Doch bei Werder muss nun niemand um seinen Stammplatz fürchten, weil vielleicht seine 3-D-Fähigkeit weniger gut ausgeprägt ist als beim Teamkollegen. Es sei nur ein Angebot, so Schaaf – und wie im richtigen Leben sei der eine Spieler dafür offener als der andere.

Andreas Wolf zählt zur offenen Gruppe. „Das Auge ist das Wichtigste im Sport“, sagt der Neuzugang und schwärmt: „Das ist eine richtig gute Sache, man kann die Augen wirklich schulen.“ Der Mann weiß, wovon er spricht: „Wir haben schon vor einem Jahr so etwas Ähnliches in Nürnberg gemacht. Was das bringt, hat man ja gesehen.“ Wolf lacht. Natürlich war Platz sechs mit den Franken ein absoluter Hingucker, aber das Zustandekommen ist Ansichtssache. „So etwas hilft nicht von heute auf morgen. Das ist ein Prozess, der sich aber auf jeden Fall lohnt“, versichert der 29-Jährige.

Das Basistraining, das wöchentlich ein bis zwei Mal 45 bis 60 Minuten dauert, beschäftigt sich mit den vier für das Sehen entscheidenden Faktoren: Augenbewegungen, scharfes Sehen, Beidäugigkeit und Wahrnehmung. So gibt es Übungen zur Reaktionsschnelligkeit, bei der aufleuchtende Punkte auf einer Tafel berührt werden müssen, oder aber besagten Torschuss mit der Prismenbrille, um die räumliche Anpassungsfähigkeit zu schulen. Zudem gibt‘s für jeden Spieler Hausaufgaben. „Das ist wie Vokabellernen“, sagt Römer, die bereits mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft zusammengearbeitet hat und auch die Handballer des HSV Hamburg betreut. Im Tennis sei diese Technik schon länger im Einsatz. Allerdings würden Einzelsportler darüber nicht so gerne sprechen, um die Konkurrenz nicht hellhörig zu machen, berichtet Römer.

Werder dagegen geht ungewohnt offensiv mit dem Thema um. Schaaf lässt die Journalisten sogar in den Kraftraum und damit in die heiligen Hallen des Weserstadions. Es sollen offenbar alle besser sehen – auch in die Zukunft.

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