Geschockt nach Ujah-Fehlschuss: Werder nur 1:1

Zu mutlos für einen Heimsieg

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Kaum Kontakt, doch Werder-Stürmer Anthony Ujah sinkt im Strafraum zu Boden – sehr zum Ärger von FC-Verteidiger Dominique Heintz. Der sich dann aber freuen durfte, dass Ujah den Strafstoß nicht verwandeln konnte.

Bremen - Von Carsten Sander. Wieso er? Als Werder Bremen im Spiel gegen den 1. FC Köln einen höchst fragwürdigen Strafstoß zugesprochen bekam, schnappte sich Anthony Ujah den Ball. Ausgerechnet Ujah.

Er hatte den Elfmeter nicht nur herausgeholt, sondern musste auch gegen den Ex-Club, gegen einen Torwart, der ihn bestens kennt und auch noch vor den Köln-Fans zur Ausführung antreten. Ganz schön viel Psycho-Ballast – und prompt ging es schief. Ujah scheiterte mit einem schwachen Schuss an FC-Schlussmann Timo Horn, vergab so die Chance auf das 2:0 und stand am Ende als der Mann da, der den Sieg verbaselt hatte.

„Der verschossene Elfmeter war der Knackpunkt“, urteilte Trainer Viktor Skripnik. 1:1 (1:0) trennte sich Werder nach Toren von Jannik Vestergaard (4.) und Dusan Svento (79.) letztlich von den Kölnern, fuhr in einem Spiel auf schwachem Niveau nur einen statt der möglichen drei Zähler ein.

„Das war zu wenig“, sagte Werder-Torhüter Felix Wiedwald und sprach damit stellvertretend für alle. Denn eigentlich wollten die Bremen den eigenen Fans im mit 40 727 Besuchern nicht ausverkauften Weserstadion einen Sieg schenken. Im letzten Heimspiel des Jahres und nach zuvor fünf Heimpleiten am Stück wäre er auch bitter nötig gewesen. Dass er nicht zustande kam, lag daran, „dass uns in der zweiten Halbzeit der Mut verlassen hat – völlig unbegründet“, erklärte Kapitän Clemens Fritz.

Gestartet war Werder noch furios. Nach nur vier Minuten bugsierte Jannik Vestergaard den Ball per Schulter nach einer Eckballvariante zum 1:0 ins Netz – erstmals in dieser Saison hatten die Bremer in der Anfangsviertelstunde ein Tor erzielt. Und es ging auch gut weiter. Gegen passive Kölner diktierte Werder das Geschehen, ließ nur eine gefährliche Aktion der Gäste durch Anthony Modeste zu (31.). Selbst kreierte Werder zwar auch kein Chancenfeuerwerk, hätte dennoch die Führung ausbauen müssen. Denn als Ujah nach Pass des auffälligen Florian Grillitsch im Kölner Strafraum zu Fall kam, entschied Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken) auf Elfmeter (36.). Die TV-Bilder zeigten aber: Ein Foul von FC-Verteidiger Dominique Heintz lag nicht vor. „Kein Elfmeter“, urteilte später sogar Werder-Sportdirektor Rouven Schröder in für Vereinsvertreter seltener Klarheit. So gesehen sorgte Ujah (wechselte im Sommer nach drei Jahren in Köln zu Werder) mit seinem Fehlschuss für Gerechtigkeit.

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Aber klar: Werder wäre eine 2:0-Führung lieber gewesen als Gerechtigkeit. Dennoch formulierte niemand Kritik an Ujah. „Er hat uns in dieser Saison schon einige Punkte gerettet“, stellte sich Clemens Fritz schützend vor den Schützen. Auch Vestergaard verschob die Verantwortung für den verpassten Sieg lieber auf alle: „Wir haben zur Pause trotzdem geführt. So ein 1:0 kann man auch mal halten.“

Es gelang nicht. Weil – so Skripnik – der vergebene Elfmeter Unsicherheit in die Spielerköpfe gepflanzt hatte: „Jeder hatte nur noch im Sinn, die Null zu halten. Das ist verkehrt gelaufen.“ Die Dominanz der ersten Halbzeit verwandelte sich in Passivität, Werder wich zurück, statt nach vorne zu agieren. Und das Spiel wurde immer mehr zu einer Kopie des Bremer 1:1 eine Woche zuvor beim VfB Stuttgart – nur mit vertauschten Rollen. Diesmal ließ sich Werder einschnüren und fand keine Lösungen mehr, der Gast machte das Spiel. Skripnik: „Von Minute zu Minute ist bei uns die Angst größer geworden, den entscheidenden Fehler zu machen.“ Die eigenen Konter, beinahe ausschließlich über den schnellen Levin Öztunali vorgetragen, verpufften allesamt.

Dass das 1:0 angesichts der Bremer Mut- und Konzeptlosigkeit nicht bis zum Ende halten würde, war für Geschäftsführer Thomas Eichin fast schon logisch: „Der Ausgleich war eine Frage der Zeit und verdient.“ Und so geschah es: Zunächst wehrte Wiedwald einen Ball von Yuya Osako ab, doch Svento schaltete in der Mitte am schnellsten und traf aus kurzer Distanz (79.).

Ziemlich bedröppelt sahen die Bremer anschließend aus, als sie das alljährliche „Frohe-Weihnachten“-Banner durch das Stadion trugen. Auch die Fans verließen die Arena nicht gerade fröhlich. Und wenn Werder nach dem verpassten Heimsieg den Hinrundenabschluss am Samstag beim Tabellennachbarn Eintracht Frankfurt vergeigt, dürfte an der Weser während der Festtage Alarmstimmung statt Besinnlichkeit herrschen. Erstmal steht aber das Achtelfinale im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach am Dienstag auf dem Programm.

Trainer-Stimmen

Viktor Skripnik: „Wir wollten unbedingt die drei Punkte hierbehalten. Leider haben wir das zweite Tor nicht gemacht. Zum Schluss muss man noch zittern, damit man nicht das zweite Tor kriegt. Wir müssen weiter nach vorne schauen und im Pokal in Mönchengladbach und im nächsten Ligaspiel in Frankfurt an uns glauben.“

Peter Stöger: „Die ersten halbe Stunde war viel zu wenig. Nach dem gehaltenen Elfmeter haben wir eine bessere Körpersprache gezeigt. Mit dem Punkt sind wir nicht unzufrieden.“

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