Werder-Trainer wirkt vor dem Wolfsburg-Spiel noch immer sehr angeschlagen

Gereizter Skripnik macht fast nichts anders

Gute Laune sieht ganz anders aus: Werder-Trainer Viktor Skripnik (l.) und Sportchef Thomas Eichin bei der Pressekonferenz. - Foto: Gumz

Bremen - Von Malte Rehnert. Um 12.32 Uhr war es gestern Mittag so weit. Werder-Trainer Viktor Skripnik betrat – gemeinsam mit Sportchef Thomas Eichin und Mediendirektor Michael Rudolph – den Pressekonferenzraum im Weserstadion. Erstmals in dieser Woche stellte sich der wackelnde Coach den Medien – weil es vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (morgen, 15.30 Uhr) ein offizieller Termin war und er es musste.

Der Eindruck: Der 46-Jährige war zwar emotionaler als zuletzt, aber keineswegs souverän. Er wirkte genervt, gereizt und insgesamt spürbar angeschlagen. Die harte Kritik der vergangenen Tage hat dem Ukrainer zugesetzt. Auch Eichin war angesichts der kritischen Gesamtsituation alles andere als entspannt und sagte: „Es ist doch wohl klar, dass wir hier nicht locker und flockig durch die Gegend hüpfen und uns über das schöne Wetter freuen. Das ist keine Zirkusveranstaltung.“

Sondern knüppelharter Abstiegskampf. Und in dem gibt vor allem Skripnik ein schwaches Bild ab. Das Paradebeispiel dafür gab es gestern. Erst sprach er ungefragt über sich selbst, später hatte er dann gar keine Lust mehr auf dieses Thema – ein verbaler Zickzack-Kurs, bei dem er weder Zuversicht noch Kampfgeist versprühte.

Als sich Skripnik auf seinen Platz ganz rechts auf dem Podium gesetzt hatte, nahm er erst mal einen großen Schluck Wasser – wohl ahnend, dass er gleich viel sagen muss. Er begann mit der Antwort auf die Frage, was er denn nach dem niederschmetternden 1:2 gegen Abstiegskonkurrent FC Augsburg verändert habe. Erstaunlicherweise – bis auf den Maulkorb für die Spieler – nahezu nichts! „Wir haben guten Fußball gespielt“, behauptete Skripnik, „aber wir haben eben seit Wochen ein Ergebnisproblem.“ Es mache deshalb „keinen Sinn, viel zu verändern“, meinte Skripnik, der lediglich „zwei, drei andere Übungen“ ins Training eingestreut habe.

Werder-Training am Donnerstag

Plötzlich fing er dann an, über seine persönliche Situation und seine Reaktion nach dem Augsburg-Spiel zu reden, als er schwer angeschlagen gewirkt hatte. „Wenn ich verliere, kann ich kein Kasper sein. Und kein Clown, der vor den Medien steht und lacht. Dann bin ich nicht Viktor Skripnik.“

Weiter ging’s mit der Einschätzung über den Zustand seines Teams, dem der Coach trotz der prekären Lage am Montag mit den Worten „Abschalten, Männer“ freigegeben hatte. Um das arg ramponierte Selbstvertrauen wieder aufzubauen, habe es „Einzel- und Gruppengespräche und Analysen“ gegeben, berichtete Skripnik: „Wir brauchen überzeugte Leute auf dem Feld, die Vertrauen in sich und den Nebenmann haben. Wir wollen unbedingt etwas Gutes machen.“

Was er selbst im weiteren Verlauf der 28 Minuten und 55 Sekunden dauernden Pressekonferenz machte, war hingegen nicht gut. Er sprach zwar, beantwortete aber nur noch selten die eigentlich gestellten Fragen. Weil er sie nicht richtig verstand – oder nicht verstehen wollte? Dann betonte er, „durch und durch Werderaner“ zu sein und „nicht einfach aufhören zu wollen“ – obwohl es momentan „nicht einfach“ sei. Ein, zwei Minuten später hatte er allerdings „keinen Bock mehr“, jedes Mal sein Verhältnis zu Werder zu erklären. „Über meine Person möchte ich nicht reden“, zischte Skripnik.

Das werden andere umso intensiver tun. Sollte Werder morgen Nachmittag erneut nicht punkten, kocht die Trainerdiskussion sofort wieder hoch. Eichin hatte Skripnik, der nach Informationen dieser Zeitung spätestens am Saisonende seinen Trainerposten räumen soll, nach der Augsburg-Pleite erst mit Verspätung öffentlich gestärkt. Wieviel diese Rückendeckung wert ist, wird sich zeigen.

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