Vorfreude auf Klasnic

„Genau das verlange ich von mir“

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Aaron Hunt spricht mit Kreiszeitung-Sportredakteur Malte Rehnert über Werder, Laufkilometer und Ivan Klasnic.

Bremen - Aaron Hunt fällt deutlich auf. Nicht nur, weil er momentan die weiße Kapitänsbinde mit der Werder-Raute trägt. Der 26-jährige Mittelfeldmann spielt eine starke Saison und ist ligaweit gleich in zwei Kategorien weit vorne dabei.

Wie er darüber denkt, was er seinem eigenen Team und Ex-Teamkollege Ivan Klasnic vom nächsten Gegner Mainz zutraut, sagt Hunt im Interview.

Geben Sie Clemens Fritz die Kapitänsbinde überhaupt zurück, wenn er wieder fit ist?

Aaron Hunt:Ja, natürlich (lacht). Wieso?

Weil Sie als Werder-Kapitän noch ungeschlagen sind.

Hunt:Es waren doch aber auch erst zwei Spiele. Wenn es über einen längeren Zeitpunkt so bleibt, ist es sicherlich eine schöne Nebengeschichte.

Der Kapitän gilt auf dem Platz als verlängerter Arm des Trainers. Tauschen Thomas Schaaf und Sie sich jetzt häufiger und intensiver aus?

Hunt:Nein, wir haben vorher auch schon oft miteinander gesprochen.

Bilder vom Training am Mittwoch

Die Werder-Profis treten am Mittwoch pünktlich und vollzählig an

Hat sich in der neuen Rolle sonst irgendetwas verändert. Halten Sie jetzt zum Beispiel immer die Ansprachen im Kreis direkt vor dem Anpfiff?

Hunt:Generell hat sich gar nichts verändert. Die Ansprache halte ich schon mal, aber es ist sowieso nicht festgelegt bei uns. Das macht jeder, der sich danach fühlt. Da bringt sich der eine oder andere immer mal wieder mit ein.

Wer ist außer Clemens Fritz und Ihnen noch im neuen Mannschaftsrat?

Hunt:Nils Petersen, Sebastian Prödl und Sokratis.

Sind das auch die Wortführer im Werder-Team?

Hunt:Natürlich sind das diejenigen, die eine Führungsrolle in der Mannschaft übernehmen sollen. Clemens ist Kapitän, ich bin ,Vize‘, ,Basti‘ ist schon länger dabei, ,Papas‘ will die Rolle unbedingt übernehmen. Das sind alles Spieler, die eine gewisse Position innerhalb der Mannschaft haben.

Sie selbst waren bei den Fans nicht immer unumstritten. Nun übernehmen Sie Verantwortung und machen das „richtig gut“, wie Thomas Schaaf kürzlich hervorgehoben hat. Er hat geradezu eine Lobeshymne auf Sie angestimmt. Wie gut tut das?

Hunt:Es freut mich natürlich, wenn der Trainer das so sieht und mich so einschätzt. Das Vorangehen ist aber auch genau das, was ich von mir verlange, was ich machen möchte. Wir haben einen Umbruch, eine junge Mannschaft – und ich bin jetzt so lange dabei. Da übernehme ich automatisch Verantwortung.

Der Trainer ist sehr zufrieden mit Ihren Leistungen und Ihrem Auftreten, Sie auch?

Hunt:Das ist gar nicht so wichtig, ob ich selbst zufrieden bin.

Wie wichtig ist Ihnen Anerkennung?

Hunt:Nicht wichtig, wichtig sind mir andere Sachen – dass wir als Mannschaft Erfolg haben und dabei möglichst schönen Fußball spielen. Wenn wir als Mannschaft so gut funktionieren wie gegen Gladbach, dann kriegt jeder einzelne seine Aufmerksamkeit, gerät mehr in den Fokus.

Sie fallen in dieser Saison aber besonders auf. Im „kicker“ sind Sie – im Notendurchschnitt – mit 2,50 der beste Bremer und der siebtbeste Spieler der kompletten Bundesliga.

Hunt:Das wusste ich nicht. Das ist eine Bestätigung für die Leistungen, die man gebracht hat – sicherlich ein schöner Nebenaspekt.

Und mit den 105,7 Kilometern, die Sie in neun Spielen gelaufen sind, belegen Sie ligaweit Platz drei.

Hunt:Lassen Sie mich raten: ,Zladdy‘ (Teamkollege Zlatko Junuzovic, Anm. d. Red.) ist noch besser (lacht) . . .

Nein, dafür fehlen ihm ein paar Spielminuten. Es sind Stuttgarts Christian Gentner (108,99) und Ihr Teamkollege Kevin De Bruyne (106,31). Junuzovic ist „nur“ Siebter (103,27). Was sagen Sie zu Ihren über 100 Kilometern?

Hunt:Auch eine schöne Sache. Aber dass ich viel unterwegs bin, ist mir bewusst – das merke ich nach den Spielen. Solche Statistiken sind ganz gut, wenn man sich mal selbst überprüfen will.

Zeigt es auch, dass Sie topfit sind?

Hunt:Ja, schon. Ich habe keinerlei Probleme oder Schmerzen. Das ist immer ganz wichtig bei mir.

Im Mittelfeld bilden Sie mit Nebenmann De Bruyne und dem etwas defensiveren Junuzovic ein Dreieck, das inzwischen fest verankert ist. Alle Drei sind in allen neun Bundesliga-Partien zum Einsatz gekommen. Wie beurteilen Sie das Zusammenspiel?

Hunt:Es entwickelt sich immer besser, gerade in den letzten zwei Spielen waren Fortschritte zu sehen. Wir wollen viele Sachen spielerisch lösen und kriegen es mittlerweile meistens auch hin. Das ist in den letzten Wochen besser geworden.

Die mangelnde Balance zwischen Offensive und Defensive taucht immer wieder als Kritikpunkt auf. Offensiv spielen, aber auch defensiv denken – wie ist das zu schaffen?

Hunt:Gegen Gladbach haben wir gezeigt, dass vieles passen kann. So muss es immer aussehen. Gladbach hatte aus dem Spiel heraus kaum eine Torchance. Wenn wir alle mit nach hinten arbeiten, auch der Stürmer und die Außenspieler, dann ist es schwer, gegen uns ein Tor zu schießen. Wir müssen alle mit Mann und Maus unser Tor verteidigen, dürfen die Defensive nicht vernachlässigen. Das fehlt in der einen oder anderen Szene noch. Einfache Gegentore wie zuletzt in Fürth tun immer richtig weh.

Elfter mit elf Punkten – warum ist Werder nicht weiter oben?

Hunt:Ganz einfach: Weil wir Punkte, die wir hätten holen müssen, nicht geholt haben. Gegen Stuttgart haben wir den Sieg verschenkt, in Hannover in der Nachspielzeit einen Punkt, in Fürth hätten wir gewinnen müssen. Wir hätten mindestens vier, fünf Punkte mehr haben müssen. Außerdem kassieren wir viel zu viele Gegentore und haben deutlichen Verbesserungsbedarf in der Chancenverwertung. So viele Hundertprozentige wie in Fürth hatten wir lange nicht mehr in einem Spiel.

Wo führt das hin?

Hunt:Schwierig zu sagen. Es ist alles noch sehr eng beieinander, sowohl nach oben als auch nach unten ist der Weg nicht weit. Was wir jetzt brauchen, ist eine Serie. Einfach mal zwei, drei oder vier Spiele am Stück gewinnen, um uns weiter oben festzusetzen.

Wo steht Werder am Ende der Hinrunde und am Ende der Saison?

Hunt:Da muss man in die Glaskugel gucken. Nein, im Ernst: Unser Ziel ist es, in der Tabelle so weit wie möglich nach oben zu klettern. Da, wo wir jetzt stehen, wollen wir ganz sicher nicht bleiben. Damit ist keiner zufrieden. Weil wir auch gesehen haben, dass wir bis jetzt mit jeder Mannschaft mithalten konnten und meistens sogar besser waren.

Trainer Thomas Schaaf ändert insgesamt sehr wenig an seiner Startelf. Das Team kann sich einspielen – und eine starke, stabile Rückrunde spielen?

Hunt:Das kann sehr gut sein. Im Sommer sind viele Neue dazugekommen, manche spielen das erste Mal in der Bundesliga – auf anderem Niveau als vorher – und müssen sich erst eingewöhnen. In der Rückrunde wird uns der eine oder andere definitiv noch mehr weiterhelfen.

Nicht neu in der Bundesliga ist Ivan Klasnic, den Sie noch bei Werder erlebt haben. Mit Mainz kommt er am Sonntag zurück ins Weserstadion. Freuen Sie sich drauf?

Hunt:Auf jeden Fall. Und es ist auch für die Werder-Fans ganz schön, ihn wiederzusehen. Er war hier immer beliebt. Ich hoffe, dass er so langsam wieder fit wird und mal ein paar Spiele macht. Wir haben ab und zu Kontakt. Ich werde ihn vorher noch mal fragen, ob er spielen kann.

Und wenn ja . . .

Hunt:. . . dann wird unsere Abwehr ihn schon in den Griff kriegen.

Was trauen Sie „Killer“ Klasnic noch zu?

Hunt:Er war hier ein sehr guter Stürmer, hat immer seine Tore gemacht oder seine Vorlagen gegeben. Das kann er auch in Mainz schaffen, er ist sicher eine gute Verstärkung. · mr

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