Spieler und Fans überzeugen gegen Wolfsburg als Werder-Einheit / Junuzovic hofft auf weitere „Kunst“

Das Gemeinschaftswerk

Ein Dank an die Ostkurve: Nach dem 3:2 gegen Wolfsburg klatschten die glücklichen Werder-Profis mit den glücklichen Werder-Fans ab. - Foto: Gumz

Bremen - Mit einer Radtour bei strahlendem Sonnenschein regenerierten die Werder-Profis Sonntag vormittag ein bisschen. Das überlebenswichtige 3:2 (1:1) gegen den VfL Wolfsburg hatte sehr viel Kraft und Nerven gekostet. Aber Zeit zum Durchschnaufen gibt’s jetzt nicht mehr. Schon morgen (20 Uhr) geht es mit dem DFB-Pokal-Halbfinale beim FC Bayern weiter – am Freitag (20.30 Uhr) folgt das brisante Nordderby beim schwächelnden Hamburger SV und damit die nächste Etappe im Abstiegskampf.

Wie die Bremer, die weiter auf dem Relegationsplatz stehen, da auftreten müssen, hat Vizekapitän Zlatko Junuzovic gestern dargelegt – genau so wie gegen Wolfsburg. „Auf den Punkt bereit zu sein, ist die Kunst. Und es ist in unserer Situation das A und O. Das Spiel soll ein Wegweiser sein. Ich hoffe, es gibt uns Antrieb für die vier Duelle gegen direkten Konkurrenten“, sagte der Österreicher, der sich tags zuvor bei „Sky“ bereits festgelegt hatte: „Werder bleibt drin.“

Nach dem Spiel beim HSV, der nach der 0:3-Niederlage gestern in Dortmund nur noch drei Punkte mehr hat (34) und ebenfalls wieder zittern muss, empfängt Werder (31) noch Stuttgart (33) und Frankfurt (27) – und tritt dazwischen in Köln (37) an.

Mit einer Willensleistung und einer Unterstützung wie am Samstag muss dem Tabellen-16. vor dem Restprogramm jedoch nicht bange sein. „Dieser Sieg tut ganz Bremen gut“, meinte Torjäger Claudio Pizarro.

Eine Szene in der 85. Minute zeigte bestens, was im Tollhaus Weserstadion abging. Jannik Vestergaard grätschte die Eckfahne um und verhinderte mit seinem Kamikazesprung einen Eckball. Gejohle von den Rängen, Anfeuerungsrufe von den Mitspielern und von der Trainerbank. Es war eben ein beachtliches Gemeinschaftswerk, das alle Bremer ablieferten und das letztlich die so dringend benötigten drei Punkte brachte.

„Wir flippen deshalb aber nicht aus“, betonte Sportchef Thomas Eichin. Dafür gibt es auch keinen Grund, denn es war unterm Strich nur „ein ganz kleiner Schritt nach vorne“ (Junuzovic) und noch längst nicht die Rettung. „Wir haben aber gezeigt, dass wir dem stärker werdenden Druck standhalten können“, fügte Eichin noch an.

Ein bisschen Erleichterung gönnten sich die Profis nach dem Zittersieg. Tagelang hatten sie nicht mit den Medien sprechen dürfen und sich auch in den sozialen Netzwerken zurückgehalten. Kurz nach der Partie brach dann aber ein Twitter-Gewitter los. Pizarro, Anthony Ujah, Alejandro Galvez, Aron Johannsson und Theodor Gebre Selassie – alle schwärmten von der fantastischen Unterstützung und bedankten sich in mehreren Sprachen bei den Fans. „Es war echt emotional, unglaublich, sagte Gebre Selassie in der Mixed-Zone: „Die Fans waren der zwölfte Spieler. Ich vergleiche das mit den Liverpool-Fans im Spiel gegen Dortmund.“ Und Pizarro urteilte: „Die Fans waren super, haben der Mannschaft Kraft gegeben.“

Die Bremer Anhänger hatten die Aktion „greenwhitewonderwall“ ins Leben gerufen und zudem den Mannschaftsbus am Stadion mit einem Spalier empfangen. „Das war ein Gänsehautmoment. So etwas habe ich bisher nur bei Werder erlebt“, erzählte Junuzovic. Janek Sternberg hielt das Ganze sogar per Handy fest: „Ich habe gefilmt, als wir die Rampe runtergefahren sind – bis der Bus stand.“

Eichin glaubt, dass die Fans im Endspurt eine ganz wichtige Rolle spielen werden: „Sie können dir das gewisse Etwas im Abstiegskampf geben. Die Spieler wissen, dass die Fans sie nicht verdammen und sie keine Angst vor irgendwelchen verrückten Dingen haben müssen.“ - mr

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