„Es geht nur zusammen“

Der neue Werder-Kapitän Clemens Fritz fordert noch mehr Wir-Gefühl.

Bremen - Noch ist Clemens Fritz ganz gelassen, doch morgen Abend wird der 30-Jährige sicher etwas nervöser sein als vor anderen Bundesliga-Spielen. Denn Fritz feiert seine Premiere als Kapitän des SV Werder Bremen – und das ausgerechnet im 175. Nordderby gegen den Hamburger SV (18.30 Uhr).

So hat es Thomas Schaaf gewollt. Der Werder-Trainer hatte Per Mertesacker zum Kapitän gemacht und Fritz als dessen Ersatz vorgesehen. Nun ist Mertesacker weg (FC Arsenal) und Fritz muss ran – und das schon vor dem Nordderby, denn da sind Kapitäne immer ganz besonders gefragt.

Haben Sie sich schon bei Torsten Frings informiert, was man als Werder-Kapitän vor einem Nordderby zu sagen hat?

Clemens Fritz: Ne, das habe ich nicht.

Aber ein paar Kampfansagen müssen da schon kommen.

Fritz: Müssen muss gar nichts. Ich sage das, was ich zu sagen habe – und ich bin nicht Torsten.

Und was sagt der Kapitän Clemens Fritz vor dem Nordderby?

Fritz: Nach unserem Sieg in Hoffenheim wurden schon Stimmen laut, wir würden den HSV aus dem Stadion schießen. Jeder, der Ahnung hat, weiß, dass wir sehr vorsichtig sein müssen. Das wird ein extrem schwieriges Spiel. Wir haben noch die 0:4-Klatsche aus der letzten Saison in den Köpfen. Deshalb müssen wir so spielen wie in den letzten Wochen: 100 Prozent Einsatz, und jeder muss für den anderen da sein.

Für Sie ist es das erste Spiel als richtiger Werder-Kapitän – und dann gleich ein Heimspiel und auch noch ein Nordderby. Kribbelt es schon?

Fritz: Natürlich freue ich mich, dass ich die Mannschaft aufs Feld führen darf. Aber ich finde, das wird etwas zu hochgetragen. Fakt ist, dass wir in Per Mertesacker nach Torsten Frings in diesem Sommer den zweiten Führungsspieler verloren haben. Per wird uns menschlich und sportlich sehr fehlen. Aber umso wichtiger ist es, dass wir das als Mannschaft auffangen. Wir haben viele Spieler, die Verantwortung übernehmen können. Ich gehöre dazu, und ich stelle mich dieser Verantwortung gerne. Aber eigentlich geht es nur zusammen.

Haben Sie Sorge, dass dieses Amt mehr Last als Lust ist und Ihrem Spiel schaden könnte?

Fritz: Das wird mich nicht hemmen. Die Binde wird auch nicht mein Spiel verändern, und meinen Charakter schon mal gar nicht. Es wird gute und auch mal nicht so gute Spiele von mir geben, aber die Binde kann nichts dafür.

Empfinden Sie das Kapitänsamt auch als Auszeichnung für fünf Jahre gute Arbeit als Werder-Profi?

Fritz: Natürlich ist es schön, das Vertrauen vom Trainer und vom Verein zu spüren. Ich merke ja auch in diesen Tagen, dass ich sehr guten Zuspruch habe. Kapitän von Werder Bremen zu sein, das ist wirklich eine schöne Sache.

Aber mittlerweile auch eine kurze Geschichte. Nach Dauerkapitän Frank Baumann (2000 - 2009) gab‘s zwei Jahre Frings und danach keine vier Wochen Mertesacker. Und Ihr Vertrag läuft Ende der Saison aus . . .

Fritz: Wir werden uns demnächst sicherlich zusammensetzen. Ich bin da ganz entspannt.

Profis, die in einem Jahr ablösefrei gehen können, verlängern bei Werder normalerweise vorzeitig ihren Vertrag oder werden verkauft, damit der Club noch eine Ablöse kassieren kann. Waren Sie überrascht, dass Ihr Name bei diesen Spekulationen im Sommer nie auftauchte, immerhin sind Sie Stammspieler?

Fritz: Aber kein Nationalspieler mehr, da ist man nicht ganz so im Fokus. Das ist nicht schlimm, ich hatte dort eine schöne Zeit. Ich werde nun mal nicht jünger. Man muss auch mal sehen, wie sich das altersmäßig in der Bundesliga verschoben hat. Heute hat fast jeder Bundesligist ein, zwei 18-Jährige im Team. Und im besten Fußballer-Alter ist man angeblich schon mit 23, 24 oder 25. Ich bin jetzt 30, fühle mich trotzdem sehr gut und denke, dass ich noch eine gute Zeit vor mir habe.

Bei Werder?

Fritz: Sehr gerne, ich fühle mich hier sehr wohl. Wir haben so viele tolle Erfolge gefeiert. Ich habe damals alles richtig gemacht, nach Bremen zu kommen.

Training am Donnerstag

Werder-Training am Donnerstag

Damals waren Sie rechter Verteidiger, das dann auch viele Jahre lang, nun spielen Sie im Mittelfeld. Gibt‘s jetzt den flexiblen Fritz?

Fritz: Es ist doch gut, wenn man nicht nur auf eine Position fixiert ist. Ich habe ja auch schon in der Vergangenheit im Mittelfeld ausgeholfen. Ich fühle mich da sehr wohl.

Sie wirken im Mittelfeld befreiter, sind viel mehr unterwegs.

Fritz: Natürlich ist man im Mittelfeld präsenter, da gibt es viele Positionswechsel. Das macht schon Spaß. Auf der rechten Seite ist man durch die Außenlinie einfach gebunden.

Wie stark ist Werder jetzt – und ist es morgen gegen den HSV ohne Mertesacker ein Neustart in diese Saison?

Fritz: Per ist ein herber Verlust. Man wird sehen, wie wir das wegstecken. Wir haben vier gestandene Innenverteidiger mit Prödl, Wolf, Sokratis und Naldo. Mikael Silvestre kommt ja irgendwann auch noch dazu – also sind es sogar fünf. Die Alternativen sind da.

Vor einem Jahr wurde Mesut Özil ganz spät verkauft. Dessen Weggang hat Werder nicht verkraftet, es folgte der Absturz. Ein schlechtes Omen?

Fritz: Man weiß doch gar nicht, ob es mit Mesut besser gelaufen wäre. Es ist viel zu einfach, das an einer Person festzumachen. Natürlich ist uns mit Mesut Qualität verloren gegangen, mit Per jetzt auch. Aber ich bin optimistisch, wir sind als Mannschaft gefestigt.

Der HSV offenbar nicht. Die Hamburger sind Tabellenletzter, denkt man da als Bremer an den Abstiegskampf in der Vorsaison?

Fritz: Durchaus. Es kann ganz schnell gehen, und plötzlich hängt man unten drin.

Ist der HSV ein Abstiegskandidat?

Fritz: Nein, ich denke, beim HSV ist Potenzial vorhanden. Aber sicher darf sich keiner sein. Letzte Saison haben die ersten neun Mannschaften um die Meisterschaft gespielt, die anderen um den Klassenerhalt. Das gibt es nicht in England, nicht in Spanien, das gibt es nur in der Bundesliga.

Erwarten Sie einen ängstlichen oder einen kämpferischen HSV? 

Fritz: Der HSV ist gerade so etwas wie ein angeschlagener Boxer, und die sind bekanntlich besonders gefährlich. Auf dem Platz wird es – wie immer bei Derbys – sicherlich hoch hergehen. Das ist okay. Aber im Umfeld soll es bitteschön friedlich bleiben. Es kann nicht sein, dass sich Zuschauer, speziell Familien, Sorgen machen müssen, unbeschadet ins und aus dem Stadion zu kommen.

Haben Sie sich schon eine Kapitänsbinde herausgesucht?

Fritz: Die liegt einfach da . . .

. . . und ist mit einem „C“ bedruckt.

Fritz: (lacht) Na klar, ich heiße ja Clemens – oder wofür steht das „C“? Unsere Zeugwarte werden wohl kaum ausgerechnet jetzt eine mit „K“ für Kapitän hinlegen, oder ein „Spielführer“ so wie früher.  kni

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