Allofs’ Abgang aus Ärger über zu viel Kontrolle?

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Die Werder-Uhr läuft für Klaus Allofs ab. Der Wechsel zum VfL Wolfsburg soll in Kürze verkündet werden.

Bremen - Dieser PR-Termin war eine pikante Laune des Zufalls. Ausgerechnet gestern, als im Weserstadion in Abwesenheit von Aufsichtsrat-Boss Willi Lemke (kehrt erst heute nach Bremen zurück) über den Weggang von Werder-Chef Klaus Allofs zum VW-Club VfL Wolfsburg diskutiert, beraten, aber noch nicht entschieden wurde, startete VW eine Werbe-Offensive an der Weser.

Mit dem neuen Golf und der Bremer Mannschaft als Hauptdarsteller. Thomas Schaaf, Clemens Fritz und Aaron Hunt zeigten also ihr strahlendstes Lächeln, obwohl der Autobauer derzeit der absolute Stimmungskiller ist bei Werder.

Die „Welt“ verbreitete gestern Abend bereits die Meldung, dass Klaus Allofs ein Vertragsangebot von VW beziehungsweise vom VfL Wolfsburg angenommen und unterschrieben hätte. Was freilich nicht rechtens wäre, schließlich ist der Vertrag in Bremen noch nicht aufgelöst. Allofs dementierte folglich nach nur wenigen Minuten: „Stimmt nicht. Es ist alles beim Alten.“ Heißt: Kein Angebot, keine Unterschrift.

Gleichwohl rechnen auch Wolfsburger Medien mit einer baldigen Vollzugsmeldung durch VW – möglicherweise schon heute. Andere Signale waren aus Bremen zu vernehmen. Angeblich lag bis zum Abend noch kein Ablöse-Angebot aus Wolfsburg für Allofs (Vertrag bis 2015) vor.

Klaus Allofs - seine Zeit bei Werder Bremen

Klaus Allofs: Seine Zeit bei Werder Bremen

Für Thomas Schaaf auch nicht. Der Werder-Trainer durfte gestern zwar seine Probefahrt im Golf 7 machen, der Gurt ließ sich aber wieder öffnen und der sofortige Weitertransport nach Wolfsburg blieb aus. Beim VfL besteht offenkundig auch gar kein Interesse mehr an dem 51-Jährigen. Seine Verpflichtung stehe „nicht im Raum“, erklärte gestern VfL-Geschäftsführer Thomas Röttgermann.

Vor zwei Jahren war das noch anders gewesen. Schaaf hatte bei den Niedersachsen schon zugesagt, machte dann aber einen Rückzieher. Nun ist das Interesse des VfL erloschen.

Allofs wird demnach in Wolfsburg das machen müssen, was er noch nie gemacht hat: einen Trainer suchen. Bei Werder arbeitet er seit 13 Jahren ununterbrochen mit Schaaf zusammen. Dass er diese Zweisamkeit verlässt, mag am Geld liegen. Laut „Bild“-Zeitung soll Allofs bei den „Wölfen“ drei Millionen Euro jährlich verdienen – doppelt so viel wie in Bremen. Doch das ist nur die Überzeugungshilfe, nach Wolfsburg zu kommen. Die Gründe, Werder zu verlassen, sind vermutlich andere.

Es heißt, Allofs sei trotz gegenteiliger Aussage über die angekündigte Kontrolle durch Neu-Aufsichtsrat Marco Bode nachhaltig verärgert. Der 43-Jährige hatte nach seiner Wahl vor acht Tagen betont, die Arbeit der Geschäftsführung „auf jeden Fall kritisch“ zu beobachten: „Ich werde meine Meinung zu dem sagen, was die Geschäftsführung plant.“ Zusatz: „Auch bei Transfers.“ Das wäre ein Eindringen in Allofs’ Hoheitsgebiet und gewissermaßen ein Akt der Macht-Piraterie. Bislang musste Allofs zwar die Kosten eines Transfers vor dem Aufsichtsrat erklären und abzeichnen lassen, nicht aber den sportlichen Sinn. In dieser Hinsicht wurde ihm jahrelang blind vertraut. Bis sich die Fehlgriffe mehrten, bis der sportliche Erfolg ausblieb und Werder ein finanzielles Minus von 13,9 Millionen Euro einfuhr.

Dass Allofs just in diesen Tagen vor dem Absprung steht, rückt ihn zwangsläufig in den Verdacht, vor der negativen Entwicklung zu flüchten. Jürgen L. Born, Allofs’ Vorgänger als Club-Chef, hält jedoch die Hände schützend über den ehemaligen Kollegen: „Jeder hat im Leben das Recht auf eine Veränderung. Wer sagt denn, dass man bis zum letzten Atemzug immer dasselbe machen muss? Das muss die Gesellschaft auch akzeptieren.“ n csa

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