Böse Geste von Djilobodji

Remis, Rekordtor, Riesenärger

+
Papy Djilobodji (links) kämpfte gestern mit allen Mitteln, wie auch hier gegen Jhon Cordoba. Für seine Kopf-ab-Geste droht ihm nachträglich eine Sperre.

Bremen - Von Carsten Sander. Wenn das Rekordtor von Claudio Pizarro zur Randgeschichte wird, dann muss schon einiges passiert sein. Und zwischen Werder Bremen und Mainz 05 war gestern tatsächlich viel mehr los, als es das pure Ergebnis von 1:1 (1:1) vermuten lässt. Zwei in der Entstehung umstrittene Tore von Mainz‘ Julian Baumgartlinger (38.) und eben Pizarro (45.+2/Foulelfmeter) sorgten für Diskussionsstoff. Zudem spitzt sich die Lage im Abstiegskampf weiter zu, und Werder-Verteidiger Papy Djilobodji hat sich mit einer eindeutigen, an Gegenspieler Pablo De Blasis gerichteten Geste vermutlich großen Ärger eingehandelt.

Mit dem Finger war sich der Senegalese an der Kehle entlanggefahren, um klar zu machen, wie er De Blasis‘ Versuch, einen Elfmeter zu schinden, beim nächsten Mal zu bestrafen gedenke. Das riecht zwei Wochen nach der Gelb-Schummelei verdächtig nach dem nächsten Gang vor das DFB-Sportgericht. Für eine vergleichbare Aktion gegenüber Rostocker Fans war St. Paulis Deniz Naki im November 2009 für drei Spiele gesperrt worden. Nun auch Djilobodji?

Die Bremer versuchten gestern direkt, das Schlimmste abzuwenden. „Ich glaube, die Geste sollte heißen, dass De Blasis nicht den sterbenden Schwan markieren soll“, versuchte es Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin mit einer Umdeutung der Szene. Aber auch er räumte ein: „So etwas muss nicht sein, das sollte man lassen, weil man weiß, dass die Kamera alles einfängt.“ Trainer Viktor Skripnik („Ich hätte das nie gemacht“) schrieb die Aktion Djilobodjis „afrikanischem Temperament“ zu, findet die Aufregung aber unnötig. Giftig sagte er: „Was wollen wir jetzt machen? Ihn drei Monate sperren?“ Mal sehen. Nach der Länderspielpause über Ostern muss Djilobodji gegen Borussia Dortmund ohnehin zuschauen, denn er sah gestern im Verlauf der Partie seine fünfte Gelbe Karte.

Für Werder wäre eine längere Sperre für die Chelsea-Leihgabe der nächste Rückschlag im Abstiegskampf. Das Ergebnis gestern war indes nur ein kleiner gewesen. Denn die Bremer hatten gegen den Tabellensechsten aus Mainz ein insgesamtes gutes, weil sehr engagiertes Spiel gezeigt. „Wir haben alles reingeworfen“, meinte Eichin, der in seinem Team das bessere gesehen hatte: „Ich bin zufrieden mit dem Punkt und stolz auf unser Team. Wir hätten den Sieg heute mehr verdient gehabt.“

Für drei Punkte hätte Werder vor 38 416 Zuschauern im Angriff aber mehr Duchschlagskraft entwickeln müssen. Doch bei den Chancen von Djilobodji (15.), Pizarro (22.) und Fin Bartels (31.) fehlte entweder die Präzision oder die berühmten paar Zentimeter, um an den Ball zu kommen. Elfmeter forderten die Bremer gar, als Mainz-Keeper Loris Karius Zlatko Junuzovic gestoppt und zu Fall gebracht hatte (31.). „Ich war eher am Ball, spiele ihn nach außen“, behauptete der Österreicher später. Die TV-Bilder sagten aber: kein Strafstoß.

Bei dieser Aktion rückte Referee Manuel Gräfe das erste Mal in den Blickpunkt. Der Berliner hatte bis dahin viel laufen lassen und blieb auch dabei, als Baumgartlinger am Trikot von Werder-Kapitän Clemens Fritz gezupft hatte. Nichts Schlimmes eigentlich, wenn in der Folge nicht das 0:1 gefallen wäre – durch Baumgartlinger. Die Expertenmeinungen: „Das war ein Foul“, sagte Sky-Schiedsrichter Markus Merk. „Ich hätte es nicht gepfiffen“, meinte Werder-Ehrenspielführer Dieter Eilts.

Einig waren sich aber alle, bei einer anderen Szene: Als Baumgartlinger kurz vor der Pause Junuzovic im Strafraum umrempelte, war der Elfmeterpfiff richtig. Claudio Pizarro trat an, traf eiskalt und bejubelte sein 101. Bundesliga-Tor im Werder-Trikot – Club-Rekord von Marco Bode eingestellt. Pizarro musste später mit muskulären Problemen ausgewechselt werden, reiste aber dennoch unmittelbar nach Schlusspfiff nach Peru ab. Die WM-Qualifikation ruft. Dass das nicht optimal ist, weiß auch Skripnik, sah aber keine Chance, Pizarro zu hindern: „Wir müssen ihn gehen lassen. Dann müssen sich die Ärzte bei der Nationalmannschaft eben um ihn kümmern.

Die Noten: Werder Bremen - Mainz 05

Ohne Pizarro hatte Werder dann seine besten Chancen. Clemens Fritz (82.), Theodor Gebre Selassie (85.) und Fin Bartels (88.) brachten die Kugel aber nicht über die Linie. Auf der Gegenseite hatte Felix Wiedwald mit einem Top-Reflex gegen Jhon Cordoba den erneuten Rückstand verhindert (61.). „Ein Punkt ist eigentlich zu wenig, aber immer noch besser als keiner“, fasste der Schlussmann später das Spiel zusammen.

Das Remis reichte, um den Angriff von 1899 Hoffenheim (3:1 in Hamburg) abzuwehren und auch den 27. Spieltag auf einem Nicht-Abstiegsplatz zu beenden. „Aber es wird immer enger“, sagte Coach Skripnik: „Auch wenn wir heute drei Punkte wollten, kann der eine noch Gold wert sein.“

Werder Bremen - Mainz 05: Die Bilder

Mehr zum Thema:

Vatertagstouren in der Region Rotenburg

Vatertagstouren in der Region Rotenburg

Fünfter Oldtimertag in Ahlhorn

Fünfter Oldtimertag in Ahlhorn

Vatertags-Feier am Naturbad Bassum

Vatertags-Feier am Naturbad Bassum

Leaks nach Attentat: May will Trump zur Rede stellen

Leaks nach Attentat: May will Trump zur Rede stellen

Meistgelesene Artikel

Schierenbeck zu Sargent-Gerücht: „Das ist mir neu“

Schierenbeck zu Sargent-Gerücht: „Das ist mir neu“

Werders teure Pleite beim BVB: Zwölf Millionen Euro sind futsch

Werders teure Pleite beim BVB: Zwölf Millionen Euro sind futsch

Lukimya verlängert beim Liaoning FC

Lukimya verlängert beim Liaoning FC

Begegnungen für den Telekom-Cup stehen

Begegnungen für den Telekom-Cup stehen

Kommentare