Nur 1:1 gegen harmlose Kölner – es ist immer schlechter bestellt um Werder

In jeder Hinsicht zu wenig

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Der Blick von Felix Wiedwald (li.) und Jannik Vestergaard geht ins Leere. Wieder hat Werder die Chance auf einen Heimsieg verpasst.

Bremen - Freudlos hatten die Werder-Profis das meterlange Spruchband über den Rasen geschleppt. „Frohe Weihnachten“ stand darauf geschrieben – es war ein frommer Wunsch. Denn froh verließ nach dem 1:1 (1:0) gegen den 1. FC Köln kein einziger Bremer Fan das Weserstadion. Und während auf dem Rasen der Riesenschriftzug zusammengefaltet und für das nächste Jahr weggepackt wurde, entblätterte im Inneren der Arena Geschäftsführer Thomas Eichin die Bremer Mängelliste. Es dauerte ein paar Minuten, bis er fertig war.

„Eigentlich“, setzte der 49-Jährige bei seiner Manöverkritik an, „ist zunächst alles so gelaufen, wie es laufen musste.“ Werder ging durch Jannik Vestergaard früh mit 1:0 in Führung (4.), stand danach kompakt und sicher in der Abwehr. „Sehr, sehr gut“ sei das gewesen, meinte Eichin. Doch dann kam im Statement – wie zuvor auch im Spiel – der große Bruch. „Man muss in so einem Spiel auch den Sack zumachen. Wenn das nicht gelingt, wirst du Schwierigkeiten bekommen“, kritisierte der Sportchef.

De facto ist es jedoch so: Die Schwierigkeiten sind längst da. In der Tabelle. Im Team. Bei den Trainern. Denn es ist mittlerweile unmöglich, die Situation nicht mit der Arbeit von Viktor Skripnik und seinen Assistenten in Verbindung zu bringen. In jedem Spiel treten auf dem Platz neue Defizite zutage, das Konto ist mit 15 Punkten nach 16 Spielen nur spärlich gefüllt und die Heimbilanz ist de-saströs. Auch gegen harmlose Kölner, die in sieben der vorangegangenen acht Liga-Partien ohne eigenes Tor geblieben waren, reichte es nicht zum ersehnten Heimsieg. Immerhin sprang für Werder nach zuvor fünf Heimpleiten am Stück ein Remis heraus. Aber soll man darüber jubeln?

Skripnik nahm für sich und sein Team in Anspruch, die Niederlagenserie gestoppt zu haben. „Wir haben unentschieden gespielt und nicht verloren“, sagte er und blendete aus, dass das Remis in jeder Hinsicht zu wenig war für Werder. „Wir hätten uns einen Sieg gewünscht – sowohl für unsere Tabellensituation als auch für unsere Fans“, sagte Vestergaard. Die Anhängerschaft musste sich letztlich mit einem Zähler und dem gut gemeinten Weihnachtswunsch zufrieden geben. Im Tableau bleibt Werder einen Punkt über dem Strich – es ist ein Polster, das vor dem Hinrundenfinale am Samstag beim Tabellennachbarn Eintracht Frankfurt mehr beunruhigt als zuversichtlich stimmt.

Zwei Punkte mehr wären am Samstag möglich gewesen – das nicht nur wegen des Elfmeters, den Torjäger Anthony Ujah verschoss und damit das 2:0 verpasste (38.). Entscheidend war, dass die Bremer mit der seltenen Situation, eine Führung mit in die zweite Halbzeit zu nehmen, nicht umgehen konnten. 40727 Zuschauer im Weserstadion – inklusive Thomas Eichin – sahen, wie Werder den Gegner stark machte, nur noch reagierte, statt selbst das Spiel zu machen. Ein Riesenfehler und ein deutliches Zeichen mangelnder Qualität. „Wir haben offensiv nicht so stattgefunden, wie es sein muss, damit du einen Heimsieg verdient gehabt hättest“, grantelte der Manager und stellte der Mannschaft ein schlechtes Zeugnis aus: „Wir haben den Ball nicht vernünftig nach vorne gebracht, konnten uns nicht hinten rauskombinieren. Uns hat die Passsicherheit gefehlt. Wir bekommen den Spagat zwischen sicherer Defensive und guter Vorwärtsbewegung nicht hin.“ Ergänzung: Den eigenen Kasten bis zum Ende sauberzuhalten, hat auch nicht funktioniert. Dusan Svento traf zum Kölner Ausgleich (79.) und vermieste allen Bremern die Laune. „Wir haben uns das selbst eingebrockt“, klagte Vestergaard über die eigene Passivität. Kapitän Clemens Fritz seufzte: „Das Ergebnis ist sehr enttäuschend.“ Wie die gesamte Hinrunde.

Einzelkritik nach dem Köln-Spiel

Trotz des verpassten Sieges kramte Thomas Eichin nach Durchsicht aller Defizite doch noch einen positiven Aspekt hervor. „Vielleicht“, sinnierte er, „ist dieser Punkt irgendwann noch Gold wert.“ Sehr viel wahrscheinlicher wird sich Werder Bremen am Saisonende aber über einen ganzen Berg nicht eingefahrener Heimpunkte ärgern. Vier von maximal 24 Zählern sind es geworden. Übel, übel.

csa

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