Gegen Freiburg geht es nicht nur um Punkte, sondern um Vertrauen, Ruhe, Zuversicht

Es steht viel auf dem Spiel

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Werder-Trainer Robin Dutt muss gegen Freiburg Vertrauen zurückgewinnen.

Bremen - Ein Endspiel? Schon am siebten Spieltag? Logischerweise nicht. Dafür ist die Saison noch zu jung. Aber wenn der Bundesliga-Vorletzte Werder Bremen am Samstag (15.30 Uhr) den Tabellennachbarn SC Freiburg empfängt, dann ist das mehr als ein normales Kellerduell. Für die angeschlagenen Bremer geht es natürlich vor allem um drei Punkte und darum, den Anschluss an das Mittelfeld nicht zu verlieren.

Es geht aber auch um Glaubwürdigkeit, um Ruhe, um Perspektiven und nicht zuletzt um Trainer Robin Dutt. Sieben Gründe, warum Werder am siebten Spieltag unbedingt einen Sieg einfahren muss:

Weil einem ansonsten nicht mehr viele Gegner einfallen, gegen die Werder noch gewinnen könnte.

Gegen Leverkusen, Schalke, Wolfsburg – die zweite Garde hinter den Giganten Bayern und Dortmund – hat es nicht geklappt mit einem Bremer Sieg. Gegen Augsburg, Hoffenheim und Hertha auch nicht. Nun kommt der SC Freiburg, aktuell Drittletzter und nur einen Punkt besser als Werder. Wenn nicht gegen diesen Gegner, gegen wen wollen die Bremer dann überhaupt gewinnen? Gut, gegen den HSV vielleicht, gegen den gewinnt Werder ja (fast) immer. Aber das Spiel ist noch weit weg (23. November). „Und wir brauchen jetzt endlich unseren ersten Erfolg“, sagt der Ex-Freiburger Cedrick Makiadi: „Wir spielen voll auf Sieg – ’was anderes wollen wir nicht.“

Weil das Vertrauen in den Trainer auf neue Tiefstwerte fallen würde.

Die drei Niederlagen am Stück haben Coach Robin Dutt im öffentlichen Ansehen enorm geschadet. Dreht er an den richtigen Schrauben? Hat er dem Team das passende System, die bestmögliche Taktik verpasst? Kennt er den Weg raus dem Schlamassel? Die Zweifel bei Fans und Medien, dass „Ja“ jeweils die richtige Antwort ist, werden immer größer. Geht‘s gut am Samstag, darf sich der 49-Jährige wieder etwas mehr bestätigt sehen. Geht’s jedoch schief, könnte es sein, dass ein Satz des Fußball-Lehrers – gesprochen nach der Pleite in Wolfsburg – keinen Bestand mehr hat. „Für mich wird es nicht eng“, hatte er behauptet.

Weil das angeschlagene Bremer Selbstvertrauen dringend eine Aufbauspritze braucht.

Noch ist das Selbstvertrauen der Bremer Profis trotz Tabellenplatz 17 einigermaßen intakt. Aber die Gefahr ist da, dass es mit einem Rutsch im Keller verschwindet, wenn es auch gegen Freiburg eine Niederlage setzt. Dann wird es dunkel in den Köpfen. „Vor drei Wochen hatte ich noch ein richtig gutes Gefühl, jetzt ist es nicht mehr so gut. Du guckst auf die Tabelle und erschreckst dich“, gibt Stürmer Nils Petersen zu. Kapitän Clemens Fritz hält mit dem verbliebenen Selbstbewusstsein dagegen: „Es ist keine einfache Situation, aber auch nicht unlösbar. Und wir werden sie lösen.“

Weil das Team einen Puffer für die „mission impossible“ in München braucht.

Soviel scheint sicher: Im Spiel nach Freiburg gibt’s erst recht keine Punkte für Werder. Dann müssen die Bremer bei Bayern München antreten – im Normalfall eine „mission impossible“. Und die Formel lautet:

0 Punkte gegen Freiburg +

0 Punkte in München =

Maximale Krise bei Werder.

Weil sich sonst in der Länderspielpause der Frust wie Rost in die Köpfe der Spieler frisst.

Nach der Freiburg-Partie ist erstmal wieder Pause in der Bundesliga. EM-Qualifikationsspiele stehen an. Und Cedrick Makiadi weiß, dass eine Pleite besonders stark und lange nachwirkt. „Nach sechs Spielen ohne Sieg ist nicht alles heiter. Wenn du dann noch mit einem Negativerlebnis in die Pause gehst, ist es zehn Tage lang einfach schwierig. Das wollen wir vermeiden. Mit einem Positiverlebnis ist alles einfacher.“ Oder wie Assani Lukimya es ausdrückt: „Es wäre geil, mit einem Erfolg in die Pause zu gehen.“

Weil Ruhe, Teamgeist und Geduld der Fans nicht grenzenlos belastbar sind.

Ruhig bleiben! Zusammenhalten! So hat Werder in der vergangenen Saison die Herausforderung Klassenerhalt gemeistert. Jetzt wieder? Klar ist: Je länger eine Misserfolgsserie dauert, desto schwieriger ist es, den inneren und äußeren Frieden zu wahren. „Wenn du die Ergebnisse nicht lieferst, ist es mit der Ruhe in jedem Verein der Welt irgendwann vorbei“, ahnt Makiadi. In der Vorsaison war es eine Bremer Stärke, immer dann zu punkten, wenn es sportlich besonders eng und im Umfeld latent unruhig wurde. Lukimya sagt, er sei „sehr optimistisch“, dass dieses spezielle Werder-Talent geblieben ist: „Wir sind schon mittendrin im Abstiegskampf. Aber wir haben uns als Mannschaft weiterentwickelt, spielen besseren Fußball. Wenn wir dieses Plus mit dem Willen verbinden, die Situation so anzunehmen wie in der Vorsaison, dann bin ich mir sicher, dass wir das hinkriegen.“

Weil die bösen Scherze wieder auf Kosten anderer gemacht werden sollen.

Als „Schießbude der Liga“ verspottet zu werden, ist schon nicht schön. Aber als Werder-Fans hat man sich – die Anzahl der Gegentore betreffend – über die Jahre zwangsläufig eine gewisse Leidensfähigkeit angeeignet. Schluss mit lustig ist allerdings, wenn die Nicht-Werder-Getreuen genussvoll Witze über künftige Montagabend-Duelle mit Heidenheim, Aalen oder Sandhausen reißen. Das will niemand hören.

csa

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