Werder feiert 3:1-Erfolg über Hoffenheim

Der gefühlte Klassenerhalt

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Jubel nach dem 3:1 durch Petersen.

Bremen - von Carsten Sander. Gekämpft, gesiegt, gefeiert – mit einem 3:1 (1:1)-Erfolg über 1899 Hoffenheim hat Werder Bremen einen wichtigen, einen riesigen Schritt Richtung Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga gemacht.

Obwohl rechnerisch vor den beiden Spielen der Konkurrenten 1. FC Nürnberg (gegen Bayer Leverkusen) und VfB Stuttgart (gegen Schalke 04) heute noch alles möglich ist, herrschte gestern nach dem Abpfiff eine Atmosphäre im Weserstadion, die der einer Nicht-Abstiegsfeier sehr, sehr nahe kam. Alle jubelten, lagen sich in den Armen, feierten. Auch Sportchef Thomas Eichin, auch Trainer Robin Dutt. Gleichwohl erklärte er das Ziel für noch nicht erreicht: „Solange rechnerisch noch alles möglich ist, können wir nicht sicher sein. Aber wir haben ganz wichtige drei Punkte geholt. Ob es die entscheidenden sind, werden die Spiele von Nürnberg und Stuttgart zeigen.“ 

Der Fixpunkt ist aber der Hamburger SV auf Platz 16. Der Vorsprung auf den Nordrivalen(1:3 gegen Wolfsburg) beträgt mittlerweile neun Punkte, und sollte der Vorletzte Nürnberg heute nicht gewinnen, bliebe der Bremer Abstand auf die Abstiegsplätze bei eben diesen neun Punkten. Nur das miserable Torverhältnis würde dann noch dafür sorgen, dass Werder noch Restzweifel am Klassenverbleib äußern muss. Aber auch wenn Nürnberg punkten sollten, gilt, was Abwehrchef Sebastian Prödl zur Lage der Dinge sagte: „Wir haben jetzt wieder die Pole Position. Wenn wir uns die noch nehmen lassen, sind wir zu blöd für die erste Liga.“ Bayern München auswärts, Hertha BSC daheim, Bayer Leverkusen wieder auswärts – so lautet das Bremer Restprogramm. Mit der Einstellung und der Leistung von gestern würde Werder auch in diesen Partien punkten. 

Die Einzelkritik

Sieg gegen Hoffenheim: Werder in der Einzelkritik

Gegen 1899 Hoffenheim waren die Grün-Weißen gewissermaßen gedopt in die Partie gegangen. Gedopt durch den Willen, die 0:3-Schmach vom Wochenende zuvor in Mainz wiedergutzumachen. Gedopt durch 40 100 Zuschauer im Weserstadion, die schon vor dem Anpfiff eine Stimmung erzeugten, die Prödl mit einem Wort beschrieb: „Gänsehaut“. Auch 1899-Coach Markus Gisdol war beeindruckt: „Was du hier in Bremen mittlerweile erlebst, ist Wahnsinn.“ In den Wahnsinn mischte sich jedoch schon kurz nach dem Anpfiff bleiernes Entsetzen. Denn mit der ersten Chance des Spiels traf Kevin Volland zur Hoffenheimer Führung. Nach einem Einwurf hatte Philipp Bargfrede Firmino ziehen lassen. Dessen Pass erreichte Volland, der den zögerlichen Raphael Wolf aussteigen ließ und aus spitzem Winkel vollendete. Der Rückstand nach nur drei Minuten war ein Tiefschlag für Werder. „Dass wir trotzdem zurückgekommen sind, sagt alles über die Psyche dieser Mannschaft“, meinte Dutt, der vor Stolz zu platzen drohte. 

Jubelbilder aus dem Weserstadion

Jubelbilder aus dem Weserstadion

Nach dem 0:1 entwickelte sich eine Partie, in der Werder als Kollektiv kämpferisch überzeugte, in dem aber auch gleich mehrere Matchwinner aus der Mannschaft herausragten. Philipp Bargfrede war einer davon. Nach 18 Minuten nahm er alle Mut zusammen, hielt aus 20 Metern voll drauf und traf – leicht abgefälscht – in den Winkel. Schon beim spektakulären 4:4 im Hinspiel hatte er getroffen – damals war es sein erster Bundesliga-Treffer, nun sein dritter. In der Folge lieferte Bargfrede im defensiven Mittelfeld das wohl beste Spiel seiner Karriere ab. „Er war heute extrem stark“, lobte Sportchef Thomas Eichin.

Werder-Training am Ostersonntag

Werder-Training am Ostersonntag

Matchwinner Nummer zwei war Santiago Garcia. Mit der gleichen Entschlossenheit, mit der er Werder in der Hinrunde schon beim 3:2 über Hannover 96 und beim 1:0 über Bayer Leverkusen zu Siegen geköpft oder geschossen hatte, rammte der Argentinier in der 78. Minute einen Eckball von Aaron Hunt per Kopf unter die Latte. Das war der Moment, als das Stadion abzuheben drohte. Sieben Minuten aber das Kontrastprogramm – und wieder war Garcia der Grund. Gegen den gerade eingewechselten Anthony Modeste ließ er das Bein stehen – Elfmeter. 

Werder gewinnt gegen Hoffenheim

Werder Bremen gegen 1899 Hoffenheim

Das Stadion stöhnte, bejubelte kurz darauf aber Matchwinner Nummer drei. Sein Name – na klar: Raphael Wolf. Der Keeper parierte gegen Sejad Salihovic, der ihm im Hinspiel noch zweimal vom Punkt bezwungen hatte. Diesmal tauchte Wolf ins linke Eck, wehrte den Schuss des Bosniers ab und hielt so den Sieg fest. Kein Wunder, dass Dutt nach dem Abpfiff als erstes auf Wolf zustürmte und den Mann, den er in der Rückrunde zum Stammtorwart gemacht hatte, innig umarmte und Sätze ins Ohr brüllte, an die er sich partout nicht erinnern wollte: „Ich weiß nicht, was ich da gesagt oder gestammelt habe.“ Ist auch egal, Wolf hatte eh nichts verstanden: „Es war so laut.“ Weil gejubelt wurde ohne Ende. Die Freude war noch durch Nils Petersens Treffer in der Nachspielzeit verstärkt worden. Für den Stürmer war der Treffer als Joker nach seinem Eigentor und seiner miserablen Leistung in Mainz Balsam für die Seele und das erste Heimspieltor der Saison. Vor allem war es aber die Entscheidung in einem intensiven Spiel, in dem beide Teams laut Dutt am Ende „mit Leinen los“ (Zitat Dutt) agierten. 

Leinen los war dann auch das Motto in der „Nachspielzeit“, als die Gegner schon längst unter der Dusche standen. Zunächst versammelte sich das Team zu einem Kreis, dann ging‘s ab in die Ostkurve – sich feiern lassen, aber auch die Fans feiern. „Dieser Sieg“, sagte Eichin, „war vor allem für unsere tollen Fans“.

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