Was fehlt noch bei Werder Bremen?

Nur gefühlt auf Augenhöhe

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Die Mannschaft haben sie umgebaut, aber sind Klaus Allofs (li.) und Thomas Schaaf auch Architekten des Glücks?

Bremen - Es gibt Niederlagen, die sind herrlich simpel zu erklären. Ein bisschen an der Laufbereitschaft rumkritteln, ein wenig die Zweikampfschwäche in den Fokus zerren – fertig ist die perfekte Deshalb-ging’s-schief-Analyse. Wenn es doch immer so einfach wäre.

Bei Werder Bremen ist der Fall komplizierter. Wieso die neuformierte Mannschaft Partien wie die bei Borussia Dortmund (1:2) und Hannover 96 (2:3) verliert, ist eben nicht nach Schema F zu erklären. Denn die Checkliste besagt, dass vom Engagement bis zur Spielfreude alles vorhanden ist. Es findet sich auch bei intensiver Suche einfach kein übergeordnetes Problem. Eigentlich ist alles gut. Nur nicht die Ergebnisse. Oder wie Thomas Schaaf es nach drei Spieltagen zusammenfasst: „Wie die Mannschaft arbeitet, damit bin ich absolut zufrieden. Mit der Punktausbeute bin ich es nicht.“

Der Coach muss schon in die Feinheiten des Fußballs eintauchen, um zu erklären, wieso sich der gefühlte Aufschwung nicht auch in der Tabelle ausdrückt. Werder spielt auf Augenhöhe mit den Spitzenmannschaften, ist mit drei Zählern jedoch nur Elfter. Anhand des späten K.o.-Schlages in Hannover versucht Schaaf zu verdeutlichen, woran es hapert: „Es geht um die richtige Handlung im richtigen Moment. Wann darf ich Risiko gehen, wann muss ich auf Sicherheit setzen? Da müssen wir noch eine bessere Balance finden.“

Dass der jüngsten Mannschaft der Liga dafür die Erfahrung fehlt, wäre nachvollziehbar. Doch Schaaf zieht die durch den radikalen Umbruch inklusive Verjüngungskur eingekehrte Unreife nicht als Argument heran: „Wir haben die Mannschaft, die wir haben. Und die ist gut.“ Aber eben (noch?) nicht gut genug, um bei Meister Borussia Dortmund oder Hannover 96 zu punkten.

Klaus Allofs führt die Suche nach den Gründen zu einem unerforschten Fußball-Phänomen: Wieso hat das eine Team Glück, das andere Pech? „Viele Jahre hatten wir als Spitzenmannschaft dieses Quäntchen Glück, das man braucht, um enge Spiele zu gewinnen. Jetzt müssen wir uns das erst wieder erarbeiten“, meint der Werder-Boss.

Mit dem Glück ist es allerdings noch komplizierter als mit der Fehlersuche. Es gibt unzählige Sprichwörter und philosophische Weisheiten, die mal das eine, mal das andere raten, um ans Glück zu gelangen. Vielleicht ist Werder als Aufmunterung am meisten mit einem Zitat des Schriftstellers Thomas Mann gedient, der einst schrieb: „Das Glück kommt zu denen, die es erwarten. Nur müssen sie die Tür auch offen halten.“

Eines ist sicher: Werder hält die Tür auf – und hofft, dass bei den kommenden Partien mehr als nur Lob und Anerkennung hereinstolpert. Am Sonntag im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, am Mittwoch darauf beim SC Freiburg, vielleicht auch gegen Bayern München, ganz gewiss aber beim FC Augsburg sollten die Punkte bis Mitte Oktober in größeren Mengen durch die Tür und auf das Konto strömen. Sonst setzt möglicherweise doch noch der Negativ-Effekt ein, den bislang niemand befürchtet. Wegen der ersten Frust-Erlebnisse gerate niemand in einen Abwärtsstrudel, werde niemandem die Begeisterung geraubt, sagt Clemens Fritz: „Da habe ich keine Sorge.“ Warum nicht? „Weil es in dieser Mannschaft stimmt. Sie funktioniert“, behauptet er. · csa

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