Schaafs Taktik geht gründlich in die Hose

Gefrierschock für Werder: 0:5-Debakel gegen Dortmund

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Da hilft in der Werder-Mauer kein Recken und kein Strecken: Nach dem Freistoß von Nationalspieler Marco Reus (Nummer elf) schlägt der Ball zum frühen Dortmunder 1:0 im Bremer Netz ein.

Bremen - Von Björn Knips. Aus Träumen werden Alpträume: Der SV Werder ist gestern Abend von Borussia Dortmund im eigenen Stadion eiskalt vorgeführt worden. Das 0:5 (0:2)-Debakel gegen den Double-Gewinner war die höchste Heimpleite seit dem 1:7 gegen Gladbach im März 1987.

Aber es war total verdient – und offenbarte, dass die Bremer von den Topteams auch in der Rückrunde Welten entfernt sind. Sollte heute Fortuna Düsseldorf (gegen den FC Augsburg) mindestens unentschieden spielen und der 1. FC Nürnberg (gegen den Hamburger SV) gewinnen, stürzt Werder von Rang zwölf auf 14 ab. Dann heißt es erst mal Abstiegskampf statt Aufholjagd.

Werder-Coach Thomas Schaaf hatte es tatsächlich getan: Weil Marko Arnautovic gelbgesperrt fehlte, setzte der 51-Jährige auf ein völlig neues 4:2:4-System – ohne Stürmer! Ein Bundesliga-Novum im so offensivverwöhnten Bremen. Und eine Taktik, die gegen diese spielstarken und zunächst ohne Rückkehrer Nuri Sahin angetretenen Dortmunder überhaupt nicht aufging. BVB-Coach Jürgen Klopp hatte sein Team nach dem Studium der Bremer Testspiele bestens eingestellt und durfte schon nach neun Minuten das erste Mal jubeln: Marco Reus schlenzte einen 20-Meter-Freistoß in die Maschen. Keeper Sebastian Mielitz schaute dem Ball nur staunend hinterher – ähnlich wie zuvor seine Kollegen bei der Entstehung des Freistoßes. Dortmund hatte fein gekontert – und Sokratis den Angriff mit einem (wenn auch umstrittenen) Foul an Lewandowski beendet.

Wieder ein früher Bremer Rückstand. Aber Nils Petersen hätte diesen unangenehmen Zustand bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt schnell ändern müssen. Doch von außen allein auf Roman Weidenfeller zusteuernd, schoss er den Ball ins Seitenaus (!) statt ins Tor (10.). Ebenso unglaublich: Das sollte tatsächlich Werders einzige Chance in der ersten Halbzeit bleiben. Es spielte nur noch Dortmund – und wie! Nach einem mal wieder verkorksten Bremer Angriff beförderte der starke Ilkay Gündogan die Kugel perfekt mit einem 40-Meter-Pass zu Kevin Großkreutz, der unbedrängt Mario Götze bediente – und der Nationalspieler vollendete zum 2:0 (19.). Ein bisschen Glück war auch dabei gewesen, Theodor Gebre Selassie hatte den Schuss unhaltbar abgefälscht.

Werder verliert 5:0

Werder Bremen verliert gegen Borussia Dortmund 0:5

Bei Werder ging gar nichts. Lediglich Aaron Hunt und Kevin De Bruyne hatten den Gästen technisch etwas entgegenzusetzen, doch das brachte nichts ein. Denn vorne fehlte viel zu oft eine Anspielstation, weil Petersen ja die rechte Seite beackern sollte.

Mats Hummels (27. und 45.) und Götze (41.) hätten die Partie schon vor der Pause entscheiden können, den Part übernahm dann der Maskenmann: Felipe Santana, der wegen eines Nasenbeinbruchs mit einem Gesichtsschutz spielte, köpfte eine Reus-Ecke ins Tor – 3:0 (48.). Petersen hatte nicht aufgepasst.

Werder drohte ein Debakel – und ausgerechnet jetzt wurde Schaaf wieder mutiger. Er nahm Innenverteidiger Sebastian Prödl vom Platz und brachte Özkan Yildirim – einen 19-jährigen Bundesliga-Debütanten aus Sulingen (54.). Es war zugleich die Rückkehr zum gewohnten 4:1:4:1-System mit Petersen ganz vorne drin. Und siehe da, die Bayern-Leihgabe hätte fast sofort getroffen, doch seinen Kopfball lenkte Weidenfeller gerade noch über die Latte (59.). Zehn Minuten später war für Petersen vorne aber schon wieder Schluss. Schaaf wollte dort nun Josepha Akpala sehen – doch sehenswert waren nur noch die Dortmunder. Die Gäste schalteten wieder einen Gang hoch und ließen die Bremer sowohl beim 4:0 von Robert Lewandowski (81.) als auch beim 5:0 von Jakub Blaszczykowski (85.) wie hilflose Statisten aussehen.

Die zahlreichen BVB-Fans im mit 42 100 Zuschauern ausverkauften Weserstadion waren begeistert, sorgten für eine Heimspiel-Atmosphäre. Ihre grün-weißen Kollegen verzichteten trotz des rabenschwarzen Abends auf Pfiffe, aus der Ostkurve kamen stattdessen Schmähgesänge gegen den Hamburger SV – den Gegner am nächsten Sonntag.

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