In der Ruhe liegt die Kraft – wie Trainer Schaaf mit der massiven Kritik umgeht

„Gedanken über meine Person sind nicht mein Hut“

Konzentriert sich lieber auf seine Arbeit, anstatt sich mit der Kritik an seiner Person zu beschäftigen: Trainer Thomas Schaaf.

Werder-Bremen - Von Arne Flügge (Eig. Ber.) · Es war so wie immer. Thomas Schaaf schlenderte unaufgeregt durch den Medienraum, warf einen kurzen Blick auf die Tabelle, dann sein Schlüsselbund aufs Podium, setzte sich und wartete auf die Fragen der Journalisten. Die sportliche Krise von Werder Bremen war dem Trainer während der wöchentlichen Pressekonferenz zumindest äußerlich nicht anzumerken. Doch wie sieht’s tief drinnen im 48-Jährigen aus? Wie geht Schaaf mit der Pleitenserie um? Wie mit der massiven Kritik, die in den vergangenen Tagen auch auf ihn eingeprasselt ist? „Ich bin ruhig“, behauptet der Coach fast schon trotzig.

Einen panischen Schaaf kann sich ohnehin niemand vorstellen. Nicht blinder Aktionismus, sachliche Analysen sind sein Ding. Nur wenn er irgendwo Ungerechtigkeiten wittert, fährt er mal aus der Haut. Ansonsten prallen äußere Einflüsse an ihm ab wie der Flummi von der Wand. Ganz besonders in Krisenzeiten. Er sei ruhig, „weil ich weiß, wie wir gearbeitet haben und die Dinge angehen“, erklärt der 48-Jährige: „Keiner belächelt die Situation und geht sie locker an.“

Schaaf hat in den Trainingseinheiten der vergangenen Tage herausgefiltert, dass die Mannschaft den unbedingten Willen demonstriert hat, morgen (20.30 Uhr) im Heimspiel gegen Hertha BSC endlich die Wende zum Guten zu schaffen. „Es ist nicht so, dass man den Spielern nur etwas vorgeblabbert hat und keine Rückmeldung bekommt“, sagt Schaaf. Die Mannschaft sei selbst erschrocken gewesen, wie sie sich in Gladbach präsentiert hat. Jetzt müsse jeder seine Qualitäten einbringen, um das Gesamtgefüge zu stärken und zu verbessern. „Wenn ich das Gefühl habe, und ich habe das Gefühl, dass alle mitmachen, dann kann ich auch relativ ruhig sein“, lautet Schaafs Credo.

In der Ruhe liegt also die Kraft. Nicht nur, entgegnet Schaaf: „Was unsere Aufgaben angeht, bin ich schon sehr angespannt und konzentriert. Ich muss ständig wachsam sein.“

Und wie geht Schaaf mit der harschen Kritik an seiner Person um? Lässt die ihn kalt? „Ich mache meinen Job, dokumentiere mich dadurch. Schließlich bin ich ja nicht erst drei Wochen hier, sondern schon ein bisschen länger“, zeigt der Werder-Coach ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein: „Ich brauche mich nicht zu erklären.“

Natürlich sei er sich bewusst, „dass wir uns in keiner einfachen Situation befinden“, doch sich Gedanken über seine Person zu machen, „das ist nicht mein Hut. Mein Hut ist meine Arbeit“.

Zudem, so Schaaf, könne er „sachlich und ruhig“ mit der Lage umgehen, weil „ich von meinem Umfeld und dem Verein die absolute Rückendeckung habe. Ich glaube, diejenigen, die mit mir zusammengearbeitet haben, wissen mich inzwischen einzuschätzen, sie wissen wofür ich stehe, sie kennen meine Praktiken.“

Schon nach der Gladbach-Pleite hatte sich Werder-Sportchef Klaus Allofs („Allein die Frage nach Thomas Schaaf ist lächerlich“) demonstrativ vor seinen Trainer gestellt, Spieler wie Mesut Özil und Torsten Frings hatten ihrem Coach ebenfalls Geleitschutz gegeben. Werders Aufsichtsratschef Willi Lemke springt dem Trainer jetzt auch noch zur Seite. „Thomas Schaaf steht überhaupt nicht zur Diskussion“, erklärte der 63-Jährige in der „Sport Bild“: „Er sitzt fest im Sattel, macht hervorragende Arbeit und hat sich auch nicht abgenutzt. In unserer Situation ist nicht Hektik oder Chaos angesagt, sondern Ruhe.“

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