Vor WM-Finale: Gastkommentar des Ex-Werder-Stürmers 

Petersen: „Die Lokomotive Mbappe kannst du nicht aufhalten“

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Nils Petersen sieht Frankreich in der Favoritenrolle im WM-Finale gegen Kroatien.

Von Nils Petersen. Wochenlang, auch ohne nur einen Gedanken daran zu hegen, möglicherweise selbst Teil des DFB-Teams sein zu können, hatte ich als Fußball-Fan auf die WM hingefiebert.

Kurz vor dem Ende des Turniers muss ich mir aber eingestehen: Ich habe die Spiele dann doch nicht wirklich aufgeregt verfolgt oder meine Termine so gelegt, um ab 16 Uhr couchbereit Fußball suchten zu können. Hat es an den Nebengeräuschen beim DFB oder meinem politischen Wissen hinsichtlich Russland gelegen? Oder doch an meiner persönlichen Niederlage mit der Nichtberücksichtigung kurz vor dem WM-Start? Ich weiß es nicht.

So oder so bin ich aber natürlich Fußballer genug, um Sonntag, 17 Uhr, alles andere ruhen zu lassen und den Besten zuzusehen. Kroatien hat es mir angetan: Diese Mentalitätsmonster Rebic und Mandzukic, dahinter die eleganten Rakitic und Modric. Wer sie auf dem Zettel für das Finale hatte - Respekt!

Frankreich ist der klare Favorit 

Spanien, Deutschland und Brasilien hatte ich sicher im Halbfinale gesehen. Ich Ahnungsloser! Die Franzosen sind für mich jetzt der klare Favorit. Hinten robust, Griezmann für besondere Momente und der elegante, aber hart arbeitende Pogba als Mentor für das Wahnsinnstalent Mbappe. Diese Lokomotive auf der rechten Seite kannst du nie und nimmer 90 Minuten aufhalten. Wenn einer die Plattform WM als Schaufenster genutzt hat, dann er! Aber da Neymar so viel gekostet hat und ein Ü30-Ronaldo auch noch über 100 Millionen und ein paar Fiats einbringt, braucht es in Spanien oder England wohl einige Geldkoffer, um sich Turbo-Mbappe leisten zu können.

Neben den Finalisten haben mir die Belgier mit einem bärenstarken Hazard und Russland mit Antreiber Cheryshev imponiert. Die einen begeistern mit ihrer Spielweise, die anderen mit ihrer absoluten Hingabe, auch wenn Russland gegen Spanien 120 Minuten fast nur hinterhergelaufen ist. Christian Streich nennt das immer Frustationstoleranz - passt wohl an dieser Stelle.

Was mir außerdem aufgefallen ist: Die Spiele werden immer enger, die sogenannten Kleinen holen auf. Verteidigen kann mittlerweile jeder und Standards gewinnen mehr denn je an Bedeutung. Das haben dieses Jahr viele Favoriten zu spüren bekommen, die vorzeitig nach Hause geschickt wurden. Temporär hat der gearbeitete, einfache Fußball über das Ballbesitzsystem der „Großen“ gesiegt.

Ex-Bremer Nils Petersen steht beim SC Freiburg bis 2021 unter Vertrag.

Nehmen wir Schweden als Beispiel: An deren Spielweise sieht man, dass Fußball trotz der neuen Entwicklungen oft dann doch ein simpler Sport ist, der relativ systemfrei über Einwürfe, Ecken, Freistöße und unkonventionelle Hereingaben aus dem Halbfeld entschieden werden kann. Es ist nicht alles vom System her planbar – die gute, alte Brechstange kann eben auch helfen.

Wenn die „Großen“ das verinnerlichen und mit ihrer individuellen Klasse kombinieren, werden es die Außenseiter auch wieder schwerer haben. Vielleicht schon im katarischen Winter – ich hoffe dann auf mehr (persönliche) Euphorie und einen besseren Ausgang für Deutschland. Jetzt aber zurück in die Gegenwart, Fokus auf das Finale 2018: Am Sonntag gönne ich es gerne Kroatien, tippe aber auf die abgezockten und viel zu schnellen Franzosen.

Zur Person: Der 29-jährige Stürmer kam 2012 vom FC Bayern München zum SV Werder Bremen. Für die Grün-Weißen erzielte er in 72 Pflichtspielen 18 Tore und bereitete neun weitere vor, ehe er im Januar 2015 zum Bundesliga-Konkurrenten SC Freiburg transferiert wurde. Im Breisgau ist Petersen – wie auch schon im Bremen – Publikumsliebling. Seine Bilanz: 117 Pflichtspiele, 64 Treffer, 12 Assists. Bemerkenswert: Mit 20 Toren als Einwechselspieler ist Petersen der erfolgreichste Joker der Bundesliga-Geschichte.

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Quelle: DeichStube

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