„Gas geben oder gehen“

Deutliche Worte vom Trainer: Thomas Schaaf (re.) hat seinen Stürmer Sandro Wagner (li.) gestern im Training zusammengefaltet.

Von Arne Flügge · Das Donnerwetter kam aus heiterem Himmel und brach wie der Urknall über Sandro Wagner herein. Als sich der Stürmer von Werder Bremen gestern Morgen im Training wieder einmal nicht an die taktischen Vorgaben des Trainers gehalten hatte, rannte Thomas Schaaf wie ein Irrwisch auf ihn zu.

Er bremste kurz vor Wagner ab und faltete den 1,94-Mann vor versammelter Mannschaft wütend und wild gestikulierend so lautstark auf die Größe einer Briefmarke zusammen, dass Schaafs Anpfiff für seinen Profi noch auf dem Osterdeich zu hören war. Wagner stand da wie ein begossener Pudel, starr vor Schreck.

Warum genau er diese Standpauke erhalten hatte, darüber wollte Wagner später nicht sprechen. Wortlos zog er von dannen; allein mit sich und seiner Situation. Und die ist momentan alles andere als zufrieden-stellend. Weder für den Spieler noch für den Trainerstab. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft beim 23-Jährigen eine Riesenlücke, was auch die Geduld der sportlichen Leitung auf eine Zerreißprobe stellt.

Die Bilder vom Dienstag-Training

Werder-Training am Dienstag

Die unnötige Gelb-Rote Karte im letzten Spiel der Hinrunde gegen Kaiserslautern habe ihm nicht geholfen, seine Situation zu verbessern, machte Co-Trainer Wolfgang Rolff, der den Rüffel für Wagner als „Wachrütteln“ bezeichnete, deutlich. „Und wenn ich weiß, dass ich dann im ersten Spiel der Rückrunde nicht dabei bin, muss ich doppelt so hart trainieren, um wieder ranzukommen“, forderte der Assistent von Schaaf. Doch das scheint Wagner nicht zu tun. Eventuell, so mutmaßt Rolff, komme der Spieler auch mit der Situation nicht klar, dass Werder nach dem Verkauf von Hugo Almeida in Denni Avdic einen weiteren Stürmer verpflichtet hat. „Vielleicht hat er das Problem, dass er gedacht hat: Nach dem Weggang von Almeida bin ich jetzt hinter Pizarro und Arnautovic Stürmer Nummer drei – und dann ist er doch nur Nummer vier oder fünf“, sagte Rolff, der es aber nicht akzeptiert, wenn sich ein Spieler dann in sein Schicksal fügt. „Wenn ich sehe, ich komme nicht weiter, es reicht nicht für den Kader und ich bin nicht zufrieden, dann gibt es für mich nur zwei Dinge“, meinte Rolff: „Gas geben oder den Verein wechseln. Dann muss ich mir Gedanken machen. Bis zum 31. Januar ist das Transferfenster ja noch geöffnet.“

Harter Tobak. Doch noch sind die Überlegungen im Club nicht so weit gereift, Wagner noch im Winter auszuleihen. „Bisher haben wir nicht daran gedacht“, sagte Sportdirektor Klaus Allofs gestern. Allerdings räumte der 54-Jährige ein, mit Wagner bislang nicht wirklich zufrieden zu sein. „Er hat selbst die Messlatte sehr hoch gelegt, als er sagte, dass es nicht viele Spieler seiner Art in der Liga gibt, wenn er fit ist. Das muss er jetzt unter Beweis stellen“, forderte Allofs. Bisher ist Wagner diesen Nachweis trotz 16 Einsätzen in der Hinrunde schuldig geblieben. Allofs: „Er muss seine Chancen nutzen, die Tore machen. Und er muss seine Aufgaben im Spiel noch besser übernehmen.“ Im Prinzip also muss Sandro Wagner alles besser machen . . .

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