Frings: Stationen einer tollen Karriere

Frings: Stationen einer tollen Karriere - Der ganz große Titel fehlt

Vizeweltmeister: Frings im Jahr 2002. ·

Bremen - Torsten Frings hatte es nicht immer leicht – und seine Teamkollegen und Vorgesetzten hatten es nicht immer leicht mit Torsten Frings. Der 34-Jährige ist ein großer Fußballer mit sensationellen Erfolgen, aber gewiss kein einfacher Charakter.

Er ist ein harter Hund, ein Heißsporn. Besessen vom Erfolg eckt er immer wieder an, kritisiert gerne, oft und auch öffentlich. Englands früherer Stürmer-Star Alan Shearer sagte einmal über Frings: „Manche sagen, eure Spieler seien zu weich für die Premier League. Man sollte es aber nicht zu laut sagen, wenn Torsten Frings gerade vorbeikommt.“

Bubi im Werder-Trikot: Torsten Frings 1997. ·

Über den heutigen Kreisligisten RW Alsdorf und dessen Nachbarclub Rhenania kommt Frings 1990, damals 13-jährig, zur Alemannia aus Aachen. Im Januar 1997 heuert er bei Werder Bremen an. Es wird ein holpriger Start für Frings. Während er vorgestellt wird, bricht jemand das Auto seines Beraters Norbert Pfippen auf und klaut ein superteures Autotelefon. Im ersten Training ruft der Neuling Spielmacher Andreas Herzog rotzfrech zu: „Gib den Ball her, du Lutscher.“ Seitdem hat Frings seinen Spitznamen weg.

Frings lebt sich gut ein an der Weser. Doch als im Oktober 1998 Felix Magath Trainer wird, kriselt es in der Karriere des Mittelfeldspielers. Die Dickköpfe Magath und Frings verstehen sich nicht, der Coach verbannt ihn auf die Tribüne. Freunde werden die beiden nicht mehr.

Im Mai 1999 wird alles besser: Thomas Schaaf kommt für Magath. Frings darf wieder spielen. Im Februar 2001 dann der vorläufige Karrierehöhepunkt: das erste Länderspiel im Pariser Stade de France gegen Frankreich (0:1). „Mein Traum hat sich erfüllt“, erklärt Frings.

Das erste große Wechseltheater startet im April 2002. Frings will mehr: Geld, Champions League und Titel – kurz: Er will nach Dortmund. Und wettert: „Wenn der Verein vernünftig ist, sollte er mich ziehen lassen.“ Erst als neun Millionen Euro Ablöse fließen, lenkt Werder ein.

In der Nationalelf ist Frings inzwischen eine feste Größe. Bei der WM 2002 in Südkorea und Japan macht er jedes Spiel. Den WM-Pokal verpasst die DFB-Elf aber knapp – 0:2 heißt es im Finale gegen Brasilien.

Bei Meister Dortmund fühlt Frings sich wohl, doch die großen Titel bleiben aus. Bitter zudem: Im Juli 2003 reißt er sich das Kreuzband, fällt ein halbes Jahr aus. Frings kämpft sich zurück – und weckt das Interesse der Münchner Bayern. Im Sommer 2004 folgt der Wechsel an die Säbener Straße. Offiziell freut sich Frings „total“. Inoffiziell wäre er lieber in Dortmund geblieben. Die mussten ihn aber aus finanziellen Gründen verkaufen. Neun Millionen Euro spült sein Wechsel letztlich in die klammen BVB-Kassen.

Frings wird Stammspieler an der Isar, holt neben dem Pokal auch endlich die ersehnte Meisterschale. Doch glücklich wird er nicht. Nach einem Jahr beim „FC Hollywood“ flüchtet er wieder Richtung Bremen – erneut ein Wechsel im Streit, erneut mit Trainer Felix Magath. Frings: „Ich wäre auch zu Fuß nach Bremen gelaufen.“ Frings ist „erleichtert“, wieder an der Weser zu sein. Und „Lutscher“ entschuldigt sich: „Ich habe bei meinem Abschied damals blöde Sachen gesagt.“

Nach wochenlanger Verletzungspause im Frühjahr wegen einer Wadenbeinfissur folgt im Sommer 2006 wahrscheinlich der Höhepunkt – und gleichzeitig die wohl bitterste Erfahrung seiner sportlichen Laufbahn: die WM im eigenen Land. Frings ist auf dem Zenit seiner Karriere, er ist Leistungsträger, führt das DFB-Team bis ins Halbfinale. Dort darf er aber – weil gesperrt – nicht mitspielen.

Bei Werder läuft’s, der Club spielt oben mit. Trotzdem kokettiert Frings im Frühsommer 2007 mit einem Wechsel zu Juventus Turin. Ehefrau Petra und vor allem ein Gespräch mit Trainer Schaaf lassen ihn sich dann aber doch für Bremen entscheiden.

Torsten Frings

Torsten Frings

Im Sommer 2008 fährt Frings als Stammspieler und Leistungsträger zur EM nach Österreich und in die Schweiz, verletzt sich aber im letzten Spiel der Gruppenphase – ein Rippenbruch. Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes übernehmen seinen Part. Sie machen ihre Sache gut und leiten damit das Ende der Frings’schen Nationalmannschaftkarriere ein. Erst im Februar 2009 darf er gegen Norwegen (0:1) wieder ran – es wird sein 79. und letzten Spiel. Elf Monate später teilen ihm Löw und Co-Trainer Hansi Flick im Bremer Parkhotel mit, auf jüngere Spieler zu setzen. Frings ist stocksauer.

Im Herbst 2010 sprechen sowohl Werder als auch Frings von einer Verlängerung des 2011 auslaufenden Vertrags. Doch zum Abschluss wird es nicht mehr kommen. Erst verkündet der Spieler, er habe keinen Bock mehr auf Fußball, dann, als die Lust zurück war, will der Verein den Spieler nicht mehr. · ole

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