Die ganz besondere Vorbereitung auf den Kracher gegen Wolfsburg / Skripnik will negative Statistik ausmerzen

Werder im falschen Film, weil die Familie auch mal vorgeht

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Viktor Skripnik erlebte am Donnerstag einen ganz speziellen Fernsehabend.

Bremen - Nein, mit Europa will Werder wirklich noch nichts zu tun haben. Beim Europa-League-Auftritt des VfL Wolfsburg in Lissabon am Donnerstagabend schauten die Bremer fast geschlossen weg. Trainer Viktor Skripnik entschied sich aus Liebe zu seiner Tochter für eine russische Schnulze auf DVD, und Mittelfeldspieler Felix Kroos ging ins Kino. Theodor Gebre Selassie und Assani Lukimya hatten zwar Fußball laufen, doch der eine die Konferenz aus acht Partien – und der andere ließ sich von seiner kleinen Tochter ablenken, die nicht schlafen wollte. Ausgerechnet Fin Bartels gab sich die volle VfL-Dröhnung, der ist morgen im Heimspiel gegen Wolfsburg (17.30 Uhr) aber gesperrt.

Ist das von Werder vor einem Bundesliga-Spiel wirklich professionell? „Ich habe in den letzten Tagen so viel Wolfsburg gesehen“, verteidigt sich Skripnik: „Ich habe immer gesagt, Fußball ist eine gute Geschichte, aber es gibt auch die Familie.“ In diesem Fall war es die Tochter, die mit ihrem Freund zu Besuch war. „Wir haben einen russischen Film geguckt. Ein Melodram, bei dem du einschlafen kannst. Ich habe natürlich gedacht: ,Da läuft jetzt Fußball, und ich muss hier sitzen.‘ Aber Papa muss nett sein – und meine Tochter hat sich bedankt.“

Als der Besuch dann fort war, griff der Ukrainer sofort zur Fernbedienung und schaute sich die aufgenommene Wolfsburger Nullnummer im Schnelldurchlauf an. Wirklich neue Informationen bekam Skripnik nicht. Brauchte er auch nicht. Der 45-Jährige wusste auch schon vorher, was auf sein Team morgen zukommt. „Die haben Weltklasse-Fußballer, bei denen läuft gerade alles. Und vorne haben sie eine Granate. Die sind echt gefährlich“, warnt Skripnik – und dabei ganz speziell vor Bas Dost. Der Niederländer hat in den ersten fünf Spielen nach der Winterpause neun Tore geschossen. Das ist Bundesliga-Rekord.

Aber Skripnik wäre nicht Skripnik, wenn er bei allem Respekt vor dem Tabellenzweiten nicht auch die eigene Stärke betonen würde: „Wir haben schon gegen andere attraktive Gegner wie Leverkusen und Schalke nicht verloren.“ Außerdem habe Werder unter seiner Regie in zwölf Partien 26 Punkte gesammelt, Wolfsburg im gleichen Zeitraum 30 Zähler – und das als Spitzenmannschaft. Natürlich gäbe es einen Plan, wie der VfL zu knacken ist, „aber auf dem Flipchart kannst du auch den FC Barcelona besiegen“. Entscheidend sei nun einmal auf dem Platz – und da müsse sich jeder Spieler immer wieder fragen: „Warum soll mein Gegner besser sein als ich?“ Und dann: Attacke!

Gestern im Training ließ es Skripnik ordentlich krachen, immer wieder schickte er seine Spieler in die Zweikämpfe. So soll auch Wolfsburg mürbe gemacht werden. Zumal die Gäste alles andere als frisch nach Bremen kommen dürften. Schließlich ist es ihre vierte Partie in zwei Wochen. „Natürlich hoffen wir, dass sie müde sind“, sagt Skripnik. Es ist nicht sein einziger Wunsch. Mit Blick auf den zuletzt überragenden Kevin De Bruyne hofft der Coach, „dass er vielleicht einen schwarzen Tag erwischt und wir im Himmel sind“.

Doch einen wirkungslosen De Bruyne kann sich Felix Kroos nicht vorstellen. „Der ist immer für eine entscheidende Szene gut“, sagt er über seinen Ex-Kollegen. Alleine sei der Belgier kaum zu stoppen. „Da müssen wir uns helfen“, fordert der Sechser: „Wenn er einen ausgespielt hat, muss der nächste schon da sein und dann notfalls der nächste.“ Das gelte nicht nur für De Bruyne, sondern für das ganze Spiel. Auf der einen Seite die überragenden Individualisten, auf der anderen Seite „unsere geschlossene Mannschaft – und das ist das Entscheidende im Fußball“, glaubt Kroos. Und er baut auf die Heimstärke: „Wir haben hier schon ewig nicht verloren. Wir werden unser Stadion verteidigen!“

Unter Skripnik ist Werder an der Weser noch unbesiegt. Doch jetzt kommt Wolfsburg – der Angstgegner. Der Coach nennt selbst die Statistik: „Wir haben hier sieben Mal gegen Wolfsburg gewonnen, aber acht Mal verloren. Jeder weiß, was wir uns da wünschen.“

Mit einem Sieg dürfte Werder den Abstiegskampf endgültig abhaken und von Europa träumen. „Falsch“, sagt Kroos: „Wir sind es gar nicht mehr gewohnt nach oben zu gucken und werden das vorerst auch nicht machen.“ Denn mit Europa will Werder nichts zu tun haben – noch nicht.

kni

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