Bayern-Coach vor dem Finale noch in Meisterlaune / Werders „Farben-Vorteil“

Gags von van Gaal und die vage Bremer Hoffnung

Nicht mal gucken und schon gar nicht anfassen: Thomas Schaaf würdigt den Pokal, den er heute Abend so gern gewinnen würde, keines Blickes.

Berlin - Von Carsten Sander · War er falsch? Louis van Gaal vermutete so etwas. Als er gestern am Berliner Olympiastadion vorfuhr, „habe ich nur grüne Fahnen gesehen – ich dachte, ich bin in Bremen.“

Guter Witz. Er ist es natürlich nicht. Die grünen Fahnen gehören zum DFB, nicht zu Werder. „Aha“, meinte der Trainer des FC Bayern München nach einer Nachhilfe in Sachen Farbenlehre: „Aber das ist doch ein Vorteil für Bremen…“

Mit Schoten dieser Art sorgte der Niederländer gestern für Heiterkeit auf der Pressekonferenz vor dem Traumfinale im DFB-Pokal zwischen Titelverteidiger Werder und Meister Bayern (heute/ 20.00 Uhr/ZDF live). Alle lachten über und mit van Gaal. Auch Werder-Coach Thomas Schaaf und Bremens Clubchef Klaus Allofs, die nur zwei Meter entfernt in direkter Nachbarschaft zu dem Bayern-Coach saßen.

Dass man sich am Ende dieser Saison noch einmal so nahe kommen würde, hatte zum einen symbolischen Charakter. Denn Werder war in einem fulminanten Schlussspurt noch auf Platz drei der Tabelle vorgeschossen – gar nicht so weit weg von den Münchnern. Zum anderen war es – glaubt man van Gaal – sogar abgesprochen. Als sich die beiden Teams nämlich in ihren Winter-Trainingslagern in Dubai zu einem TV-Talk trafen, „haben wir verabredet, uns in Berlin wiederzusehen. Das hat geklappt“, plauderte der 58-Jährige aus. „Schön, wenn das einfach so geht“, schmunzelte Schaaf: „Das können wir für die nächsten Jahre gern so weitermachen.“

Die Fans beider Lager hätten gewiss nichts dagegen. Schließlich ist die Paarung Werder kontra Bayern eine der reizvollsten, die der deutsche Fußball zu bieten hat. Traditionell und erst recht im aktuellen Kontext. Während die Bayern das „Triple“ aus Meisterschaft, Pokal und Champions League anstreben, gefällt sich Werder einmal mehr in der Rolle des kleinen Herausforderers, der zum großen Spielverderber werden könnte. „Es wird schwer, den Erfolgsrhythmus der Bayern zu brechen, aber wir werden es versuchen“, sagte Per Mertesacker.

Seine Hoffnung: Die Bayern sind heute in Gedanken schon beim Champions-League-Finale am kommenden Samstag in Madrid gegen Inter Mailand und gegen Werder nicht voll bei der Sache. „Darauf“, so Mertesacker, „setze ich schon ein bisschen.“ Nicht aber sein Kapitän. Torsten Frings widerspricht gar energisch: „Die Bayern haben doch das Champions-League-Finale vor Augen, da kann sich kein Spieler Schwächen erlauben, dann fliegt er aus der Mannschaft.“

Selbstverständlich würde Louis van Gaal so handeln. Er macht klar: Nachlässigkeiten wird’s in seiner Mannschaft nicht geben. „Wir sind hier – dann ist es auch schöner zu gewinnen als zu verlieren.“ Außerdem will sich niemand beim FC Bayern das Stimmungshoch nach der Meisterfeier kaputtmachen lassen – schon gar nicht „Feier-Biest“ van Gaal. Auf dem Marienplatz hatte er vergangenen Sonntag den Entertainer gegeben, gestern tat er’s auch. „Gerne“, sagte er, „würde ich auch in Deutschland Pokalsieger werden.“ In Holland und Spanien hat er schon „Pötte“ gesammelt, nun will er das dritte Kreuz auf seiner persönlichen Landkarte des Erfolges machen. Obwohl er noch nie ein deutsches Pokalfinale bestritten hat, ist ihm längst klar: „Hier ist der Stellenwert dieses Titels viel höher als in Spanien oder Holland.“

Das gefällt ihm. Ebenso, was er gestern während der Pressekonferenz in einem Video-Potpourri über 25 Jahre Pokalendspiel in Berlin zu sehen bekam. Oder besser: was er nicht sah: „Da war gar kein Paulaner dabei – das ist gut…“

Auch der Gag zündete, denn jedem ist noch vor Augen, wie der Bayern-Coach am vergangenen Samstag nach dem Münchner Meisterstück bei der Hertha und den obligatorischen Duschen durch die Spieler biertriefend das Olympiastadion verlassen hatte. Ähnlich wie Schaaf ein Jahr zuvor. Damals gab es sogar eine Bremer Bier-Orgie – erst in Berlin, dann daheim bei der wilden Feier auf dem Rathausbalkon. Auch wenn der Trainer das nicht unbedingt angenehm fand: Eine Wiederholung ist ausdrücklich erwünscht.

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