Augsburgs Kapitän Baier über Abstiegsangst, Europa und Helene Fischer

„Für Bremen eine Tragödie“

Daniel Baier ist auch im Abstiegskampf gut gelaunt, möchte aber nach dem Bremen-Spiel keine Partymusik im Weserstadion hören.

Augsburg/Bremen - Vor einem Jahr hat ihn die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ als „unauffälligsten Star der Bundesliga“ bezeichnet. Denn Daniel Baier rockte mit dem FC Augsburg die Liga, ohne dabei große Töne zu spucken. Das ist nicht sein Ding. Auch nicht in schlechten Zeiten. Dafür gibt es klare Aussagen vom Kapitän des FCA zum Abstiegsduell Samstag beim SV Werder (15.30 Uhr) und zu den möglichen Folgen einer Bremer Zukunft in der Zweiten Liga.

Herr Baier, in Bremen und umzu wird kräftig gezittert, wie ist die Stimmung in Augsburg?

Gezittert wird hier nicht. Es wird mitgefiebert. Jedem ist die Situation bewusst, aber wir sind optimistisch, weil wir die Sache selbst in der Hand haben. Natürlich brauchen wir Punkte, in Bremen gibt es die nächste Chance dazu.

In Bremen wird ein möglicher Abstieg von Werder als Super-GAU bezeichnet, weil die ganze Stadt von Werder lebt. Was würde denn ein Abstieg für Augsburg bedeuten?

Ganz ehrlich, damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Aber als Außenstehender würde ich schon sagen, dass es für Bremen eine Tragödie wäre. Denn bei Bremen denkt man immer sofort an Bundesliga und auch an tolle Europapokal-Nächte. Da ist viel Tradition, das ist ein super Club. Ich kann schon gut verstehen, dass das viele schmerzen würde. Aber wir in Augsburg müssen in diesem Punkt egoistisch sein – Hauptsache, wir bleiben drin.

Sie sind 31 Jahre alt, der Sechser und zurzeit wegen des Ausfalls von Paul Verhaegh auch Kapitän – also sozusagen der Clemens Fritz des FCA. Spüren Sie auch diesen besonderen Druck eines Führungsspielers?

Nein, nicht wirklich. Den Druck mache ich mir am meisten sowieso selbst, weil ich mit Leistung vorangehen will – gerade als erfahrener Spieler.

Sie haben neulich in einem Interview gesagt, dass Sie innerhalb der Bundesliga nicht mehr wechseln wollen – warum?

Der FC Augsburg ist mein Verein geworden. Ich sehe keinen Grund, noch mal in Deutschland zu wechseln. Okay, das Ausland wäre mal eine andere Geschichte, um neue Erfahrungen zu sammeln. Aber das ist momentan echt nicht mein Thema.

Ein großes Thema ist Ihr Trainer Markus Weinzierl, der bei vielen Clubs gehandelt wird. Wie sehr stört das die Konzentration in Augsburg?

Die Mannschaft beschäftigt sich überhaupt nicht damit. Es ist doch klar, dass bei so einem jungen, erfolgreichen Trainer viel spekuliert wird. Da habe ich auch nichts dagegen, ich halte mich da raus.

Hätten Sie im Nachhinein lieber auf die Europa League verzichtet, um sich den Abstiegskampf zu ersparen?

Nein, gar nicht. Dieses Jahr ist einfach etwas Besonderes, weil Augsburg zum ersten Mal international dabei war. Eine überragende Erfahrung, wir haben uns sehr, sehr gut verkauft, die Gruppenphase überstanden und dann das Highlight gegen Liverpool gehabt. Das möchte ich nicht missen. Wir haben ja auch nicht besser gespielt, seitdem wir in der Europa League ausgeschieden sind. Also heißt das doch, dass es nicht an der Doppelbelastung lag, warum wir nicht so viele Punkte geholt haben.

Woran lag es dann?

Das ist auch eine Kopfsache. Jeder will unbedingt alle Spiele machen, dem einen oder anderen ist es aber vielleicht auch wichtiger, in der Europa League zu spielen. Der gibt dann am Wochenende in der Bundesliga unbewusst nicht mehr 100 Prozent. Vielleicht haben wir uns auch ein bisschen auf der guten Vorsaison ausgeruht. Aber hinterher ist man ja immer schlauer . . .

Können Sie sich noch an den 2. März 2013 erinnern?

Nicht wirklich – aber, wenn Sie mich das fragen, werde ich da wohl ein Tor gegen Bremen geschossen haben.

Das nicht, aber Sie haben mit Augsburg 1:0 in Bremen gewonnen – und es war ein ähnliches Abstiegsduell wie jetzt. Klappt die Wiederholung?

Baier: Unser Ziel ist es auf jeden Fall, in Bremen zu punkten, am besten zu gewinnen. Aber wir wissen auch, dass Bremen eine super Mannschaft hat. Bremen hat auch seine Probleme, sonst wären sie nicht da unten mit dabei. Wir müssen einfach zeigen, dass wir mehr wollen, mehr reinwerfen als der Gegner. Da steht schon viel auf dem Spiel.

Fällt da bereits eine Vorentscheidung?

Nein, es kann noch viel passieren. Aber wenn Bremen gewinnt, dann machen sie einen guten Schritt. Umgekehrt wäre es genauso.

Sie haben von Bremer Problemen gesprochen, welche meinen Sie?

Gerade, wenn du eine qualitativ gute Mannschaft hast und dann unten stehst, muss etwas schief gelaufen sein. So wie auch bei uns. Diese Problemchen des Gegners muss man ausnutzen. Darauf kommt es jetzt an.

Ganz anderes Thema: Sie sind Hobby-DJ, welches Lied würden Sie vor dem Spiel in Bremen auflegen?

Es stimmt schon, ich habe daheim ein Mischpult und für mich mal was gemacht. Aber mit den Kindern bleibt dafür nicht mehr viel Zeit. Was vor dem Anpfiff gespielt wird, ist mir ehrlich gesagt auch egal.

Und nach dem Spiel?

Ich hoffe, dass im Stadion keine Partymusik gespielt wird, dann dürften wir gewonnen haben . . .

Noch eine Musikfrage: Ihr Wunsch war es mal, Helene Fischer zu treffen. Hat es geklappt – und wie war es?

Das ist aber schon lange her. Als die Helene noch nicht so bekannt war, da war ich ihr einziger Supporter und bin belächelt worden. Heutzutage ist ja jeder auf diesem Zug, da bin ich abgesprungen.

Auf welchem Zug sitzen Sie jetzt?

Ich habe noch keinen, ich suche noch ein neues Talent.

Dann zurück zum Fußball: Warum steigt der FC Augsburg nicht ab?

Es gibt keine Garantie – für keine Mannschaft. Aber wir werden alles dafür tun, und ich bin überzeugt, dass wir drin bleiben. 

kni

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