Die alten „Chefs“ sind weg – „ein komisches Gefühl“

Führungsspieler gesucht: Hunt nimmt‘s in die Hand

Strandlauf mit Musik: Aaron Hunt stimmt sich auf Norderney auf die neue Saison ein. ·

Werder-Bremen - NORDERNEY · Es war der 18. September 2004, als Aaron Hunt die Bundesliga-Bühne betrat. Ein Jüngling, gerade 18 Jahre alt geworden. Ein schmales Hemd noch dazu. Aber extrem talentiert. Acht Jahre später ist das Talent immer noch vorhanden, die Schultern sind mittlerweile aber breiter geworden. „Stimmt schon“, sagt Hunt, „ich war häufiger im Kraftraum“. Aber können Talent und breitere Schultern auch tragen, was auf den Mittelfeldspieler in der neuen Saison zukommt? Sprich: Ist Hunt reif, bei Werder Bremen eine Führungsrolle zu übernehmen?

Als mittlerweile dienstältester Werder-Profi kommt ihm diese Aufgabe beinahe automatisch zu. „Klar“, sagt er selbst, „es sind ja nicht mehr soviele andere Führungsspieler übrig geblieben.“ In Claudio Pizarro, Tim Wiese, Tim Borowski sowie schon ein Jahr zuvor Per Mertesacker und Torsten Frings sind die, die viele Jahre den Ton angegeben hatten, verschwunden. Bleiben noch Clemens Fritz, Naldo – „ja, und ich“, meint Hunt: „Ich denke, dass wir das gemeinsam in die Hand nehmen werden.“

Allerdings erwächst Führungsqualität nicht aus breiten Schultern und auch nicht aus der Anzahl der im Verein zugebrachten Jahre. Ein Sokratis schert sich um diese Dinge beispielsweise gar nicht, sondern übernimmt einfach das Kommando. Aber Hunt, das Bremer Eigengewächs, muss sich erst noch daran gewöhnen, dass er nun in der ersten Reihe steht. Vorbei die Zeit, als er der „Nebenmann von“ oder „Ergänzung für“ war. Hunt soll, obwohl bei einigen Fans durchaus umstritten, eine Säule sein.

„Ein komisches Gefühl“ sei es gewesen, am ersten Trainingstag in die Kabine zu kommen und viele vertraute Kollegen nicht mehr zu sehen, sagt der 25-Jährige. Aber jemand, der die vergangenen acht Jahre beim SV Werder erleben durfte, hat gelernt, dass Stars kommen und gehen. Dem neuen Kader schenkt Aaron Hunt großes Vertrauen, spricht von einer echten Chance auf den Europapokal, während Werder jenseits der grün-weißen Welt sogar Abstiegskampf prophezeit wird. Zugegeben, die meisten dieser Prognosen stammen aus der Zeit vor der Verpflichtung von Eljero Elia. Der Niederländer, glaubt Hunt, hebt das Team auf ein höheres Niveau. „Er bringt uns weiter“, behauptet der zweifache Nationalspieler und bilanziert: „Wir haben einen guten Kader.“

Dem aber noch ein erfolgversprechendes System übergestülpt werden muss. Hunt sieht der Findungsphase mit Neugier entgegen und ist sogar entspannt, wenn es um seine eigene Rolle geht: „Ich sehe mich vor dem Sechser. Aber letztlich ist es nicht wichtig, wo auf der Taktiktafel mein Name steht. Hauptsache, ich spiele.“

Und Hauptsache, er trifft mal wieder häufiger ins gegnerische Tor. Nur dreimal war ihm das im vergangenen Jahr gelungen – eine schwache Quote. Erst recht für einen ehemaligen Stürmer wie Aaron Hunt. Der kratzt sich dann auch schuldbwewusst am Kopf und sagt, was jeder in seiner Situation sagen würde: „Natürlich muss ich mehr Tore machen.“ Allerdings war er noch der Top-Scorer im Mittelfeld, das insgesamt nur auf acht Saisontore kam. Also sagt der, der es sich erlauben darf: „Jeder muss sich vorwerfen lassen, zu wenig getroffen zu haben. Jeder einzelne Mittelfeldspieler ist jetzt gefordert.“ Aaron Hunt als neuer Führungsspieler jedoch am meisten. · csa

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