Sebastian Mielitz kassiert Gegentore en masse

„Fühle mich ungerecht behandelt“

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Sebastian Mielitz hechtet nach dem Ball. 51 Mal schlug es in dieser Saison schon hinter ihm ein. Nicht immer war er schuldlos. ·

Bremen - Sebastian Mielitz sagt, er käme noch „jeden Tag mit einem Lächeln zum Training“. Was erstaunlich ist. Denn eigentlich steht zu vermuten, dass ein Keeper, der bei Werder Bremen und damit in der Schießbude der Liga zwischen den Pfosten steht, mindestens Verdruss, wenn nicht gar Verzweiflung fühlt. Nicht aber Mielitz.

Trotz der erschreckenden Zahl von 51 Gegentoren in 26 Partien und der schlechtesten Quote an gehaltenen Bällen (siehe Statistik unten) ist er mit sich und seinen Leistungen offenbar im Reinen. Der Grund: Mielitz orientiert sich nicht an den Zahlen, sondern an den Urteilen seiner Ausbilder und Vorgesetzten. „Es hat hier noch niemand gesagt, dass er nicht mit mir zufrieden ist“, erklärt er: „Also denke ich, dass alles in Ordnung ist. Ich habe den Rückhalt im Verein.“

Heile Torwart-Welt hinter der schlechtesten Abwehr der Liga? Offenbar intern. Viele Fans murren aber schon länger über Sebastian Mielitz. Über vermeidbare Gegentore wie beim Freiburger Siegtreffer vor fünf Wochen, über den (folgenlosen) Fehltritt in Gladbach, über den Freistoß gegen Greuther Fürth. Sie tuscheln auch über zu wenig Ausstrahlung, zu wenig Souveränität, zu wenig Klasse.

Werders Torwart-Trainer Michael Kraft kennt das alles. Er redet gegen die Kritik an, seit Mielitz die Nummer eins ist in Bremen. Kraft ist immer wieder bemüht, das Gute nach vorne zu stellen. Ja, Mielitz mache Fehler. Aber das sei normal in der ersten Saison als Bundesliga-Stammkeeper. Insgesamt werde die Bremer Nummer eins „zu negativ gesehen“, sagt er und behauptet: „Sebastian macht seine Sache richtig gut.“

Findet Mielitz auch. So, wie Kraft es beschreibt, „so sehe ich es auch“, meint der 23-Jährige. Er lässt sich nicht davon erschüttern, dass ihm die Bälle bei Werder um die Ohren fliegen und Kritiker wie der ehemalige Werder-Keeper Frank Rost („Das sind zu viele haltbare Bälle, die da durchgehen“) andere Meinungen vertreten als sein Schutzpatron Michael Kraft. „Manchmal fühle ich mich ungerecht behandelt, aber damit muss ich klarkommen“, meint Mielitz.

Nur 59,52 Prozent aller Schüsse auf sein Tor wehrt er ab. Damit liegt der Bremer Schlussmann weit hinter allen anderen Stammkeepern der Liga. Aber natürlich argumentiert Mielitz, dass er nur Teil des Ganzen sei – nicht mehr, nicht weniger: „Es ist ein Gesamtpaket, alle sind gefordert, Tore zu verhindern. Ich bin halt der Letzte in der Kette. Ich muss die Bälle dann aus dem Tor holen – es macht ja kein anderer.“

Auffallend ist allerdings Mielitz’ Schwäche bei direkten Freistößen. Fünfmal schlug es in 26 Spielen schon nach ruhenden Bällen ein. Auch das ist ein – seit der Saison 97/98 (Stefan Klos bei Borussia Dortmund) nicht mehr erreichter – Liga-Negativwert. Dennoch steht Werder zu Mielitz, und Mielitz ist glücklich: „Ich freue mich jeden Tag, dass ich hier sein darf.“ · csa

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