Werder „feiert“ die Finalpleite im selben Lokal wie Leverkusen im Jahr zuvor

Frustbewältigung im Verlierer-Club

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Frust pur: Hugo Almeida trauert einer vergebene Torchance hinterher.

Berlin · Es hätte alles so schön sein können. Werder wollte feiern, und zwar das i-Tüpfelchen seiner im Endspurt doch noch ganz erfolgreichen Saison. Doch was die Bremer gerade im Berliner Olympiastadion erleben mussten, war keine Champagner-, sondern die berühmte eiskalte Dusche, die für die totale Ernüchterung sorgte.

Die noble Location an der Spree war längst angemietet. Das „Spindler & Klatt“ zählt in Berlin derzeit zu den angesagtesten In-Clubs, jenen Orten also, zu denen man eben nur Eintritt erhält, wenn man auf einer elitären Gästeliste steht.

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Werder Bremen hatte am späten Samstagabend einige hundert Auserwählte auf dieser Liste. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände fanden sich Spieler, Anhang, Sponsoren, VIPs, Journalisten ein: Mit ihnen wollte Werder eigentlich ausgelassen den siebten Pokalsieg feiern. Eigentlich. Doch die Bayern hatten ihnen die Party gründlich verdorben. Fast schon ironischerweise verlegten die frischgebackenen Double-Sieger ihr rauschendes Fest in das noble Gebäude eines Sponsors am „Werderschen Markt“.

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Die Auswahl des „Spindler & Klatt“ hatte dagegen schon eine Symbolik mit bitterem Beigeschmack, denn genau hier „feierte“ Bayer Leverkusen vor einem Jahr seine Finalniederlage gegen Werder. Herzlich willkommen also im offiziellen Verlierer-Club! Doch die Bremer hatten sich schnell entschieden, dass sie trotz des Debakels im Olympiastadion, der zeitweiligen Vorführung durch den Erzrivalen aus dem Süden, Grund genug zum Feiern hätten. „Es war trotzdem eine tolle Saison“, sagte Marko Marin fast ein wenig trotzig. Immerhin hatten die Hanseaten nach zwischenzeitlichem 16-Punkte-Rückstand noch den dritten Platz und damit den Relegationsplatz für die Champions League erkämpft. Doch konnte das die Schmach gegen die Bayern so einfach wegwischen?

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Sportdirektor Klaus Allofs versuchte sich jedenfalls in der Rolle des tapferen Stimmungsmachers. Um 23.58 Uhr, das Buffet war bereits eröffnet, rang sich Allofs zu einer kleinen Rede durch, die, wie böse Zunge behaupteten, auch in ein Twitter-Format gepasst hätte. „Manchmal ist es besser, einen Schritt zurück zu machen, um einen neuen Anlauf zu nehmen“, sagte er aufmunternd in Richtung der betrübten Werder-Profis und dann zu den Gästen: „Lasst euch die Laune nicht verderben.“ Die Spieler nahmen ihren Sportdirektor beim Wort und zogen sich mit ihrem Anhang in einen abgetrennten Bereich in der ersten Etage zurück. Beim ein oder anderen auch alkoholischen Getränk wurde die Stimmung zunehmend gelöster und selbst bei den ausgemusterten Profis, die wie Markus Rosenberg trotzdem extra nach Berlin angereist waren, machte sich so etwas wie Feierlaune breit. Und als schließlich die Lebensgefährtin von Mesut Özil, Anna-Maria Lagerblom, im Club erschien, hellte sich auch die Miene des 21-Jährigen zumindest ein wenig auf. Özil hatte seinen desolaten Auftritt nicht so einfach weglächeln können.

Dass seinem Chef Thomas Schaaf wohl auch nicht so recht nach Small Talk und Händeschütteln zumute war, demonstrierte er mit seinem Rückzug an den Tisch in der hintersten Ecke des Clubs. Nebst Ehefrau und einigen Freunden verschanzte sich Schaaf quasi. Vielleicht war ihm gar nicht aufgefallen, dass auch sein Vorgänger Otto Rehhagel mit Gattin zugegen war, wie auch der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann. Während draußen weiter das riesige Werder-Logo über die Ufermauer flimmerte, verringerte sich drinnen zügig die Gästeschar. Nach feiern war eben doch nicht jedem zumute. Selbst die funkensprühenden Eisbomben vermochten kaum noch zu locken, und die traurig geschmolzenen Eisklumpen rundeten das Bild eines trostlosen Abends irgendwie ab.

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